Die Lehrer

Nach dem Artikel über die Schulgebäude wird im nachfolgend berichtet, wer die Kinder unterrichtet hat.

Der früheste nachweisbare Lehrer war seit dem 21. Juni 1779 Traugott Leberecht Mohr, der gleichzeitig auch Kantor war. Er starb am 9. Juni 1832.

Seine Nachfolge trat Johann Heinrich Böhme, gebürtig aus Kleinobringen, vorheriger Seminarist in Weimar, an. Dieser starb am 26. Januar 1851 „zum größten Schmerze aller seiner Schüler, sowie der gesamten Gemeinde“.

An die Stelle des leider zu früh Geschiedenen trat Franz Theodor Magnus Böhme aus Willerstedt, vorher Hilfslehrer in Berlstedt. Die Serie „Villen im Weimarer Land“ Folge (98) in der TLZ vom 12.04.2003 ist o.g. in Willerstedt geborenem Lehrer und Kantor gewidmet. Er war einer der bedeutendsten deutschen Volksliedsammler und -forscher. Am 28. April 1854 hielt der nach Riethnordhausen berufene Schullehrer Franz Theodor Böhme seine letzten Schulstunden in Wohlsborn. Am 2. Mai zog er mit seiner Familie fort.

An seine Stelle trat Herr Friedrich Anton Rudolf Günther aus Allstedt, vorher war er in Schwerstedt gewesen.

Ab 1. Juni 1856 ist Hermann Richard Oskar Böhme aus Wohlsborn vom Lehrerseminar in Weimar Lehrer. Dieser verdienstvolle Lehrer starb im Ruhestand am 14.11.1908 im Alter von 73 Jahren.

Seit 1899 unterrichtete Lehrer Kühnemund, der bis 1903 in Wohlsborn blieb.

Nach ihm kommt als neuer Lehrer der Lehramtskandidat Hermann Thomas aus Weimar nach Wohlsborn, der später nach Weimar versetzt wird.

Seit 1913 ist Herr Fleischhack Lehrer bis 1920.

1920 kam auch die Schule wieder in Ordnung, dadurch, dass an Stelle des nach Weimar versetzten A. Fleischhack nun Lehramtskandidat Paul Fischer aus Kaltennordheim, ein Kriegsbeschädigter und verheiratet, seinen Dienst hier antrat. 1925 zog Lehrer Paul Fischer nach Arnstadt, wo er Berufsschullehrer wurde.

An seine Stelle trat der aus Crawinkel stammende Lehramtskandidat Alexander Langenhan, den die Gemeinde gern endgültig als Lehrer behalten hätte. Trotzdem wurde der Lehrer Bernhard Klein aus Buttelstedt Ende 1926 nach hier versetzt. Langenhan ging am 1.10.1926 nach Buttelstedt . Ab 1.5.1934 ging Lehrer Klein an das Gymnasium in Altenburg als Musiklehrer.

An seine Stelle kam am 1.5. 1934 Otto Stöckel von Oberpöllnitz, der bis 1938 blieb.

Von 1938 bis 1940 war Günther Amende Lehrer, der 1940 zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

Bis 1944 war die Schule in Wohlsborn geschlossen und die Kinder besuchten die Schule in Sachsenhausen. Vom Herbst 1944 bis Mitte 1946 war Frl. Elisabeth Wiesand aus Berlin Lehrerin in Wohlsborn.

Da wegen der Umsiedlerfamilien sich die Anzahl der Kinder im Ort wesentlich erhöht hatte, wurden ab 1. September 1946 zwei Lehrkräfte angestellt: Herr Herbert Teuber und Frl. Ingeborg Ullrich. Frl. Ullrich wurde bereits im April 1947 versetzt und an ihre Stelle kam als zweiter Lehrer Herr Werner Brieg nach Wohlsborn.

Nach Versetzung des Lehrers Teuber nach Ramsla übernahm Herr Artur Hietel dessen Stelle. Ab 1953 unterrichtete Walter Gottermann aus Liebstedt die 3. und 4. Klasse und Fritz Hartmann aus Schöndorf die 1. und 2. Klasse. Werner Brieg ging nach Sachsenhausen.

Ab 1955 kam für Herrn Hartmann, der in Rente ging, Frau Elisabeth Meisenhälter, die bis 1964 unterrichtete. Bis zu den Sommerferien 1974 wurde in Wohlsborn noch die 1. Klasse unterrichtet. Als Lehrerinnen waren nacheinander tätig: Frau Menzel, Frau Obst, Frau Lünzer.

Die Schulgebäude

Mit dem Ende der Sommerferien 1964 wurde das Kapitel „Schule in Wohlsborn“ fast geschlossen. Ab 1. September 1964 gingen alle Kinder aus Wohlsborn bis zur 8. Klasse nach Großobringen zur Schule, die 9. und 10. Klasse wurde in Buttelstedt unterrichtet.
Bis zu den Sommerferien 1974 wurde in Wohlsborn allerdings noch die 1. Klasse unterrichtet. Als Lehrerinnen waren nacheinander tätig: Frau Menzel, Frau Obst, Frau Lünzer.

1575 wird erstmals eine Schule in Wohlsborn erwähnt. Die nächste Erwähnung in der Chronik über die Schule ist dem 50 jährigem Dienstjubiläum des Lehrers Mohr gewidmet. Ein Lehrer genügte damals für die Kinder unseres Ortes. Der Schulraum war in einem kleinen Haus untergebracht. Ein Raum für die Kinder aller Altersstufen genügte völlig.
In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts brachten neue Schulgesetze im Großherzogtum mehr Ordnung in die Ausbildung der Kinder und immer mehr Gemeinden entschlossen sich, neue Schulgebäude bauen zu lassen.

