Pferdesport in Wohlsborn

Anfang der 1950er Jahre, wenige Jahre nach dem Ende des 2.WK hatte sich vieles in den Orten des Kreises Weimar normalisiert. Neben der täglichen harten Arbeit wurde auch wieder mehr Sport getrieben. Neben Fußball war das Reiten eine bevorzugte Sportart. Auch in Wohlsborn trafen sich junge Bauern, um gemeinsam diesen Sport auszuüben. Anfang 1952 organisierten sie sich in der SG (Sportgemeinschaft) Wohlsborn, Sektion Pferdesport. Die Idee dazu hatten Gerhard und Ewald Mund, Lothar Gernhard, Hugo und Gerhard Sädler. Gerhard Mund wurde Sektionsleiter, Lothar Gernhard Kassierer. In die SG traten neben den genannten Sportfreunden noch Werner Hasse und Bruno Menge ein.

Springreiten R. Kaufmann

Springreiten R. Kaufmann

Dazu kamen noch aus Rohrbach Rolf Kaufmann (auch Ewald Mund wohnte damals bereits in Rohrbach), aus Leutenthal Martin Löder, Armin Berbig, Martin Kaufmann, Harry Steinhäuser, aus Großobringen Lothar Querndt, Herbert Mähler, aus Kleinobringen Manfred Sundhaus und aus Schöndorf Helmut Schöps sowie Konrad Schneu. Anfangs war auch Wolfgang Gröbe aus Pfiffelbach, sowie einer der Reichmuths aus Großobringen dabei. Zeitweilig ritten Suse Machetanz aus Liebstedt und Bernd Röder aus Ballstedt mit. Später ritt auch Heinrich Nimmrich mit.

In Wohlsborn existierte 1952 nur ein Sportplatz, vorwiegend für den Fußball. Deshalb wurde anfangs in Rohrbach auf dem Reitplatz im Gutsgelände trainiert. Der erste Reitlehrer war der Betriebsleiter des Gutes, Emil Rost.

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Quadrille, kommandiert von Emil Rost

Auch Herr Kuchenbäcker aus Rohrbach trainierte die SG. Das erste Reit-, Spring- und Fahrturnier fand am 11.April 1953 in Buttstädt statt, von der Wohlsborner SG organisiert! Da sich am 11. April 1945 die Häftlinge des KZ Buchenwald selbst befreit hatten, durften am 11. April keine andersartigen Veranstaltungen durchgeführt werden.

Erst durch die Genehmigung des Bezirksekretariats der SED, die persönlich beantragt wurde, konnte das Turnier starten. Es fand auf dem Rossplatz statt, der auch heute noch zum Pferdemarkt genutzt wird. Zu dieser Zeit war ein Turnierplatz in Wohlsborn bereits geplant. Er wurde neben dem Fußballplatz angelegt. Das Paul Nimmrich gehörende Grundstück wurde gegen ein gemeindeeigenes getauscht. Damit war es allerdings noch nicht nutzbar. Das hügelige Gelände war für den Sport nicht geeignet. In vielen Stunden harter Arbeit wurde der Platz planiert. Der Bauunternehmer Haupt aus Sachsenhausen stellte Feldbahnloren und die dazu passenden Schienen kostenlos zur Verfügung. Wir Kinder sahen gebannt zu, wie die Loren gefüllt, zum Zielort geschoben und dort entleert wurden. In relativ kurzer Zeit wurde aus dem hügeligen Gelände ein flacher Platz für Parcours und Vorplatz.

Viele Wohlsborner vorwiegend Jugendliche beteiligten sich am Bau des Turnierplatzes. Arbeitlohn gab es nicht, alles wurde freiwillig und mit großer Freude gemacht. Zeit dafür war nur dann, wenn auf den Feldern keine Arbeiten zu erledigen waren. Nach der Planierung musste auch der Parcours eingezäunt und Hindernisse für das Springreiten gebaut werden. Alles das wurde selbst angefertigt, das Holz (Fichte) kam vorwiegend vom Ettersberg (sog. Bodenreformholz u.a. von L. Querndt und H. Mähler). Als all dies fertig war, konnte endlich in Wohlsborn trainiert werden. Immer noch von Reitlehrer Rost, bis Gerhard Mund das Training übernahm.

