Das Bürgermeisteramt

Die ehrenamtlichen Bürgermeister hatten das Büro oder die Amtsstube in ihrem Wohnhaus eingerichtet. So erzählte mir Frau Brigitte Frei, die Enkelin des letzte Bürgermeisters vor Kriegsende, Arno Vogel, dass er für die Amtsgeschäfte das Wohnzimmer nutzte. Kamen mehrere Bürger mit einem Anliegen zu ihm, durften sie in der Küche warten.

Mit dem Übergang des Bürgermeisteramtes zu einer hauptamtlichen Funktion wurde es notwendig, ein Büro einzurichten, in dem die Amtsgeschäfte erledigt, Bürgersprechstunden und Sitzungen abgehalten werden konnten. Als erstes Büro wurde ein Zimmer im Erdgeschoss von Familie Hedwig Hopfgarten (Nr. 9) gemietet.

1958 verzog der letzte Bäcker nach Weimar. Vom Backen in dem damals nur etwa 220 Einwohner umfassenden Dorf konnte man nicht mehr existieren und so fand sich kein neuer Pächter – das Backhaus blieb leer. Die Gemeinde beschloss, im Erdgeschoss eine Konsumverkaufsstelle einzurichten, im Obergeschoss das Bürgermeisteramt, ein Jugendzimmer und später ein Arztzimmer.

Nachdem das 1964 erbaute LPG-Gebäude nicht mehr benötigt wurde, wurde es als Wohnung der NVA-Dienststelle in Großobringen vermietet. Als es nach der Wende leer stand, war das eine gute Gelegenheit für die Gemeinde, das alte Backhaus zu verkaufen und dieses kleine Gebäude von der Agrargenossenschaft zu kaufen. Der Umzug fand am 01.06.1993 statt.

Nun wurden die Büroräume wieder Büroräume, nur saß jetzt der Bürgermeister im hinteren Raum und im Vorzimmer saß bis zum 30.04.1992 Frau Ursula Weber. Sie war seit 02.05.1961 Sachbearbeiterin. Von 1945 bis 1949 und von 1953 bis 1961 übte Frau Helene Fischer diese Tätigkeit aus. In der Zwischenzeit war Herr Werner Schiene für die Gemeinde tätig. Ab 01.05.1992 arbeitete Frau Christina Hasse als Sachbearbeiterin in diesem Büro bis zum 31.03.1993. Seit dem 01.04.1993 besteht einmal in der Woche die Möglichkeit, dass die Bürger ihre Anliegen und Probleme zur Bürgersprechstunde mit Frau Hasse oder dem Bürgermeister sprechen können. 2006 wurde das Gebäude verkauft.

Die Pfarrer

In diesem Artikel erfahren Sie etwas über die in Wohlsborn tätigen Geistlichen. Namentlich bekannt sind die Pfarrer ab 1554.

Erster nachweislicher Pfarrer war Stephan Jung. Er trat sein Amt am 22.?? 1554 an . Er ist selig gestorben am 8. Februar 1598, er ist in der Kirche begraben.

Johann Schönemann aus Weimar war sein Nachfolger von 1598 bis 1605, dann wurde er nach Denstedt versetzt.

Johann Bürger, ebenfalls aus Weimar, war von 1605 bis 1609 in Wohlsborn Pfarrer. Er übernahm die Pfarrstelle in Großkromsdorf.

Ab (1.7.) „ohngefähr die Woche vor Pfingsten“ 1609 zog Pfarrer Abraham Meyer aus Weimar nach Wohlsborn und übernahm hier die Pfarrstelle. Am Ende seiner Amtszeit erlebte er die auch für Wohlsborn schlimmen Auswirkungen der Pest. Er trug 44 durch die Pest getötete Einwohner zu Grabe, darunter alle sein Angehörigen. Am 16. Januar 1636 starb auch er durch die Pest.

Zu seinem Nachfolger, Herrn Jacob Fuchs, gibt es zwei Versionen der Berichterstattung. In der Kirchenchronik steht folgendes: Sein Gehilfe in den letzten Wochen vor seinem Tod, Jakob Fuchs, übernahm die Nachfolge. Das Elend im Dorf (er begrub nochmals 41 Pesttote) hielt er jedoch nicht aus und floh nach etwa einem Jahr 1637 nach Denstedt. In einem anderen Dokument, das älter als die Eintragung in der Kirchenchronik ist (Turmknopfdokument) steht folgendes: „Herr Jacob Fuchs hat seinen Anzug gehalten anno 1636 im Herbst. Ist von hier nach Denstedt berufen worden, nachdem er 1 Jahr und etliche Wochen allhier gelehret.“

Für ihn trat 1637 nach Martini M. Martin Moha aus Weimar an. Er blieb bis zum Spätherbst 1645 und übernahm dann die Pfarrstelle in Großkromsdorf.

1647 folgte kurz nach Neujahr Pfarrer „Heinrich Schobert von Bucha, allwo er Pfarrer gewesen“. Er starb nach über dreijährigem Wirken 1650 in Wohlsborn.

Kurz nach Weihnachten 1650 ist Herr Philipp Hüttenrauch aus Zwäzen allhier eingeführt worden. Seine Antrittspredigt hielt er am Neujahrstage 1651. Zu seinem Tode gibt es zwei verschiedene Aufzeichnungen. In der Kirchenchronik steht: Er wurde als treufleißiger Ortsgeistlicher gerühmt und starb 1663 auf der Kanzel. In anderen Unterlagen steht ausführlicher: „Ist (- wie es dort im alten Kirchenbuche wörtlich lautet -) durch Gottes Verhängnis in Melancholie gerathen, auch bey derselben von hiesigen Nachbarn bewachet worden, – als er sich aber 1663 Dom:Invocavit frühe vor dem Gottesdienste fein vernünftig und christl. gezeiget, sind die Wächter von ihm gegangen, sich endlich aber beym Anziehen erwischet und sich im Garten im Bron gelaßen und da sein Leben geendigt.- Ist von den Meisten, wegen seines sonsten wohlgeführten Christlichen Wandels bejammert und betrauert worden; von ruchlosen aber freventlicher und ungebührlicher Weise gerichtet worden.“

Herr Andreas Kraft, bei Erfurt her, zog am 12 Sonntag nach Trinitatis 1663 hierher. Am 9. Januar 1668, nach 4 Jahren und 18 Wochen Tätigkeit in Wohlsborn, ist nach Tautenburg bei Dornburg berufen worden. (Dieser – so wie einige der nachfolgenden Geistlichen – haben sich sehr in Klagen gegen die hiesige Gemeinde ausgelassen). Herr Andreas Kraft (lautet es im alten Kirchenbuch wörtlich weiter) ist in Tautenburg lieb und werth gehalten worden und hat lange Zeit alldortsein Pfarramt redlich verwaltet und im hohen Alter allda selig verstorben. Derselbe hat liebe Kinder erzogen und sonderlich einen gelehrten Herrn Sohn, so Pastor und Adjunctus in Krautheim gewesen und allda selig verstorben.