Clemens W. Coudray war von 1816 bis1845 Oberbaudirektor der Oberbaubehörde des Großherzogtums. 1824 war angeordnet worden, dass alle größeren Reparaturen und Neubauten im Schulbereich von der Oberbaubehörde abgesegnet sein mussten. Damit war eine Vereinheitlichung der neuen Schulgebäude möglich, die von Coudray auch durchgeführt wurde. In sehr vielen Orten des Großherzogtums wurden Schulen gebaut, die vom Prinzip gleich waren: Einfache Bauweise, ein Unterrichtsraum für alle Klassen, im Obergeschoss die Lehrerwohnung.

Auch Wohlsborn ließ eine solche Schule erbauen. 1835 wurde mit den Arbeiten begonnen, am 9.11.1837 wurde die neue Schule eingeweiht. Das frühere Schulgebäude wurde an den Schneidermeister Kleine verkauft und fiel Himmelfahrt 1847 einem Feuer vollständig zum Opfer.
Im Frühjahr 1857 wurde eine bedeutende Verlängerung der Schulstube vorgenommen. Ein Winkel wurde beseitigt, neue Tafeln angebracht und ein Pultkatheder aufgestellt. Das Schulinventar wurde durch eine Karte von Deutschland und eine russische Rechenmaschine ergänzt.
Der 1. Weltkrieg griff tief in das Schulwesen, auch in Wohlsborn, ein. 1916 wurde bekannt gegeben, dass mit Papier äußerst sparsam umgegangen werden musste. Die noch vorhandenen Schiefertafeln aus den unteren Klassen wurden deshalb bis in die oberen Klassen benutzt. Ab Anfang Dezember 1917 gingen auch in unserem Dorf die Kinder erst ab 1/2 9 Uhr zur Schule, um Lichtkosten zu sparen. Vorher wurde im Winter um 8 Uhr begonnen. In der Hauptsache fehlte es an Kohlen, darum blieb die Schule sogar geschlossen. Die Kinder gingen ganz unregelmäßig zur Schule.

Erst 1920 trat wieder Ordnung in das Schulwesen ein. Der Unterricht für alle Altersstufen in nur einem Raum war nicht mehr zeitgemäß, deshalb wurde 1934 an Stelle der alten Schulscheune ein neues Schulgebäude errichtet und am 02.09. eingeweiht. Die Mittel dafür wurden teils von der Gemeinde, teils vom Kreis bereitgestellt. Die Maurerarbeiten wurden von dem Bauunternehmer Max Vogel aus Wohlsborn und die Zimmererarbeiten vom Zimmermeister Oskar Kühndorf aus Leutenthal ausgeführt. Bauleiter war der Baumeister Erhard Böber aus Schöndorf. Die Gesamtkosten des Baues beliefen sich auf insgesamt 6 838,24 RM. Einen Teil der neuen Schulbänke bezahlte die Bevölkerung.
Seitdem wurden die Schüler der 1. bis 4. Klasse in dem neuen Gebäude und die Schüler der 5. bis 8. Klasse im alten Schulgebäude unterrichtet.

Auch der 2. Weltkrieg sorgte für Unregelmäßigkeiten in der Schule. Nach Kriegsende wurde das Schulwesen reformiert. Ab 1. September 1950 gehörten Wohlsborn, Sachsenhausen, Leutenthal und Rohrbach zu einem Schulzweckverband. Die Kinder des 1. bis 4. Schuljahres aus Wohlsborn und Sachsenhausen besuchten die Schule in Wohlsborn, umgedreht die Schüler der 5. bis 8. Klasse die Schule in Sachsenhausen. In Leutenthal und Rohrbach erfolgte eine analoge Lösung. Die Schülerstärke betrug dabei in Wohlsborn 54 Schüler.

1951 wurde das alte Schulgebäude gründlich renoviert. Die Kosten dafür betrugen 1200 Mark, die aus Gemeindemitteln aufgebracht wurden.
Im Unterrichtsraum der neuen Schule wurden die Schüler der 1. und 2. Klasse unterrichtet, im Unterrichtsraum der alten Schule die Schüler der 3. und 4. Klasse. Zwischen dem Anbau an der alten Schule und der neuen Schule stand eine Mauer, dahinter waren die Aschengrube und die Toiletten untergebracht. Der Zugang von der neuen Schule erfolgte durch eine Tür in der Mauer gleich neben dem Schulgebäude.

Zum 1. September 1960 wurde unser Dorf von einer weiteren Zentralisation des Schulwesens betroffen, die das Ziel hatte, die Bildungsverhältnisse auf dem Lande zu verbessern und unseren Kindern gleiche Bildungsmöglichkeiten wie den Kindern in der Stadt zu gewährleisten.

Es wurde ein Oberschulbereich Sachsenhausen/Großobringen ins Leben gerufen, in dem alle Kinder bis zum Abschluss der 8. Klasse unterrichtet wurden. Dagegen mussten die 10 Klassen-Schüler vorläufig noch in der Oberschule Buttelstedt unterrichtet werden. Zum Oberschulbereich gehörten außer den bereits genannten Dörfern auch noch Leutenthal und Rohrbach und teilweise mit den Unterstufenklassen auch Kleinobringen und Heichelheim. Anfangs wurden in der Oberstufe je 2 Klassen in Sachsenhausen und in Großobringen unterrichtet. Die Lehrer „pendelten“ zwischen den beiden Orten und für die Kinder gab es einen kostenlosen Schülerbusverkehr. In Wohlsborn verblieb vorerst die gesamte Unterstufe.

Durch die weitere Verbesserung der Schulverhältnisse in Großobringen konnte ab 1. September 1964 in Großobringen von der POS Buttelstedt die 9. Klasse übernommen werden, so dass nur noch die Schüler der 10. Klasse die POS Buttelstedt besuchten.
Am 1. November 1966 wurde im ehemaligen Unterrichtsraum ein Schulhort eröffnet, der die Aufgabe hatte, die Unterstufenkinder des Ortes nachmittags zu betreuen. Als erste Leiterin des Schulhortes wurde Frau Helga Gottermann eingesetzt.

