Der Rutschestein

Geschichte und Geschichten von Wohlsborn

Auf der Ortskarte von 1817 gehört der Platz, der seit 2006 „Zum Rutschestein“ heißt, zur „Breitenstraße“, hat also keinen eigenen Namen. Als Ende des 19. Jahrhunderts der „Anger“ „Glaserplatz“ genannt wurde, wurde der o.g. Platz „Anger“ genannt. Jedenfalls ist das aus den Aufzeichnungen von Harry Berbig zu entnehmen, in denen er auch über den Rutschestein berichtet:
„Für die jüngere Generation war auf dem Anger vor dem Haus der Geschwister Hopfgarten der Rutschestein das Ziel ihrer Wünsche. Eigentlich war es eine nur schräg aufgestellte Kalksteinplatte, die früher aus einem der örtlichen Steinbrüche gebrochen und dann übriggeblieben war. Mit anderen kleineren Bruchsteinen abgestützt, waren Generationen von Kindern dort heruntergerutscht und manche Hose oder Kleidchen hatte dort ihren Rest bekommen. An den oberen Rand waren in geduldiger Arbeit von Generationen viele tiefe Rillen eingewetzt. Damit wurde mit Wasser oder Spucke und roten Dachziegelresten eine Farbpampe hergestellt, die sich vorzüglich zum Bemalen beim Indianer- oder Räuber- und Gendarmspiel eignete. Nicht weit davon stand eine alte Dorflinde, die uns Jungen zu waghalsigen Klettereien und zu zerrissenen Hosen verhalf.“
[Auszug aus den “Erinnerungen” von Harry Berbig]

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Wie man auf diesem Foto aus den 20er Jahre sehen kann, steht der Rutschestein nicht vor dem Haus der Geschwister Hopfgarten, sondern vor dem Haus Nr. 14, das W.Eckardt gehörte. Zwei mächtige Linden zierten damals diesen Platz. In den 50er Jahren fiel eine Linde, später auch die zweite.

Der Name „Anger“ wurde nie offiziell verwendet. Als in den 70er Jahren die Straßennamen auf den Postsendungen verwendet werden mussten, wurde der alte Name „Breitenstraße“ wieder verwendet.

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Auf diesem Foto vom Juni 1969 (Fw-Vorführung während der 700-Jahr-Feier) steht   das Haus Nr. 14 noch, 1974 wurde das baufällige Haus abgerissen, wie ein Foto von 1975 zeigt.

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Der Rutschestein wurde bis zu seinem Ende so genutzt, wie Herr Berbig es beschrieben hat, jedoch weitaus seltener.
Während der Schachtarbeiten zur Wasserleitung 1988 sollte der Rutschestein versetzt werden, um eine Zerstörung des Steins zu vermeiden. Genau dabei passierte es: der Stein zerbrach.

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Die Zufahrten zu den Grundstücken waren nicht befestigt. Erst im Rahmen der Dorferneuerung wurde dieser Platz umgestaltet und die Zufahrten gepflastert. Das Bild oben zeigt den Platz 2000 während der Gestaltungsarbeiten. Die Birken wurden in diesem Rahmen gefällt.

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2001 wurde ein neuer Stein besorgt und an den Platz gesetzt, auf dem er noch heute steht. Allerdings ist dieser Stein zum Rutschen eher nicht geeignet.

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Dieses Foto zeigt den Platz im Jahr 2008.rutschestein08

Auf diesen beiden Fotos vom 4. März ist die derzeitige Bepflanzung mit Bäumen zu sehen.

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Thomas Fischer
Ortschronist
04.03.2015

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