Herr M. Wolfgang Rudorff aus Plauen (Vogtland) ist am 10. Januar 1668 angetreten und 1669 nach Großen Jena bei Naumburg berufen worden. War in Wohlsborn 1 Jahr und 20 Wochen tätig. Er hatte einen gelehrten Sohn, der Pastor und Adjunct in Heringen bei Sulza (heute Bad Sulza) war. Auch Herr Rudorff führt Klage gegen seine Kirchkinder.

Herr Christian Liebner aus Zeiz, ist nach seiner Probepredigt hierher gebracht worden und hat seine Antrittspredigt gehalten Dom: 5.p. Trin. Er verstarb hier am 4. Juli 1688.

Nach ihm kam Herr Peter Ruebner aus Zeiz , sein genaues Antrittsdatum ist nicht vermerkt. 1696 wurde er nach Pfuhlsborn unter die Inspection Frauen-Prießnitz berufen.

Johann Ehrenfried Mirus trat die Nachfolge 1669 an. Er hat die Kirche, Orgel, Pfarrerwohnung und Schule bauen lassen. (sub ministerio suo non). Er hat auch die Choralmusik eingeführt, da es bei seinem Amtsantritt keine Musik gab.

Herr M. Joh. Christian Dreher aus der Oberlausitz kam 1735 als ehemaliger Feldprediger des königlich-kurprinzlichen Kürassier-Regimentes in Polen hierher. Seine Probepredigt hielt er zu Joannis 1735.

Seit Anfang 1740 predigte M. Taucher bis zu seinem Tod am 6. Dezember 1785 .

Friedrich Christian Bischoff hielt seine Antrittspredigt Dom:Oculi 1787 und wurde von Graf von Werthern am 23. Dezember 1794 als Pastor nach Batgendorf und Backleben designiert. Seine Abschiedspredigt hielt er hier Domin:3.p.Epiphanis 1795. Er ging später nach Frauen-Prießnitz als Superintendent und starb in Sangerhausen ebenfalls als Superintendent.

Joh.Gottlob Liebeskind aus Nerkwitz hielt seine Probepredigt am 6. nach Trinitatis 1795 und seine Antrittspredigt am 9. nach Trinitatis. Er starb am 3. September 1797 an der Ruhr.

Christian Lebrecht Koch aus Tuttendorf bei Freyburg hielt seine Antrittspredigt Fest. Joannis 1798. Er wurde von Wohlsborn nach Liebstedt und Goldbach versetzt und hielt Dom. 18. nach Trinitatis 1801 seine Abschiedspredigt. Er starb am 19. Februar 1815 in Liebstedt.

Christian Gotthelf Hauschild aus Naumburg kam 1802 nach Wohlsborn und blieb bis 1814. Er hatte hier während der Kriegszeit manch harte und traurige Schicksale zu bestehen. Er wurde dann nach Barnstädt versetzt.

M. Ehregott Ludwig Uhlich wirkte von Oculi 1815 bis Ende November 1819 in Wohlsborn und kam dann als Pfarrer nach Guthmannshausen und später nach Hardisleben, wo er 1859 starb.

Am 1. Advent 1819 hielt Heinrich August Thiel das hiesige Pfarramt. Er war 1773 zu Schleusingen geboren und starb am 7. März 1844.

Am 3. August 1844 wurde Karl August Riemann aus Flurstedt als Pfarrer im hiesigen Ort eingeführt. Am 26. Oktober 1851 hielt er seine Abschiedsrede. Er wurde nach Neumark versetzt.

Die zeitweilige Besorgung der hiesigen Pfarrstelle wurde, weil das Wohnhaus so baufällig war und keine Mittel zur sofortigen Reparatur vorhanden waren, dem Pfarrer Leidenfrost aus Sachsenhausen übertragen. Derselbe wurde von 1851 bis 1855 vom Kirchenvorstand in die Pflicht genommen.

Sächsische Kircheninspektion des Amtsbezirkes Weimar hier anwesend und verhandelte mit dem hiesigen Kirchenvorstand und dem von Sachsenhausen, sowie auch mit der gesamten Kirchengemeinde Wohlsborn wegen einer immerwährenden kirchlichen Verbindung der beiden Orte Wohlsborn und Sachsenhausen. Die Kirchengemeinde sprach sich aber gegen diesen Plan aus.

Bald nach Pfingsten 1855 wurde mit dem Bau des neuen Pfarrhauses begonnen. Am 30. Oktober 1855 nachmittags kam der neue Pfarrer Ludwig Stiebritz aus Weimar nach Wohlsborn. Am 4. November wurde er feierlich in sein Amt eingeführt. Am 1. August 1856 wurde die neue Pfarrei von dem Bauinspektor Herrn Steiner aus Weimar übernommen und dem Maurermeister Holzhäuser aus Buttelstedt, welcher den ganzen Bau akkordiert hatte, das Lob gespendet, dass er ein gutes Werk geschaffen habe. Am 3. August fand der Umzug des Pfarrers statt. Am 2. Juli 1859 hielt der nach Weimar als Stiftprediger versetzte Pfarrer Ludwig Stiebritz seine Abschiedspredigt.