Für die Schule und das Dorf war dies eine kluge Entscheidung, denn bis zur Auflösung des Hortes im Jahre 1980 hatte sie mit viel Liebe zu den Kindern, mit viel Aufwand den materiell-technischen Fragen des weitern Ausbaues des Hortes, aber auch den inhaltlichen Fragen gewidmet, so dass der Schulhort unter ihrer Leitung im Oberschulbereich Großobringen und darüber hinaus einen geachteten Namen besaß.

1967 wurde der Außenputz der alten Schule durch ehemalige Schüler erneuert und vor der Schule ein Plattenweg verlegt.
Die neue Schule wurde als Kindergarten genutzt. Ende 1974 waren die Umbauarbeiten an dem Gebäude beendet, sodass Wohlsborn einen modernen Kinderkarten erhielt. An der Ostseite der Schule wurde der Toilettentrakt angebaut.

Nachdem der Raum für den Hort nicht mehr genutzt wurde, wurde er durch eine Trennwand geteilt und für Arztsprechstunden genutzt. Der vordere Raum diente als Wartezimmer, der Raum hinter der Trennwand war das Arztsprechzimmer. Die Gemeindebücherei wurde im Wartezimmer untergebracht, dadurch erhöhte sich das Ausleihen der Bücher, das Herr Gottermann betreute, sehr.

Im November 1992 wurde beschlossen, das alte Schulgebäude zu verkaufen. Es wurde im April 1993 an Fam. R. Göpfert verkauft.
1993 wurde der Kindergarten geschlossen und zur Nutzung für interessierte Bürger ausgeschrieben. Im Februar 1994 wurde beschlossen, das Gebäude als Bürgerhaus umzubauen.
Somit haben die ehemaligen Schulgebäude unseres Ortes eine sinnvolle Nutzung erhalten.

Die Bürgermeister

In der Ortschronik wird erstmals 1855 ein Bürgermeister erwähnt. In jenem Jahr fand eine Neuwahl des Gemeinderates statt. Als Bürgermeister wurde Johann Christian Albrecht wieder gewählt. 1854 wurden aufgrund einer revidierten Gemeindeordnung in Sachsen-Weimar 4 zusätzliche Gemeinderäte gewählt.

Noch 1833 wurde das Amt des Bürgermeisters als Schultheiß bezeichnet. Dieses Amt übte damals J.M.Menge aus. In der Chronik ist leider nichts über die Dauer seiner Amtszeit zu finden.

Anfang 1865 starb J.C.Albrecht und als Nachfolger wurde Karl Mohr gewählt. Das Stimmrecht bei Wahlen war damals vom Besitz abhängig. Wer also viel Grundbesitz sein Eigen nannte, hatte mehrere Stimmen! Im Allgemeinen verblieb damals der einmal gewählte Bürgermeister bis zu seinem Tode in diesem Amt.

1879 wurde der Landwirt Theodor Menge nach dem Tod von Karl Mohr zum Bürgermeister gewählt. Bei der Wahl 1909 wurde er mit großer Mehrheit wieder gewählt. Stellvertreter wurde Landwirt Oswald Langbein.

Bis September 1919 wurden erstmals nach dem Krieg Wahlen der Bürgermeister und deren Stellvertreter im ehemaligen Großherzogtum durchgeführt. Gleichzeitig wurde die Wahlperiode von 6 auf 3 Jahre reduziert. Menge und Langbein wurden wieder gewählt. 1920 legte Theodor Menge aus Altersgründen sein Amt nieder. Er starb 1922 80-Jährig.

Als Nachfolger wurde Landwirt Hugo Fuchs gewählt. Gemeindevorsitzender wurde Max Hoffmann. Hugo Fuchs trat 1922 zurück und Oswald Langbein übernahm das Amt kommissarisch. Bereits 1923 wurde erneut gewählt. In den 20-er Jahren gab es anscheinend auch in Wohlsborn starke politische Gegensätze zwischen Bauern und Arbeitern. Der neu gewählte Gemeinderat bestand aus 4 bürgerlichen und 3 Arbeitervertretern. Wobei nicht konkret ausgesagt wird, wer unter „bürgerlich“ zu zählen war.

Bürgermeister wurde Oswald Langbein, Gemeindevorsitzender der Zimmermann Arno Vogel. Oswald Langbein schied infolge eines Schlaganfalls 1929 aus dem Amt aus und Hugo Fuchs wurde wieder zum Bürgermeister gewählt.

Seine Nachfolge trat nach der Wahl 1934 Arno Vogel an. Er übte dieses Amt bis zum Kriegsende aus. Während seiner Amtszeit hat er trotz Nationalsozialismus die Gemeinde gemäßigt geführt. Er hat es auch verstanden, Umsiedler und Flüchtlinge, die Wohlsborn während des Krieges aufnehmen musste, den einzelnen Hausbesitzern in verträglichem Maße zuzuordnen. Ihm ist es, Augenzeugenberichten zufolge auch zu verdanken, dass nach dem Absturz des amerikanischen Bombers am 20. Juli 1944, an den geretteten Besatzungsmitgliedern keine Greueltaten durch Wohlsborner verübt wurden.

Nach dem Krieg war Franz Nimmrich bis zur Wahl im Oktober 1946 Bürgermeister.

