Wohlsborn

Lebenswerte Gemeinde im Weimarer Land

Die natürlichen Ressourcen des Ortes

Beitrag veröffentlicht am: 29.07.2006 | Autor: Ortschronist Thomas Fischer

Foto: von Dr. Jochen Kummer

Jedes Dorf, das bestehen wollte, musste sich weitgehend eigenst├Ąndig erhalten k├Ânnen.
Neben Ackerland und Vieh, das die Grundlage der Erwerbst├Ątigkeit vieler D├Ârfer bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren, geh├Ârten Quellwasser, Heizmaterial und Baumaterial zu den Grundvoraussetzungen f├╝r den Erhalt eines Dorfes.

Wie verhielt es sich damit nun in Wohlsborn?

Wie schon der Name vermuten l├Ąsst, gab es hier gen├╝gend Quellwasser. ├ťber das Wasser im Ort berichtet ein anderer Artikel. Noch bis in das 20. Jahrhundert war Holz das wichtigste Heizmaterial in Wohlsborn und den Orten um den Ettersberg. Auch f├╝r den Hausbau war Holz ein wichtiger Rohstoff. Wie die Namen ÔÇ×Holzweg" und ÔÇ×H├Âlzchen" (das kleine W├Ąldchen auf der linken Seite der Stra├če nach Weimar) vermuten lassen, war dort das Holzreservoir der Wohlsborner. Dem war aber lange nicht mehr so. Das ÔÇ×H├Âlzchen" ist tats├Ąchlich der Rest eines gr├Â├čeren Waldst├╝ckes, das aber l├Ąngst gerodet war. Das Holz wurde vom Ettersberg geholt.

Holzweg oder Schleifweg

Deshalb der Name "Holzweg", der au├čerhalb der Wohlsborner Flur als "Schleifweg" bis in den Wald f├╝hrte. Schleifweg deshalb, weil das Holz mit Hilfe eines Pferdes in das Dorf gezogen wurde. Dieser Weg, der nur so breit war, dass gerade ein Pferd dort entlang laufen konnte, musste von den Fluren der Orte, durch die der Weg f├╝hrte, geduldet werden. Da der Wald Eigentum des Herzogs bzw. Gro├čherzogs von SWE war, musste das Holz nat├╝rlich bezahlt werden. Das wurde mit der ├ťbertragung des Jagdrechts auf die Herrschaft abgesichert. Davon war das ganze Gebiet von Ettersburg bis Pfiffelbach betroffen, denn es gab hier sehr viele Hasen.

Kalkstein und Lehm

Weitere wichtige Rohstoffe waren Kalkstein und Lehm. Beides gab es in der Wohlsborner Flur gen├╝gend. Kalkstein am Nordhang des Kleinen Ettersberges ist ja nicht ungew├Âhnlich, denn der ganze Ettersberg besteht aus Muschelkalk, der etwa 215 Millionen Jahre auf dem Buckel hat.
Dementsprechend hart ist dieses Gestein auch - ideal f├╝r Grundmauern von Geb├Ąuden.

Muschelkalk

Das kann an vielen H├Ąusern in Wohlsborn noch gesehen werden, wie auch an einigen Mauern. Ganze H├Ąuser aus gut behauenen Bruchsteinen sind eher selten. Dagegen gibt es noch Geb├Ąude, die aus kleinen Kalksteinen, Bruchsteinabf├Ąllen und Lesesteinen (vom Feld) vermischt mit Lehm als Bindemittel aufgebaut wurden.

Steinbr├╝che

Steinbr├╝che gab es ├╝berall in der Flur, nat├╝rlich so nah wie m├Âglich am Dorf. Vor allem in Richtung Gro├čobringen und an der Stra├če zum ehemaligen Bahnhof gab es gr├Â├čere Gruben. Die wohl gr├Â├čte befand sich im Feld etwa 50 m links von der Stra├če zum ehemaligen Bahnhof, in der H├Ąlfte der Strecke zwischen Ortsausgang und ehem. Bahnhof. Bis in eine Tiefe von 5m wurde dort Kalkstein m├╝hsam gebrochen. Nachdem der Abbau sich durch die Verf├╝gbarkeit moderner Baustoffe nicht mehr lohnte, wurden die Gruben allm├Ąhlich mit M├╝ll gef├╝llt und in den 30er Jahren mit Muttererde wieder zu Ackerland rekultiviert.
Der letzte Steinbruch befand sich oberhalb des Wasserbassins des Wasserwerks Sachsenhausen, heute nur noch kenntlich an der dort wachsenden Baumgruppe. Diese Grube wurde noch bis Ende der 50er Jahre als M├╝llhalde genutzt und dann mit Lesesteinen verf├╝llt. Wohlsborn ist steinreich, das kann man bei Spazierg├Ąngen in der Flur immer wieder auf frisch gepfl├╝gten Feldern sehen.
Wenn man sich die M├╝he macht und einen gr├Â├čeren Stein aufhebt, kann man oft sch├Âne Fossilien entdecken.

Wohlsborn

Lehm

W├Ąhrend Muschelkalk fast in der ganzen Flur zu finden ist, gibt es Lehm vorwiegend nord├Âstlich am Ort und am Lindenberg. Abgebaut wurde der Lehm haupts├Ąchlich rechts neben der Stra├če nach Sachsenhausen, beginnend an der Stra├če zum Friedhof bis etwa 200 m in Richtung Sachsenhausen und rechts davon bis etwa Anfang des Friedhofs. Wie bei dem Kalkstein wurde der Abbau eingestellt und die Gruben mit Abfall/M├╝ll gef├╝llt. Mitte der 30er Jahre wurde Erde aufgef├╝llt.

Gartenland

Ein Teil wurde Gartenland und von der Gemeinde verpachtet, ein Teil wurde f├╝r die 1937 angepflanzte gemeindeeigene Kirschplantage (ÔÇ×KirschenwieseÔÇť) genutzt. Der Rest war noch bis Ende der 50er Jahre Schuttplatz und wurde sp├Ąter mit Erde aufgef├╝llt und als ÔÇ×KrautlandÔÇť genutzt. Obwohl die gro├če Zeit der Lehmbauten vor├╝ber war, war Lehm f├╝r Reparaturen oder f├╝r Kachel├Âfen immer noch gefragt. Deshalb gab es bis zur Verrohrung (1975) des in den 30er Jahren zwischen Stra├če und Friedhof angelegten Grabens immer freiliegende Lehmvorkommen an dessen Wand. Beim Aushub des Regenwasserauffangbeckens auf der ÔÇ×KirschenwieseÔÇť konnte man sehen, dass es noch immer Lehmvorkommen gibt.