Am 11. Oktober erfolgte der Einzug des neuen Pfarrers Dr. Bittig aus Frankendorf, welcher am 16. Oktober vom Kirchenrat Dr. Teuscher in sein Amt eingeführt wurde. In dem Jahr 1861 wurde das Pfarrhaus durch zwei schwere Verluste heimgesucht. Es starb die Pfarrersfrau, noch nicht 30 Jahre und der Mutter folgte im Herbst die Tochter in ihrem vierten Lebensjahr nach. 1863 wurde die Hofmauer des Pfarrhofes erneuert, ebenso wurde ein neues Tor und eine Hoftür angeschafft. Nach der Herstellung der neuen Pfarrhofmauer, ist es endlich 1864 zur Vollendung der Friedhofsmauer (des damaligen Friedhofs neben der Kirche) gekommen. Dr. Billig wurde 1868 nach Zwätzen versetzt.

Pfarrer Christian Hermann Leinhos wurde im Frühjahr 1869 in sein Amt eingeführt. Er starb hier am 18. Juli 1875.

Ab 1. Januar 1876 – 1878 war Johann Heinrich Buhler, Pfarrer in Sachsenhausen, als Vikar, dann auch als Pfarrer in Wohlsborn tätig.

Der Pfarrer Karl Mertens wurde 1889 in sein Amt eingeführt. Er kam aus dem Neustädter Kreis, aus Triptis. Er ging 1902 in Ruhestand und verbrachte seinen Lebensabend in Weimar.

Neuer Pfarrer wurde Paul Kunze aus Nirmsdorf. Am 6. März 1928 starb der hochgeachtete Pfarrer, der als Ortschronist viel dazu beigetragen hat, dass vieles aus der Geschichte Wohlsborns aufgezeichnet wurde. Er wurde auf dem alten Friedhof bestattet, er hatte 27 Jahre in Wohlsborn gewirkt.

Die Pfarrstelle wurde nicht wieder besetzt. Die Vertretung hatten bis zum 1. September 1929 Pfarrer Gerstung aus Oßmannstedt und Pfarrer Leinhos aus Großobringen. Ab 1. September 1929 wurde die Kirchengemeinde dauernd vom Pfarramt Großobringen betreut. Über die Pfarrer bis 1945 habe ich leider noch nichts Konkretes gefunden. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Erich Kittelmann Pfarrer im Kirchspiel Großobringen. In der Zeit des Dritten Reiches war er Parteigänger der Deutschen Christen, deren Anliegen es war, nationalsozialistisches Gedankengut in der Kirche zu verbreiten. Die Versetzung nach Großobringen war für ihn eine Strafversetzung. Am 31. Dezember 1952 ging er in den Ruhestand.

Am 15. September 1953 wurde Hans-Ullrich Nagel Pfarrer des Kirchspiels Großobringen. Bereits am 15. März 1956 verließ er die Pfarrstelle wieder. Bis 1958 war die Pfarrstelle unbesetzt.

Durch Pfarrer Dedermann aus Leutenthal, der sich vor allem um die Jugendarbeit kümmerte und Pfarrer Alberti, der die Sonntagsgottesdienste hielt, wurde in Wohlsborn das kirchliche Leben aufrecht erhalten.

1958 wurde Siegfried Urban Pfarrer des Kirchspiels. Er blieb bis zum Januar 1966 und ging dann nach Schöndorf. Von dort versah er noch bis zu Beginn der achtziger Jahre den Dienst in der Gemeinde Wohlsborn.

Danach übernahm Pfarrer Siegfried Kiethe, der seit 1966 in Großobringen tätig war, auch Wohlsborn. 1988 ging er nach Weimar, sein Nachfolger wurde im Dezember Pfarrer Jürgen Bernst.

Pfarrer Steiger wirkte ab 1998 wieder von Schöndorf aus in der Gemeinde Wohlsborn.

Nach ihm führte Frau Pastorin Rienecker vertretungsweise das Kirchspiel bis Ende 2001.

Ihr folgte bis 2004 Pfarrer Jürgen Uth und zur Zeit übt dieses Amt Frau Pastorin Juliane Haufe aus.

Pfarrer Heinrich August Thiel erstellte 1833 das Verzeichnis der von 1554 bis 1833 tätigen Geistlichen. Die Geistlichen ab 1845 bis 1880 wurden von Pfarrer Buhler aufgezeichnet. Die Informationen über die Pfarrer von 1945 bis 1990 stammen von Pfarrer Bernst. Übrigens, bereits Pfarrer Kunze klagte über mangelndes Interesse am Gottesdienst.

Die Kirche

Über die wichtigste Wirkungsstätte der Pfarrer in Wohlsborn, die Kirche, schreibe ich in diesem Artikel.

Die Kirche mit dem typischen Zwiebelturm
Die Kirche mit dem typischen Zwiebelturm

Die Kirche liegt am ursprünglich einzigen Zugang zum Dorf von Südwesten her. Der rechteckig verputzte Bruchsteinbau der Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der bündige quadratische Ostturm zeigt Spuren gotischer Baugesinnung in Form von Vorhangbogen und Maßwerkfenstern. Ein Umbau in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts veränderte das Langhaus. Vom spätgotischen Erstbau erhielten sich rundbogige Triumphbogen und das Kreuzgratgewölbe des Chorraumes sowie eine spitzbogige Sakramentsnische in der Chornordwand. Die auf dem Altar stehende bemalte Holzkanzel entstand um 1700.
(aus: Der Landkreis Weimar Heft 2, Seite 108)
Für alle im Ort war es eine ziemliche Überraschung, als 1984 die Konfirmanden des Ortes eine weitgehende Entdeckung in der Kirche machten. Sie bemerkten am Kanzelaltar eine kaum lesbare Inschrift. Es stellte sich heraus, dass der Altar vom katholischen Kardinal Herzog Christian August von Sachsen-Zeitz stammt, welcher gleichzeitig Statthalter der Deutsch-Ritter Balleien in Thüringen war. Der Weimarer Restaurator Horst Jährling ließ die Inschrift wieder schön sichtbar werden.

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Kirche Wohlsborn

Die Kirche mit dem markanten Zwiebelturm war in dieser Gegend schon etwas Besonderes, worauf die Einwohner sicher stolz waren und sind, auch wenn die meisten Einwohner nur zu besonderen Anlässen hineingehen.
Im Laufe der Zeit mussten immer wieder Reparaturen an dem Gebäude vorgenommen werden, was natürlich auch Geld kostete. An dessen Beschaffung haperte es zuweilen, weshalb Reparaturen durchaus hinaus gezögert wurden.