Am 8. September fanden seit 1932 die ersten demokratischen Gemeindewahlen statt. Alle im Ort vertretenen Parteien und Organisationen hatten getrennte Listen aufgestellt und stellten ihre Kandidaten zur Wahl. Im Ort gab es 222 Wahlberechtigte, 204 gingen zur Wahl und davon gaben 191 gültige Stimmen ab. Die Stimmen verteilten sich folgendermaßen: Sozialistische Einheitspartei (SED) 88 Stimmen Liberaldemokratische Partei (LDPD) 51 Stimmen Christlich-Demokratische Union (CDU) 13 Stimmen Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) 34 Stimmen Damit stellte die SED als stärkste politische Kraft des Ortes im Bündnis mit der VdgB den Bürgermeister und verfügten über die Mehrheit im Gemeinderat und in der Gemeindevertretung. Diese Wahl war in allen Orten die Basis für die den Bürgermeister stellende Partei. Das war in Wohlsborn demzufolge bis zur Wende die SED. Erster SED-Bürgermeister wurde Alfred Rahn. Er übte dieses Amt bis zum 31.12.1951 aus.

Während die Bürgermeister bisher ehrenamtlich tätig waren, wurde nun der Bürgermeister ein Vollzeitberuf. Ab 01.01.1952 wurde Karl Engels als Bürgermeister in Wohlsborn eingesetzt. Er starb am 28.02. 1957 .

Georg Höfer trat am 01.03.1957 seine Nachfolge an. Seine Amtszeit endete am 31.07.1976. In den letzten Jahren seiner Amtszeit hatte er Sachsenhausen und Wohlsborn verwaltet.

Seine Nachfolge trat erst mal ehrenamtlich Wolfgang Wedel an, bis er ab 01.01.1978 hauptamtlich eingesetzt wurde. Er starb am 30.04.1986.

Vom 01.05. bis zum 31.07. wurde Peter Thomas als ehrenamtlicher und ab 01.08. als hauptamtlicher Bürgermeister bestellt. Dieses Amt übte er bis zum 28.02.1991 aus.

Sein Nachfolger wurde Hans Wagner aus Weimar. Er wurde gewählt und übte das Amt hauptamtlich bis zum 31.03.1993 aus. Ab 01.04.1993 war er Geschäftsführer in der VG Buttelstedt und war nur noch ehrenamtlich als Bürgermeister in Wohlsborn tätig. Wegen seine Tätigkeit in Buttelstedt durfte er zur Bürgermeisterwahl 1999 nicht mehr kandidieren.

Peter Thomas stellte sich zur Wahl und wurde mit großer Mehrheit als Bürgermeister gewählt. Damit sind alle seit 1830 bekannten Bürgermeister Wohlsborns aufgeführt. Was sie für Wohlsborn erreicht haben, können Sie in der Chronik, die Sie im Gemeindebüro bestellen können, nachlesen.

Das Bürgermeisteramt

Die ehrenamtlichen Bürgermeister hatten das Büro oder die Amtsstube in ihrem Wohnhaus eingerichtet. So erzählte mir Frau Brigitte Frei, die Enkelin des letzte Bürgermeisters vor Kriegsende, Arno Vogel, dass er für die Amtsgeschäfte das Wohnzimmer nutzte. Kamen mehrere Bürger mit einem Anliegen zu ihm, durften sie in der Küche warten.

Mit dem Übergang des Bürgermeisteramtes zu einer hauptamtlichen Funktion wurde es notwendig, ein Büro einzurichten, in dem die Amtsgeschäfte erledigt, Bürgersprechstunden und Sitzungen abgehalten werden konnten. Als erstes Büro wurde ein Zimmer im Erdgeschoss von Familie Hedwig Hopfgarten (Nr. 9) gemietet.

1958 verzog der letzte Bäcker nach Weimar. Vom Backen in dem damals nur etwa 220 Einwohner umfassenden Dorf konnte man nicht mehr existieren und so fand sich kein neuer Pächter – das Backhaus blieb leer. Die Gemeinde beschloss, im Erdgeschoss eine Konsumverkaufsstelle einzurichten, im Obergeschoss das Bürgermeisteramt, ein Jugendzimmer und später ein Arztzimmer.

Nachdem das 1964 erbaute LPG-Gebäude nicht mehr benötigt wurde, wurde es als Wohnung der NVA-Dienststelle in Großobringen vermietet. Als es nach der Wende leer stand, war das eine gute Gelegenheit für die Gemeinde, das alte Backhaus zu verkaufen und dieses kleine Gebäude von der Agrargenossenschaft zu kaufen. Der Umzug fand am 01.06.1993 statt.

Nun wurden die Büroräume wieder Büroräume, nur saß jetzt der Bürgermeister im hinteren Raum und im Vorzimmer saß bis zum 30.04.1992 Frau Ursula Weber. Sie war seit 02.05.1961 Sachbearbeiterin. Von 1945 bis 1949 und von 1953 bis 1961 übte Frau Helene Fischer diese Tätigkeit aus. In der Zwischenzeit war Herr Werner Schiene für die Gemeinde tätig. Ab 01.05.1992 arbeitete Frau Christina Hasse als Sachbearbeiterin in diesem Büro bis zum 31.03.1993. Seit dem 01.04.1993 besteht einmal in der Woche die Möglichkeit, dass die Bürger ihre Anliegen und Probleme zur Bürgersprechstunde mit Frau Hasse oder dem Bürgermeister sprechen können. 2006 wurde das Gebäude verkauft.

Die Pfarrer

In diesem Artikel erfahren Sie etwas über die in Wohlsborn tätigen Geistlichen. Namentlich bekannt sind die Pfarrer ab 1554.

Erster nachweislicher Pfarrer war Stephan Jung. Er trat sein Amt am 22.?? 1554 an . Er ist selig gestorben am 8. Februar 1598, er ist in der Kirche begraben.

Johann Schönemann aus Weimar war sein Nachfolger von 1598 bis 1605, dann wurde er nach Denstedt versetzt.