Pferdesport in Wohlsborn

Gerhard Mund im Zweispänner in Leipzig

Insbesondere bei der Dressur kam es auf genaue Ausführung der Kommandos an. Das wurde durch Pfiffe mit Trillerpfeifen vorgegeben. Natürlich wurde das Ergebnis des Trainings in einem Turnier in Wohlsborn umgesetzt. Dazu kamen Reiter aus den SG anderer Orte des Kreises. Diese Veranstaltungen wurden von sehr vielen Einwohnern und Gästen besucht. Die Organisation des Turniers erforderte einen hohen Zeitaufwand. Mit den einzelnen Reitern musste konkret abgestimmt werden, wer, wann, was zu tun hatte. Die Pferde, die am Vortag gebracht wurden, mussten in Ställen untergebracht werden. Und das Wetter musste mitspielen. Ein Turnier, so erzählte Gerhard Mund, musste wegen Gewitter und anschließendem Hochwasser ausfallen – die Reiter wurden auf dem Saal der Gaststätte „Zur Erholung“ Inh. Artur Strobach untergebracht, bis sich das Unwetter verzogen hatte. Umsonst die Vorbereitungen.

Pferdesport in Wohlsborn

Die Wohlsborner SG zur 1000 Jahresfeier in Liebstedt

Natürlich nahmen die Sportler der Wohlsborner SG auch an den Turnieren in anderen Orten teil: Berlstedt, Bad Berka, Hopfgarten, Utzberg, Niederzimmern, Buttstädt, Rudersdorf, Apolda, Großneuhausen, im Park von Weimar und auf der Landwirtschaftsausstellung in Leipzig-Markkleeberg.

Pferdesport in Wohlsborn

Festumzug in Wohlsborn

Turniere fanden vorwiegend ab April bis Mitte Juli statt, in einer Zeit, in der die Pferde nicht auf dem Feld gebraucht wurden.

Nach der Saison 1958 löste sich die SG auf. Die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) des Kreises Weimar mit ihrer Sektion Pferdesport im Marstall in Weimar bedrängte die SG immer stärker, in die GST einzutreten. Das wollten die Sportfreunde nicht, wegen der Pferde, die ja keine reinen Warmblüter, sondern schwere Warmblüter waren und auch weil sich die GST immer mehr zu einer vormilitärischen Organisation entwickelte. Ein letztes mal fand in Wohlsborn eine Pferdesportveranstaltung anlässlich der 700 Jahrfeier im Juni 1969 statt. Lothar Gernhardt, der nach Berlstedt gezogen war, hatte organisiert, dass die SG Berlstedt ihr Können zeigte.

Pferdesport in Wohlsborn

Dressur – Bruno Menge

Im Allgemeinen ritt jeder der Sportler die eigenen Pferde. Ausnahmen waren Gerhard Sädler, der ein Pferd aus dem Stall von Paul Menge ritt, sein Bruder Hugo Sädler, der ein Pferd von Löders aus Leutenthal ritt und Konrad Schneu aus Schöndorf, der ein Pferd des Schöndorfer Gutes ritt. In Wohlsborn züchteten vor allem Walter Mund und Paul Menge, tw. Auch Werner Hasse Pferde. Walter Mund hatte große Erfolge mit Oldenburgern, die später Schweres Warmblut genannt wurden. 1954 und 1957 wurden seine Staatsprämienstuten in Leipzig-Markkleeberg vorgeführt. Diese Veranstaltungen dauerten jeweils 14 Tage und während vormittags die Pferde vorgeführt wurden, fanden nachmittags Turniere statt. Wenige Jahre nach Gründung der LPG „Am Bärenhügel“ in Wohlsborn verdrängte moderne Technik die Pferde in der Feldarbeit. Es gab immer weniger Pferde im Ort, Mitte der 60er Jahre gab es keine mehr. Die Weiterführung der Zucht lohnte nicht mehr – eine Ära ging zu Ende.

Pferdesport in Wohlsborn

Einspänner

Die Informationen habe ich nach Gesprächen mit Gerda Müller, Ewald und Gerhard Mund, Gerhard und Hugo Sädler, Rolf Kaufmann und Heinrich Nimmrich aufgeschrieben. Von ihnen habe ich auch die abgebildeten Fotos und weitere Fotos und Urkunden zum Kopieren erhalten. Dafür bedanke ich mich herzlich. Ebenso bedanke ich mich bei meiner Tochter, die während der Gespräche die Fotos und Urkunden kopiert hat.

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