Nachweislich wurden folgende Reparaturen ausgeführt:
Am 17. November 1833 wurde unter persönlicher Aufsicht des Hof – Schieferdeckers Herrn Greiner von dessen Gesellen Friedrich Grosmann der Knopf und die Fahne des Kirchturms wieder aufgesetzt, nachdem die letztere und das Kirchendach repariert worden waren.
1858 erfolgte eine bedeutende Reparatur an der Kirche. Zwei Fenster, je eins am Giebel und an der Nordseite, wurden durchgebrochen und die beiden an der Südseite um ca. 30cm vertieft. Die alten Türen wurden durch neue ersetzt. Eine neue Freitreppe mit eisernem Geländer wurde aufgeführt. Die Stände sämtlich mit Bücherbrettern versehen. Der ganze Turm wurde frisch geweißt und das Kirchenschiff größtenteils neu gepflastert. Das große Kruzifix über dem Altar über der Kanzel wurde befestigt und dort ein neuer Farbanstrich angebracht.
Zum Kirchturm gehört natürlich auch eine Kirchturmuhr, die 1870 beschafft wurde, mit viertel und vollem Stundenschlag. Diese lieferte Herr Rebhuhn aus Neustadt / Orla für 390 Mark und 56 Pfennige Nebenkosten. Die Uhr war nicht solide gebaut, das Werk war schwach.
1887 machte sich eine Reparatur der Turmuhr durch Uhrmacher Tröscher aus Weimar erforderlich, welcher auch eine neue Glocke mit Hammereinrichtung für den Viertelstundenschlag lieferte.
1928 wurde von Uhrmacher Leopold Tröscher aus Weimar eine neue Turmuhr für
1100 RM eingebaut. 1951 wurde sie von Uhrmacher Willi Kogel aus Wohlsborn repariert.
Seit 1966 war die Uhr defekt. 1986 wurde eine Reparatur in Angriff genommen. Der Bürgermeister Peter Thomas nahm Kontakt zu dem Uhrmachermeister Konrad Riechardt aus Eisenberg auf. Verschuldet durch das undichte Dach war die Uhr nach Meinung des Fachmanns nur noch Schrott. Trotzdem übernahm der 76-jährige die Reparatur, die er im Mai 1990 erfolgreich beendete.
Ganz wichtig ist eine Orgel zur Begleitung des Gesangs während des Gottesdienstes.
Am Sonntag Jubilate, dem 4. Mai 1879 wurde in der Kirche die neue Orgel eingeweiht unter großer Beteiligung der Wohlsborner aber auch der auswärtigen Bevölkerung. Der Orgelbauer Drechsler-Blankenhain stellte die Orgel auf und  geprüft wurde sie von dem Organisten A.W. Gottschalg aus Weimar. Die Kosten von 1500 Mark wurden mit Genehmigung des Großherzoglichen Staatsministeriums mit den Zinsen des Legats der Sophie Dorothea Filz bezahlt.
(Allgemeine Thüringische Landeszeitung Deutschland v. 31.Mai 1931)
Das Turmdach der Kirche mit Knopf und Fahne wurde 1880 durch den Schieferdecker Ott und Klemptner Krause, beide aus Weimar für 88 Mark und 26 Pfennige repariert.
Mit einem Kostenaufwand von ca. 6000 Mark wurde die Kirche 1903 renoviert.
Im Juni 1917 wurden die großen und mittleren Kirchturmglocken zwecks Kriegsbedarf beschlagnahmt und zerschlagen. Die neuen von Schilling und Lattermann aus Apolda gelieferten Gussstahlglocken klangen sehr schön, sie ließen sich aber sehr schwer läuten. Sie kosteten 3400 Mark, waren also nicht teuer.
Da der Zustand des Kirchendaches im Laufe der Zeit sehr schlecht geworden war, machte sich eine Neudeckung des Kirchturmdaches erforderlich. Diese wurde durch Dachdeckermeister Munzert aus Weimar ausgeführt. Begonnen wurde im Juni 1952 und beendet wurde sie am 3. Juli. Am 2. Juli, einem heißen Tag, der Temperaturen über 45° Celsius brachte, versammelte sich die Jugend im Gasthof, um sich die alten Urkunden aus dem Turmknopf der Kirche vorlesen zu lassen. Am 3. Juli um 20 Uhr wurde der Turmknopf unter der Anteilnahme der ganzen Dorfbevölkerung nach einem Umzug mit Musik durch das Dorf wieder an seiner alten Stelle angebracht. Der Knopf wurde von den Einwohnern Leo Banaszyk (80 Jahre) und Wilhelm Mund (77 Jahre) im Umzug getragen. Im Anschluss daran fand im Gasthaus Strobach ein Richtschmaus für die Dachdecker und ein gemütliches Beisammensein der Gemeinde statt.
Die Wetterfahne wurde durch Gemeinderatsmitglied Otto Stoltz kostenlos hergerichtet und mit einem Stern versehen.
1989  kam es zur längst fälligen nächsten Reparatur des Kirchendaches. Die bei der letzten Reparatur verwendeten Stahlnägel zur Befestigung des Schiefers waren durchgerostet und das Dach dadurch in einem desolaten Zustand. Um eine Generalreparatur durchzuführen, mussten große Probleme gelöst werden, die von der Finanzierung, Materialbereitstellung bis zum Rüstmaterial reichten. Deshalb war schon im Sommer 1988 mit den Technosportlern von Dr. Brenner vereinbart worden, diese Dacherneuerung einschließlich der erforderlichen Holzarbeiten ohne Gerüst, nur an Seilen, durchzuführen. Als Objektlohn wurden 36 000 Mark festgelegt. Die Arbeiten begannen im Sommer 1989 und konnten nur mit Unterbrechungen durchgeführt werden, da sie als Feierabendtätigkeit ausgeführt und deshalb auch in diesem Jahr nicht abgeschlossen werden konnten. Die Finanzierung erfolgte folgendermaßen: 12 TM brachte die Gemeinde auf, davon wurden 5,7 TM durch den Ortspfarrer Bernst gesammelt, einschließlich der 250 Mark die von der DFD Ortsgruppe zur Verfügung gestellt wurden, 2,4 TM stellte der Rat des Kreises zur Verfügung und 21,6 TM bezahlte das Kreiskirchenamt.
Am „Tag der deutschen Einheit“, am 3. Oktober 1990, fand dann in unserem Dorfe das „Knopffest“ an und in der Kirche statt. Als krönender Abschluss wurde der neu vergoldete Knopf, gefüllt mit neuen Zeitdokumenten und mit der Wetterfahne, von den ältesten Männern zum Turm getragen und dort von dem Segensspruch des Pfarrers Bernst begleitet, von den Handwerkern an der bisherigen Stelle angebracht.
Das Dach des Kirchenschiffs wurde 1997/8 gedeckt, organisiert von Pfarrer Bernst, seine letzte Aktion für das Kirchengebäude in Wohlsborn, bevor sein Dienst hier endete. Reparaturen im Innern des Kirchenschiffs wurden von der Gemeinde (Jürgen Klamant aus Buttelstedt als ABM, ein Zivildienstleistender und Rolf Schäfer) und von der Kirche (Herr Gottschling aus Großobringen als ABM der Kirche) noch vor der 750 Jahrfeier durchgeführt.
Heute kann sich die Kirche innen und außen schon wieder sehen lassen, obwohl noch vieles zu renovieren wäre.