Johann Bürger, ebenfalls aus Weimar, war von 1605 bis 1609 in Wohlsborn Pfarrer. Er übernahm die Pfarrstelle in Großkromsdorf.

Ab (1.7.) „ohngefähr die Woche vor Pfingsten“ 1609 zog Pfarrer Abraham Meyer aus Weimar nach Wohlsborn und übernahm hier die Pfarrstelle. Am Ende seiner Amtszeit erlebte er die auch für Wohlsborn schlimmen Auswirkungen der Pest. Er trug 44 durch die Pest getötete Einwohner zu Grabe, darunter alle sein Angehörigen. Am 16. Januar 1636 starb auch er durch die Pest.

Zu seinem Nachfolger, Herrn Jacob Fuchs, gibt es zwei Versionen der Berichterstattung. In der Kirchenchronik steht folgendes: Sein Gehilfe in den letzten Wochen vor seinem Tod, Jakob Fuchs, übernahm die Nachfolge. Das Elend im Dorf (er begrub nochmals 41 Pesttote) hielt er jedoch nicht aus und floh nach etwa einem Jahr 1637 nach Denstedt. In einem anderen Dokument, das älter als die Eintragung in der Kirchenchronik ist (Turmknopfdokument) steht folgendes: „Herr Jacob Fuchs hat seinen Anzug gehalten anno 1636 im Herbst. Ist von hier nach Denstedt berufen worden, nachdem er 1 Jahr und etliche Wochen allhier gelehret.“

Für ihn trat 1637 nach Martini M. Martin Moha aus Weimar an. Er blieb bis zum Spätherbst 1645 und übernahm dann die Pfarrstelle in Großkromsdorf.

1647 folgte kurz nach Neujahr Pfarrer „Heinrich Schobert von Bucha, allwo er Pfarrer gewesen“. Er starb nach über dreijährigem Wirken 1650 in Wohlsborn.

Kurz nach Weihnachten 1650 ist Herr Philipp Hüttenrauch aus Zwäzen allhier eingeführt worden. Seine Antrittspredigt hielt er am Neujahrstage 1651. Zu seinem Tode gibt es zwei verschiedene Aufzeichnungen. In der Kirchenchronik steht: Er wurde als treufleißiger Ortsgeistlicher gerühmt und starb 1663 auf der Kanzel. In anderen Unterlagen steht ausführlicher: „Ist (- wie es dort im alten Kirchenbuche wörtlich lautet -) durch Gottes Verhängnis in Melancholie gerathen, auch bey derselben von hiesigen Nachbarn bewachet worden, – als er sich aber 1663 Dom:Invocavit frühe vor dem Gottesdienste fein vernünftig und christl. gezeiget, sind die Wächter von ihm gegangen, sich endlich aber beym Anziehen erwischet und sich im Garten im Bron gelaßen und da sein Leben geendigt.- Ist von den Meisten, wegen seines sonsten wohlgeführten Christlichen Wandels bejammert und betrauert worden; von ruchlosen aber freventlicher und ungebührlicher Weise gerichtet worden.“

Herr Andreas Kraft, bei Erfurt her, zog am 12 Sonntag nach Trinitatis 1663 hierher. Am 9. Januar 1668, nach 4 Jahren und 18 Wochen Tätigkeit in Wohlsborn, ist nach Tautenburg bei Dornburg berufen worden. (Dieser – so wie einige der nachfolgenden Geistlichen – haben sich sehr in Klagen gegen die hiesige Gemeinde ausgelassen). Herr Andreas Kraft (lautet es im alten Kirchenbuch wörtlich weiter) ist in Tautenburg lieb und werth gehalten worden und hat lange Zeit alldortsein Pfarramt redlich verwaltet und im hohen Alter allda selig verstorben. Derselbe hat liebe Kinder erzogen und sonderlich einen gelehrten Herrn Sohn, so Pastor und Adjunctus in Krautheim gewesen und allda selig verstorben.

Herr M. Wolfgang Rudorff aus Plauen (Vogtland) ist am 10. Januar 1668 angetreten und 1669 nach Großen Jena bei Naumburg berufen worden. War in Wohlsborn 1 Jahr und 20 Wochen tätig. Er hatte einen gelehrten Sohn, der Pastor und Adjunct in Heringen bei Sulza (heute Bad Sulza) war. Auch Herr Rudorff führt Klage gegen seine Kirchkinder.

Herr Christian Liebner aus Zeiz, ist nach seiner Probepredigt hierher gebracht worden und hat seine Antrittspredigt gehalten Dom: 5.p. Trin. Er verstarb hier am 4. Juli 1688.

Nach ihm kam Herr Peter Ruebner aus Zeiz , sein genaues Antrittsdatum ist nicht vermerkt. 1696 wurde er nach Pfuhlsborn unter die Inspection Frauen-Prießnitz berufen.

Johann Ehrenfried Mirus trat die Nachfolge 1669 an. Er hat die Kirche, Orgel, Pfarrerwohnung und Schule bauen lassen. (sub ministerio suo non). Er hat auch die Choralmusik eingeführt, da es bei seinem Amtsantritt keine Musik gab.

Herr M. Joh. Christian Dreher aus der Oberlausitz kam 1735 als ehemaliger Feldprediger des königlich-kurprinzlichen Kürassier-Regimentes in Polen hierher. Seine Probepredigt hielt er zu Joannis 1735.

Seit Anfang 1740 predigte M. Taucher bis zu seinem Tod am 6. Dezember 1785 .

Friedrich Christian Bischoff hielt seine Antrittspredigt Dom:Oculi 1787 und wurde von Graf von Werthern am 23. Dezember 1794 als Pastor nach Batgendorf und Backleben designiert. Seine Abschiedspredigt hielt er hier Domin:3.p.Epiphanis 1795. Er ging später nach Frauen-Prießnitz als Superintendent und starb in Sangerhausen ebenfalls als Superintendent.

Joh.Gottlob Liebeskind aus Nerkwitz hielt seine Probepredigt am 6. nach Trinitatis 1795 und seine Antrittspredigt am 9. nach Trinitatis. Er starb am 3. September 1797 an der Ruhr.

Christian Lebrecht Koch aus Tuttendorf bei Freyburg hielt seine Antrittspredigt Fest. Joannis 1798. Er wurde von Wohlsborn nach Liebstedt und Goldbach versetzt und hielt Dom. 18. nach Trinitatis 1801 seine Abschiedspredigt. Er starb am 19. Februar 1815 in Liebstedt.

Christian Gotthelf Hauschild aus Naumburg kam 1802 nach Wohlsborn und blieb bis 1814. Er hatte hier während der Kriegszeit manch harte und traurige Schicksale zu bestehen. Er wurde dann nach Barnstädt versetzt.

M. Ehregott Ludwig Uhlich wirkte von Oculi 1815 bis Ende November 1819 in Wohlsborn und kam dann als Pfarrer nach Guthmannshausen und später nach Hardisleben, wo er 1859 starb.

Am 1. Advent 1819 hielt Heinrich August Thiel das hiesige Pfarramt. Er war 1773 zu Schleusingen geboren und starb am 7. März 1844.

Am 3. August 1844 wurde Karl August Riemann aus Flurstedt als Pfarrer im hiesigen Ort eingeführt. Am 26. Oktober 1851 hielt er seine Abschiedsrede. Er wurde nach Neumark versetzt.

Die zeitweilige Besorgung der hiesigen Pfarrstelle wurde, weil das Wohnhaus so baufällig war und keine Mittel zur sofortigen Reparatur vorhanden waren, dem Pfarrer Leidenfrost aus Sachsenhausen übertragen. Derselbe wurde von 1851 bis 1855 vom Kirchenvorstand in die Pflicht genommen.

Sächsische Kircheninspektion des Amtsbezirkes Weimar hier anwesend und verhandelte mit dem hiesigen Kirchenvorstand und dem von Sachsenhausen, sowie auch mit der gesamten Kirchengemeinde Wohlsborn wegen einer immerwährenden kirchlichen Verbindung der beiden Orte Wohlsborn und Sachsenhausen. Die Kirchengemeinde sprach sich aber gegen diesen Plan aus.

Bald nach Pfingsten 1855 wurde mit dem Bau des neuen Pfarrhauses begonnen. Am 30. Oktober 1855 nachmittags kam der neue Pfarrer Ludwig Stiebritz aus Weimar nach Wohlsborn. Am 4. November wurde er feierlich in sein Amt eingeführt. Am 1. August 1856 wurde die neue Pfarrei von dem Bauinspektor Herrn Steiner aus Weimar übernommen und dem Maurermeister Holzhäuser aus Buttelstedt, welcher den ganzen Bau akkordiert hatte, das Lob gespendet, dass er ein gutes Werk geschaffen habe. Am 3. August fand der Umzug des Pfarrers statt. Am 2. Juli 1859 hielt der nach Weimar als Stiftprediger versetzte Pfarrer Ludwig Stiebritz seine Abschiedspredigt.

Am 11. Oktober erfolgte der Einzug des neuen Pfarrers Dr. Bittig aus Frankendorf, welcher am 16. Oktober vom Kirchenrat Dr. Teuscher in sein Amt eingeführt wurde. In dem Jahr 1861 wurde das Pfarrhaus durch zwei schwere Verluste heimgesucht. Es starb die Pfarrersfrau, noch nicht 30 Jahre und der Mutter folgte im Herbst die Tochter in ihrem vierten Lebensjahr nach. 1863 wurde die Hofmauer des Pfarrhofes erneuert, ebenso wurde ein neues Tor und eine Hoftür angeschafft. Nach der Herstellung der neuen Pfarrhofmauer, ist es endlich 1864 zur Vollendung der Friedhofsmauer (des damaligen Friedhofs neben der Kirche) gekommen. Dr. Billig wurde 1868 nach Zwätzen versetzt.

Pfarrer Christian Hermann Leinhos wurde im Frühjahr 1869 in sein Amt eingeführt. Er starb hier am 18. Juli 1875.

Ab 1. Januar 1876 – 1878 war Johann Heinrich Buhler, Pfarrer in Sachsenhausen, als Vikar, dann auch als Pfarrer in Wohlsborn tätig.

Der Pfarrer Karl Mertens wurde 1889 in sein Amt eingeführt. Er kam aus dem Neustädter Kreis, aus Triptis. Er ging 1902 in Ruhestand und verbrachte seinen Lebensabend in Weimar.

Neuer Pfarrer wurde Paul Kunze aus Nirmsdorf. Am 6. März 1928 starb der hochgeachtete Pfarrer, der als Ortschronist viel dazu beigetragen hat, dass vieles aus der Geschichte Wohlsborns aufgezeichnet wurde. Er wurde auf dem alten Friedhof bestattet, er hatte 27 Jahre in Wohlsborn gewirkt.

Die Pfarrstelle wurde nicht wieder besetzt. Die Vertretung hatten bis zum 1. September 1929 Pfarrer Gerstung aus Oßmannstedt und Pfarrer Leinhos aus Großobringen. Ab 1. September 1929 wurde die Kirchengemeinde dauernd vom Pfarramt Großobringen betreut. Über die Pfarrer bis 1945 habe ich leider noch nichts Konkretes gefunden. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Erich Kittelmann Pfarrer im Kirchspiel Großobringen. In der Zeit des Dritten Reiches war er Parteigänger der Deutschen Christen, deren Anliegen es war, nationalsozialistisches Gedankengut in der Kirche zu verbreiten. Die Versetzung nach Großobringen war für ihn eine Strafversetzung. Am 31. Dezember 1952 ging er in den Ruhestand.