Die natürlichen Ressourcen

Jedes Dorf, das bestehen wollte, musste sich weitgehend eigenständig erhalten können. Neben Ackerland und Vieh, das die Grundlage der Erwerbstätigkeit vieler Dörfer bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren, gehörten Quellwasser, Heizmaterial und Baumaterial zu den Grundvoraussetzungen für den Erhalt eines Dorfes.

Wohlsborn
Wohlsborn

Wie verhielt es sich damit nun in Wohlsborn? Wie schon der Name vermuten lässt, gab es hier genügend Quellwasser. Über das Wasser im Ort berichtet ein anderer Artikel. Noch bis in das 20. Jahrhundert war Holz das wichtigste Heizmaterial in Wohlsborn und den Orten um den Ettersberg. Auch für den Hausbau war Holz ein wichtiger Rohstoff. Wie die Namen „Holzweg“ und „Hölzchen“ (das kleine Wäldchen auf der linken Seite der Straße nach Weimar) vermuten lassen, war dort das Holzreservoir der Wohlsborner. Dem war aber lange nicht mehr so. Das „Hölzchen“ ist tatsächlich der Rest eines größeren Waldstückes, das aber längst gerodet war. Das Holz wurde vom Ettersberg geholt.

Deshalb der Name „Holzweg“, der außerhalb der Wohlsborner Flur als „Schleifweg“ bis in den Wald führte. Schleifweg deshalb, weil das Holz mit Hilfe eines Pferdes in das Dorf gezogen wurde. Dieser Weg, der nur so breit war, dass gerade ein Pferd dort entlang laufen konnte, musste von den Fluren der Orte, durch die der Weg führte, geduldet werden. Da der Wald Eigentum des Herzogs bzw. Großherzogs von SWE war, musste das Holz natürlich bezahlt werden. Das wurde mit der Übertragung des Jagdrechts auf die Herrschaft abgesichert. Davon war das ganze Gebiet von Ettersburg bis Pfiffelbach betroffen, denn es gab hier sehr viele Hasen.

Weitere wichtige Rohstoffe waren Kalkstein und Lehm. Beides gab es in der Wohlsborner Flur genügend. Kalkstein am Nordhang des Kleinen Ettersberges ist ja nicht ungewöhnlich, denn der ganze ettersberg besteht aus Muschelkalk, der etwa 215 Millionen Jahre auf dem Buckel hat. Dementsprechend hart ist dieses Gestein auch – ideal für Grundmauern von Gebäuden. Das kann an vielen Häusern in Wohlsborn noch gesehen werden, wie auch an einigen Mauern. Ganze Häuser aus gut behauenen Bruchsteinen sind eher selten. Dagegen gibt es noch Gebäude, die aus kleinen Kalksteinen, Bruchsteinabfällen und Lesesteinen (vom Feld) vermischt mit Lehm als Bindemittel aufgebaut wurden. Steinbrüche gab es überall in der Flur, natürlich so nah wie möglich am Dorf. Vor allem in Richtung Großobringen und an der Straße zum ehemaligen Bahnhof gab es größere Gruben. Die wohl größte befand sich im Feld etwa 50 m links von der Straße zum ehemaligen Bahnhof, in der Hälfte der Strecke zwischen Ortsausgang und ehem. Bahnhof. Bis in eine Tiefe von 5m wurde dort Kalkstein mühsam gebrochen. Nachdem der Abbau sich durch die Verfügbarkeit moderner Baustoffe nicht mehr lohnte, wurden die Gruben allmählich mit Müll gefüllt und in den 30er Jahren mit Muttererde wieder zu Ackerland rekultiviert. Der letzte Steinbruch befand sich oberhalb des Wasserbassins des Wasserwerks Sachsenhausen, heute nur noch kenntlich an der dort wachsenden Baumgruppe. Diese Grube wurde noch bis Ende der 50er Jahre als Müllhalde genutzt und dann mit Lesesteinen verfüllt. Wohlsborn ist, kann man bei Spaziergängen in der Flur immer wieder auf frisch gepflügten Feldern sehen. Wenn man sich die Mühe macht und einen größeren Stein aufhebt, kann man oft schöne Fossilien entdecken.

Während Muschelkalk fast in der ganzen Flur zu finden ist, gibt es Lehm vorwiegend nordöstlich am Ort und am Lindenberg. Abgebaut wurde der Lehm hauptsächlich rechts neben der Straße nach Sachsenhausen, beginnend an der Straße zum Friedhof bis etwa 200 m in Richtung Sachsenhausen und rechts davon bis etwa Anfang des Friedhofs. Wie bei dem Kalkstein wurde der Abbau eingestellt und die Gruben mit Abfall/Müll gefüllt. Mitte der 30er Jahre wurde Erde aufgefüllt.

Ein Teil wurde Gartenland und von der Gemeinde verpachtet, ein Teil wurde für die 1937 angepflanzte gemeindeeigene Kirschplantage („Kirschenwiese“) genutzt. Der Rest war noch bis Ende der 50er Jahre Schuttplatz und wurde später mit Erde aufgefüllt und als „Krautland“ genutzt. Obwohl die große Zeit der Lehmbauten vorüber war, war Lehm für Reparaturen oder für Kachelöfen immer noch gefragt. Deshalb gab es bis zur Verrohrung (1975) des in den 30er Jahren zwischen Straße und Friedhof angelegten Grabens immer freiliegende Lehmvorkommen an dessen Wand. Beim Aushub des Regenwasserauffangbeckens auf der „Kirschenwiese“ konnte man sehen, dass es noch immer Lehmvorkommen gibt.