Am 15. September 1953 wurde Hans-Ullrich Nagel Pfarrer des Kirchspiels Großobringen. Bereits am 15. März 1956 verließ er die Pfarrstelle wieder. Bis 1958 war die Pfarrstelle unbesetzt.

Durch Pfarrer Dedermann aus Leutenthal, der sich vor allem um die Jugendarbeit kümmerte und Pfarrer Alberti, der die Sonntagsgottesdienste hielt, wurde in Wohlsborn das kirchliche Leben aufrecht erhalten.

1958 wurde Siegfried Urban Pfarrer des Kirchspiels. Er blieb bis zum Januar 1966 und ging dann nach Schöndorf. Von dort versah er noch bis zu Beginn der achtziger Jahre den Dienst in der Gemeinde Wohlsborn.

Danach übernahm Pfarrer Siegfried Kiethe, der seit 1966 in Großobringen tätig war, auch Wohlsborn. 1988 ging er nach Weimar, sein Nachfolger wurde im Dezember Pfarrer Jürgen Bernst.

Pfarrer Steiger wirkte ab 1998 wieder von Schöndorf aus in der Gemeinde Wohlsborn.

Nach ihm führte Frau Pastorin Rienecker vertretungsweise das Kirchspiel bis Ende 2001.

Ihr folgte bis 2004 Pfarrer Jürgen Uth und zur Zeit übt dieses Amt Frau Pastorin Juliane Haufe aus.

Pfarrer Heinrich August Thiel erstellte 1833 das Verzeichnis der von 1554 bis 1833 tätigen Geistlichen. Die Geistlichen ab 1845 bis 1880 wurden von Pfarrer Buhler aufgezeichnet. Die Informationen über die Pfarrer von 1945 bis 1990 stammen von Pfarrer Bernst. Übrigens, bereits Pfarrer Kunze klagte über mangelndes Interesse am Gottesdienst.

Die Kirche

Über die wichtigste Wirkungsstätte der Pfarrer in Wohlsborn, die Kirche, schreibe ich in diesem Artikel.

Die Kirche mit dem typischen Zwiebelturm
Die Kirche mit dem typischen Zwiebelturm

Die Kirche liegt am ursprünglich einzigen Zugang zum Dorf von Südwesten her. Der rechteckig verputzte Bruchsteinbau der Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der bündige quadratische Ostturm zeigt Spuren gotischer Baugesinnung in Form von Vorhangbogen und Maßwerkfenstern. Ein Umbau in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts veränderte das Langhaus. Vom spätgotischen Erstbau erhielten sich rundbogige Triumphbogen und das Kreuzgratgewölbe des Chorraumes sowie eine spitzbogige Sakramentsnische in der Chornordwand. Die auf dem Altar stehende bemalte Holzkanzel entstand um 1700.
(aus: Der Landkreis Weimar Heft 2, Seite 108)
Für alle im Ort war es eine ziemliche Überraschung, als 1984 die Konfirmanden des Ortes eine weitgehende Entdeckung in der Kirche machten. Sie bemerkten am Kanzelaltar eine kaum lesbare Inschrift. Es stellte sich heraus, dass der Altar vom katholischen Kardinal Herzog Christian August von Sachsen-Zeitz stammt, welcher gleichzeitig Statthalter der Deutsch-Ritter Balleien in Thüringen war. Der Weimarer Restaurator Horst Jährling ließ die Inschrift wieder schön sichtbar werden.

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Kirche Wohlsborn

Die Kirche mit dem markanten Zwiebelturm war in dieser Gegend schon etwas Besonderes, worauf die Einwohner sicher stolz waren und sind, auch wenn die meisten Einwohner nur zu besonderen Anlässen hineingehen.
Im Laufe der Zeit mussten immer wieder Reparaturen an dem Gebäude vorgenommen werden, was natürlich auch Geld kostete. An dessen Beschaffung haperte es zuweilen, weshalb Reparaturen durchaus hinaus gezögert wurden.