Landesherrliche Zugehörigkeit Wohlsborns

Thüringen gehörte zu den Ländern in Deutschland mit den meisten Kleinstaaten. Erst mit dem Ende der Monarchie 1918 wurde aus den einzelnen Kleinstaaten und dem preußischen Teil das Land Thüringen.Die starke Zersplitterung Thüringens spiegelte sich auch in der Zugehörigkeit Wohlsborns zu verschiedenen Herrschaften wider.

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Im 13. Jahrhundert (Ersterwähnung 1249) gehörte der Ort den Herren von Wolfesburn. Sie waren Ministrale (Dienstmannen) der Grafen von Weimar-Orlamünde und sind bis zum Jahre 1278 nachweisbar. Der Ort gehörte ursprünglich zur Burg in Weimar. Im Mittelalter ist Besitz des Augustiner- und Neuwerkklosters in unserem Ort nachweisbar.

Im Jahre 1410 wurde das Dorf von der Deutschritter-Kommende Liebstedt erworben und gehörte somit zur Ballei Thüringen, deren Sitz in Zwätzen (Jena) war. Nach 1525 wurde dieser Besitz säkularisiert (d.h. Einziehung des kirchlichen Besitzes durch staatliche Gewalt) durch den Kurfürsten von Sachsen, und dem Amt Eckartsberga zugeordnet.  Die Verwaltungsstruktur blieb jedoch bestehen und erst 1808, als der letzte Komtur der Ballei verstorben war, kam dieser Besitz zum Königreich Sachsen.

Nach dem Wiener Kongress 1815 kam die ehemalige Kommende Liebstedt mit Goldbach und Wohlsborn für kurze Zeit zum Königreich Preußen und endlich zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Ab 1816 gehörte Wohlsborn zum Amt Weimar des Großherzogtums. (Auch Sachsenhausen und Leutenthal gehörten nicht immer zum ernestinischen Sachsen-Weimar, sondern zum albertinischen Kursachsen.)

Mit der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Herrschaftsgebieten waren damals auch ganz unterschiedliche Maß- und Geldsysteme verbunden. Es ist in unserer Chronik leider nicht überliefert, wie die Einwohner damit zurecht kamen.

1920, mit der Gründung des Landes Thüringen, wurde der Kreis Weimar gebildet, zu dem Wohlsborn gehörte.

Mit der Gebietsreform 1952, als der große Kreis Weimar zerstückelt wurde, gehörte Wohlsborn zum Kreis Weimar-Land, mit Weimar als Hauptort.

gesch01aDie nächste Gebietsreform, 1993, vereinigte einige Teile des ehemaligen Kreise Weimar wieder (Kreis Apolda und Kreis Weimar-Land ) zum Kreis Weimarer Land, jetzt aber mit Apolda als Hauptort.

Die Dorfmauer und die Straßen im Ort

Als 1815 das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vom Wiener Kongress zum Großherzogtum erhöht wurde, war das verbunden mit einem ganz ordentlichen Gebiets- und Bevölkerungszuwachs. Wie im vergangenen Beitrag bereits ausgeführt, gehörte auch Wohlsborn dazu. Für das Großherzogtum war es natürlich wichtig, genaue Abmessungen der neuen Besitzungen zu erhalten. So wurde 1817 u.a. auch die Gemarkung Wohlsborn vermessen und in 6 Blättern aufgezeichnet.

Dorfmauer und Straßen Wohlsborn
Dorfmauer und Straßen Wohlsborn

Blatt 1 erfasste das eigentliche Dorf und zeigt sehr deutlich den Rundlingscharakter des Ortes.  Die Karte zeigt aber auch, dass es nur einen Weg in das Dorf gab. Die alte von Weimar kommende Straße mündete in einem großen Platz, dem Anger. Von dort verzweigte sich die Straße als Hauptstraße nach Buttstädt/Oßmannstedt, als Weg in das Dorf hinein, als Weg nach Großobringen und als Weg nach Sachsenhausen.

Auch heute noch ist der alte Kern des Dorfes erhalten und lässt sich bequem umrunden. Wir beginnen am Glaserplatz und gehen Richtung Sachsenhausen. Rechts sind noch Teile einer Mauer zu sehen, die möglicherweise das ganze Dorf umfasste. Die Kreuzung Sachsenhäuser Straße/ Zum Rutschestein/ Großobringer Weg gab es nicht, es gab dort weder eine Straße in den Ort, noch Richtung Großobringen. „Die Neue Gasse“, heute Teil der Straße „Zum Rutschestein“ wurde erst später angelegt. Eine Bebauung links der Sachsenhäuser Straße gab es ebenfalls noch nicht. Weiter führt uns der Weg am Friedhof entlang, der 1900 neu angelegt wurde, weil der Gottesacker an der Kirche voll belegt war. Nach der Kurve an dem Holzbearbeitungsbetrieb ist wieder ein Stück Mauer zu sehen.

Dorfmauer Wohlsborn
Dorfmauer Wohlsborn

Bis zum Rosselraine gab es auch hier links von der Straße keine Bebauung. Eine Straße von der Sachsenhäuser Straße (die damals nicht mehr als ein Feldweg war) bis zur Straße „Am Rosselraine“, gab es damals nicht. Nicht einmal ein befestigter Weg ist in der Karte eingezeichnet. Eine Art Grünstreifen gab es dort, der für Ziegen und Schafe genutzt wurde. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Grundstücke Nr. 21 und 22 bebaut wurden, wurde ein Weg angelegt, der in Höhe des Hauses Nr.21 in das Dorf führte. Dazu wurde vom Grundstück Nr. 23 ein bogenförmiger Teil abgetrennt. Dort, wo die Straße „Am Rosselraine“ von dem „Liebstedter Weg“ abzweigt, beginnt wieder ein Stück Mauer, das bis zum Grundstück Nr. 27 dem damaligen Ortsrand entspricht. Anschließend verlief der Ortsrand von der heutigen Straße aus ca. 40m nach rechts versetzt bis die nächste Querstraße erreicht wird. Folgen wir dieser Straße, so stoßen wir ab Grundstück Nr. 37 auf den letzten Abschnitt der „Dorfmauer“. Diese Mauer dient vor allem dem Abstützen der dahinter liegenden Grundstücke, die höher als die Straße liegen und offensichtlich eine Fortsetzung des Lindenbergs sind. Da diese Straße sowohl in Richtung Oßmannstedt als auch in Richtung Buttstädt führte und damit eine wichtige Verbindung zwischen Weimar und Buttstädt war, musste dort der auslaufende Lindenberg unterbrochen und abgetragen werden. Auch hier war die linke Seite, der Lindenberg, bis zur heutigen Kreuzung unbebaut. Und damit sind wir bereits wieder am Glaserplatz angelangt. Uns rechts haltend kommen wir ins Dorf – wie bereits erwähnt, der einzige befahrbare Weg in den Ort. Damit ist der Rundgang um Wohlsborn des Jahres 1817 beendet. (Die Nummerierung der Häuser entspricht noch dem System, das zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels 2005, gültig war.)

Wohlsborns Gemarkung und deren Straßen und Wege

Vergleicht man die Karte der Gemarkung Wohlsborn von 1817 mit einer aktuellen Karte, so erkennt man doch einige wesentliche Unterschiede. Da gehören die Straßen und Wege dazu. Es ist schon erstaunlich, dass am Ortsrand Wohlsborns eine wichtige Straße entlang führte: die Straße Weimar – Buttstädt, wie bereits im vorigen Beitrag erwähnt wurde.
Die Residenzstadt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach hatte keine direkte Verbindung zu den großen Handelsstraßen: die West-Ost-Straße führte von Frankfurt/Main über Erfurt – Kerspleben – Berlstedt – Buttelstedt – Buttstädt nach Leipzig und die Nord-Süd-Straße, die Kupferstraße führte von Eisleben/Mansfeld über Hardisleben – Niederreißen – Oberreißen – Rohrbach – Liebstedt – Ullrichshalben bis nach Nürnberg.

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Die Leipziger Straße war damals für Weimar nur über die Straße Weimar – Wohlsborn – Rohrbach – Oberreißen – Buttstädt zu erreichen.
Die Wichtigkeit für Wohlsborn zeigt sich auch in der Bezeichnung „Straße“. Sie wurde von Schöndorf kommend bis zum Ortsanfang „Weimarische Straße“ und fortführend als „Buttstädter Straße“ benannt. Nach der Kreuzung mit dem „Mühlenweg“ wird diese Straße allerdings als „Rohrbacher Weg“ bezeichnet.
Als später die Strecke Weimar – Großobringen nach Buttelstedt favorisiert wurde, war die Route über Wohlsborn nicht mehr interessant.
Die in der Karte eingezeichnete „Weimarische Straße“ gibt es heute nicht mehr. Für die Verbindung nach Weimar wurde 1869 der „Holzweg“ bis zur Grenze zu Schöndorf ausgebaut. Das Stück „Buttstädter Straße“ und den „Weg nach Rohrbach“ gibt es ebenfalls nicht mehr. Von den in der Karte eingezeichneten Wegen wurden einige in ihrer Streckenführung unverändert gelassen. Das betrifft den „Weg nach Liebstedt“, den „Galgenweg“ (führt am Wasserbassin des Wasserwerkes Sachsenhausen vorbei), den „Denstädter Weg“, den „Oßmannstädter Weg“ und den „Weg nach Sachsenhausen“. Der „Oßmannstedter Weg“ wurde 1888 als befestigte Straße bis zum Bahnhof ausgebaut und „An der Eisenbahn“ genannt. Der „Weg nach Sachsenhausen“ wurde 1877 bis zu Flurgrenze zu Sachsenhausen als befestigte Straße ausgebaut.
Die Ortsverbindung nach Großobringen wurde wahrscheinlich 1871 in ihrer Streckenführung geändert, aber nur im Ort befestigt. Auch die Verbindung nach Liebstedt, in ihrer Streckenführung zwar unverändert, blieb außerhalb des Ortes bis in die 1970er Jahre Feldweg. Auch der Bachverlauf wurde geändert.
In der Karte habe ich die Bezeichnung „Scherkonde“ mit „a“ und „b“ versehen. „a“ ist der ursprüngliche, natürliche Verlauf des Baches, „b“ zeigt ein begradigtes Bachbett. Diese Veränderung ist allerdings bereits auf der Karte von 1817 eingezeichnet. Wenn man die Gemarkungsgrenze im Osten und Norden betrachtet, fällt auf, wie „zerklüftet“ diese war. 1869 wurde eine „Separation der Planlage“ durchgeführt und die heutige Gemarkungsgrenze festgelegt.

Pferdesport in Wohlsborn

Anfang der 1950er Jahre, wenige Jahre nach dem Ende des 2.WK hatte sich vieles in den Orten des Kreises Weimar normalisiert. Neben der täglichen harten Arbeit wurde auch wieder mehr Sport getrieben. Neben Fußball war das Reiten eine bevorzugte Sportart. Auch in Wohlsborn trafen sich junge Bauern, um gemeinsam diesen Sport auszuüben. Anfang 1952 organisierten sie sich in der SG (Sportgemeinschaft) Wohlsborn, Sektion Pferdesport. Die Idee dazu hatten Gerhard und Ewald Mund, Lothar Gernhard, Hugo und Gerhard Sädler. Gerhard Mund wurde Sektionsleiter, Lothar Gernhard Kassierer. In die SG traten neben den genannten Sportfreunden noch Werner Hasse und Bruno Menge ein.

Springreiten R. Kaufmann
Springreiten R. Kaufmann

Dazu kamen noch aus Rohrbach Rolf Kaufmann (auch Ewald Mund wohnte damals bereits in Rohrbach), aus Leutenthal Martin Löder, Armin Berbig, Martin Kaufmann, Harry Steinhäuser, aus Großobringen Lothar Querndt, Herbert Mähler, aus Kleinobringen Manfred Sundhaus und aus Schöndorf Helmut Schöps sowie Konrad Schneu. Anfangs war auch Wolfgang Gröbe aus Pfiffelbach, sowie einer der Reichmuths aus Großobringen dabei. Zeitweilig ritten Suse Machetanz aus Liebstedt und Bernd Röder aus Ballstedt mit. Später ritt auch Heinrich Nimmrich mit.