Nachweislich wurden folgende Reparaturen ausgeführt:
Am 17. November 1833 wurde unter persönlicher Aufsicht des Hof – Schieferdeckers Herrn Greiner von dessen Gesellen Friedrich Grosmann der Knopf und die Fahne des Kirchturms wieder aufgesetzt, nachdem die letztere und das Kirchendach repariert worden waren.
1858 erfolgte eine bedeutende Reparatur an der Kirche. Zwei Fenster, je eins am Giebel und an der Nordseite, wurden durchgebrochen und die beiden an der Südseite um ca. 30cm vertieft. Die alten Türen wurden durch neue ersetzt. Eine neue Freitreppe mit eisernem Geländer wurde aufgeführt. Die Stände sämtlich mit Bücherbrettern versehen. Der ganze Turm wurde frisch geweißt und das Kirchenschiff größtenteils neu gepflastert. Das große Kruzifix über dem Altar über der Kanzel wurde befestigt und dort ein neuer Farbanstrich angebracht.
Zum Kirchturm gehört natürlich auch eine Kirchturmuhr, die 1870 beschafft wurde, mit viertel und vollem Stundenschlag. Diese lieferte Herr Rebhuhn aus Neustadt / Orla für 390 Mark und 56 Pfennige Nebenkosten. Die Uhr war nicht solide gebaut, das Werk war schwach.
1887 machte sich eine Reparatur der Turmuhr durch Uhrmacher Tröscher aus Weimar erforderlich, welcher auch eine neue Glocke mit Hammereinrichtung für den Viertelstundenschlag lieferte.
1928 wurde von Uhrmacher Leopold Tröscher aus Weimar eine neue Turmuhr für
1100 RM eingebaut. 1951 wurde sie von Uhrmacher Willi Kogel aus Wohlsborn repariert.
Seit 1966 war die Uhr defekt. 1986 wurde eine Reparatur in Angriff genommen. Der Bürgermeister Peter Thomas nahm Kontakt zu dem Uhrmachermeister Konrad Riechardt aus Eisenberg auf. Verschuldet durch das undichte Dach war die Uhr nach Meinung des Fachmanns nur noch Schrott. Trotzdem übernahm der 76-jährige die Reparatur, die er im Mai 1990 erfolgreich beendete.
Ganz wichtig ist eine Orgel zur Begleitung des Gesangs während des Gottesdienstes.
Am Sonntag Jubilate, dem 4. Mai 1879 wurde in der Kirche die neue Orgel eingeweiht unter großer Beteiligung der Wohlsborner aber auch der auswärtigen Bevölkerung. Der Orgelbauer Drechsler-Blankenhain stellte die Orgel auf und  geprüft wurde sie von dem Organisten A.W. Gottschalg aus Weimar. Die Kosten von 1500 Mark wurden mit Genehmigung des Großherzoglichen Staatsministeriums mit den Zinsen des Legats der Sophie Dorothea Filz bezahlt.
(Allgemeine Thüringische Landeszeitung Deutschland v. 31.Mai 1931)
Das Turmdach der Kirche mit Knopf und Fahne wurde 1880 durch den Schieferdecker Ott und Klemptner Krause, beide aus Weimar für 88 Mark und 26 Pfennige repariert.
Mit einem Kostenaufwand von ca. 6000 Mark wurde die Kirche 1903 renoviert.
Im Juni 1917 wurden die großen und mittleren Kirchturmglocken zwecks Kriegsbedarf beschlagnahmt und zerschlagen. Die neuen von Schilling und Lattermann aus Apolda gelieferten Gussstahlglocken klangen sehr schön, sie ließen sich aber sehr schwer läuten. Sie kosteten 3400 Mark, waren also nicht teuer.
Da der Zustand des Kirchendaches im Laufe der Zeit sehr schlecht geworden war, machte sich eine Neudeckung des Kirchturmdaches erforderlich. Diese wurde durch Dachdeckermeister Munzert aus Weimar ausgeführt. Begonnen wurde im Juni 1952 und beendet wurde sie am 3. Juli. Am 2. Juli, einem heißen Tag, der Temperaturen über 45° Celsius brachte, versammelte sich die Jugend im Gasthof, um sich die alten Urkunden aus dem Turmknopf der Kirche vorlesen zu lassen. Am 3. Juli um 20 Uhr wurde der Turmknopf unter der Anteilnahme der ganzen Dorfbevölkerung nach einem Umzug mit Musik durch das Dorf wieder an seiner alten Stelle angebracht. Der Knopf wurde von den Einwohnern Leo Banaszyk (80 Jahre) und Wilhelm Mund (77 Jahre) im Umzug getragen. Im Anschluss daran fand im Gasthaus Strobach ein Richtschmaus für die Dachdecker und ein gemütliches Beisammensein der Gemeinde statt.
Die Wetterfahne wurde durch Gemeinderatsmitglied Otto Stoltz kostenlos hergerichtet und mit einem Stern versehen.
1989  kam es zur längst fälligen nächsten Reparatur des Kirchendaches. Die bei der letzten Reparatur verwendeten Stahlnägel zur Befestigung des Schiefers waren durchgerostet und das Dach dadurch in einem desolaten Zustand. Um eine Generalreparatur durchzuführen, mussten große Probleme gelöst werden, die von der Finanzierung, Materialbereitstellung bis zum Rüstmaterial reichten. Deshalb war schon im Sommer 1988 mit den Technosportlern von Dr. Brenner vereinbart worden, diese Dacherneuerung einschließlich der erforderlichen Holzarbeiten ohne Gerüst, nur an Seilen, durchzuführen. Als Objektlohn wurden 36 000 Mark festgelegt. Die Arbeiten begannen im Sommer 1989 und konnten nur mit Unterbrechungen durchgeführt werden, da sie als Feierabendtätigkeit ausgeführt und deshalb auch in diesem Jahr nicht abgeschlossen werden konnten. Die Finanzierung erfolgte folgendermaßen: 12 TM brachte die Gemeinde auf, davon wurden 5,7 TM durch den Ortspfarrer Bernst gesammelt, einschließlich der 250 Mark die von der DFD Ortsgruppe zur Verfügung gestellt wurden, 2,4 TM stellte der Rat des Kreises zur Verfügung und 21,6 TM bezahlte das Kreiskirchenamt.
Am „Tag der deutschen Einheit“, am 3. Oktober 1990, fand dann in unserem Dorfe das „Knopffest“ an und in der Kirche statt. Als krönender Abschluss wurde der neu vergoldete Knopf, gefüllt mit neuen Zeitdokumenten und mit der Wetterfahne, von den ältesten Männern zum Turm getragen und dort von dem Segensspruch des Pfarrers Bernst begleitet, von den Handwerkern an der bisherigen Stelle angebracht.
Das Dach des Kirchenschiffs wurde 1997/8 gedeckt, organisiert von Pfarrer Bernst, seine letzte Aktion für das Kirchengebäude in Wohlsborn, bevor sein Dienst hier endete. Reparaturen im Innern des Kirchenschiffs wurden von der Gemeinde (Jürgen Klamant aus Buttelstedt als ABM, ein Zivildienstleistender und Rolf Schäfer) und von der Kirche (Herr Gottschling aus Großobringen als ABM der Kirche) noch vor der 750 Jahrfeier durchgeführt.
Heute kann sich die Kirche innen und außen schon wieder sehen lassen, obwohl noch vieles zu renovieren wäre.