In Wohlsborn existierte 1952 nur ein Sportplatz, vorwiegend für den Fußball. Deshalb wurde anfangs in Rohrbach auf dem Reitplatz im Gutsgelände trainiert. Der erste Reitlehrer war der Betriebsleiter des Gutes, Emil Rost.

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Quadrille, kommandiert von Emil Rost

Auch Herr Kuchenbäcker aus Rohrbach trainierte die SG. Das erste Reit-, Spring- und Fahrturnier fand am 11.April 1953 in Buttstädt statt, von der Wohlsborner SG organisiert! Da sich am 11. April 1945 die Häftlinge des KZ Buchenwald selbst befreit hatten, durften am 11. April keine andersartigen Veranstaltungen durchgeführt werden.

Erst durch die Genehmigung des Bezirksekretariats der SED, die persönlich beantragt wurde, konnte das Turnier starten. Es fand auf dem Rossplatz statt, der auch heute noch zum Pferdemarkt genutzt wird. Zu dieser Zeit war ein Turnierplatz in Wohlsborn bereits geplant. Er wurde neben dem Fußballplatz angelegt. Das Paul Nimmrich gehörende Grundstück wurde gegen ein gemeindeeigenes getauscht. Damit war es allerdings noch nicht nutzbar. Das hügelige Gelände war für den Sport nicht geeignet. In vielen Stunden harter Arbeit wurde der Platz planiert. Der Bauunternehmer Haupt aus Sachsenhausen stellte Feldbahnloren und die dazu passenden Schienen kostenlos zur Verfügung. Wir Kinder sahen gebannt zu, wie die Loren gefüllt, zum Zielort geschoben und dort entleert wurden. In relativ kurzer Zeit wurde aus dem hügeligen Gelände ein flacher Platz für Parcours und Vorplatz.

Viele Wohlsborner vorwiegend Jugendliche beteiligten sich am Bau des Turnierplatzes. Arbeitlohn gab es nicht, alles wurde freiwillig und mit großer Freude gemacht. Zeit dafür war nur dann, wenn auf den Feldern keine Arbeiten zu erledigen waren. Nach der Planierung musste auch der Parcours eingezäunt und Hindernisse für das Springreiten gebaut werden. Alles das wurde selbst angefertigt, das Holz (Fichte) kam vorwiegend vom Ettersberg (sog. Bodenreformholz u.a. von L. Querndt und H. Mähler). Als all dies fertig war, konnte endlich in Wohlsborn trainiert werden. Immer noch von Reitlehrer Rost, bis Gerhard Mund das Training übernahm.

Pferdesport in Wohlsborn
Gerhard Mund im Zweispänner in Leipzig

Insbesondere bei der Dressur kam es auf genaue Ausführung der Kommandos an. Das wurde durch Pfiffe mit Trillerpfeifen vorgegeben. Natürlich wurde das Ergebnis des Trainings in einem Turnier in Wohlsborn umgesetzt. Dazu kamen Reiter aus den SG anderer Orte des Kreises. Diese Veranstaltungen wurden von sehr vielen Einwohnern und Gästen besucht. Die Organisation des Turniers erforderte einen hohen Zeitaufwand. Mit den einzelnen Reitern musste konkret abgestimmt werden, wer, wann, was zu tun hatte. Die Pferde, die am Vortag gebracht wurden, mussten in Ställen untergebracht werden. Und das Wetter musste mitspielen. Ein Turnier, so erzählte Gerhard Mund, musste wegen Gewitter und anschließendem Hochwasser ausfallen – die Reiter wurden auf dem Saal der Gaststätte „Zur Erholung“ Inh. Artur Strobach untergebracht, bis sich das Unwetter verzogen hatte. Umsonst die Vorbereitungen.

Pferdesport in Wohlsborn
Die Wohlsborner SG zur 1000 Jahresfeier in Liebstedt

Natürlich nahmen die Sportler der Wohlsborner SG auch an den Turnieren in anderen Orten teil: Berlstedt, Bad Berka, Hopfgarten, Utzberg, Niederzimmern, Buttstädt, Rudersdorf, Apolda, Großneuhausen, im Park von Weimar und auf der Landwirtschaftsausstellung in Leipzig-Markkleeberg.

Pferdesport in Wohlsborn
Festumzug in Wohlsborn

Turniere fanden vorwiegend ab April bis Mitte Juli statt, in einer Zeit, in der die Pferde nicht auf dem Feld gebraucht wurden.

Nach der Saison 1958 löste sich die SG auf. Die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) des Kreises Weimar mit ihrer Sektion Pferdesport im Marstall in Weimar bedrängte die SG immer stärker, in die GST einzutreten. Das wollten die Sportfreunde nicht, wegen der Pferde, die ja keine reinen Warmblüter, sondern schwere Warmblüter waren und auch weil sich die GST immer mehr zu einer vormilitärischen Organisation entwickelte. Ein letztes mal fand in Wohlsborn eine Pferdesportveranstaltung anlässlich der 700 Jahrfeier im Juni 1969 statt. Lothar Gernhardt, der nach Berlstedt gezogen war, hatte organisiert, dass die SG Berlstedt ihr Können zeigte.

Pferdesport in Wohlsborn
Dressur – Bruno Menge

Im Allgemeinen ritt jeder der Sportler die eigenen Pferde. Ausnahmen waren Gerhard Sädler, der ein Pferd aus dem Stall von Paul Menge ritt, sein Bruder Hugo Sädler, der ein Pferd von Löders aus Leutenthal ritt und Konrad Schneu aus Schöndorf, der ein Pferd des Schöndorfer Gutes ritt. In Wohlsborn züchteten vor allem Walter Mund und Paul Menge, tw. Auch Werner Hasse Pferde. Walter Mund hatte große Erfolge mit Oldenburgern, die später Schweres Warmblut genannt wurden. 1954 und 1957 wurden seine Staatsprämienstuten in Leipzig-Markkleeberg vorgeführt. Diese Veranstaltungen dauerten jeweils 14 Tage und während vormittags die Pferde vorgeführt wurden, fanden nachmittags Turniere statt. Wenige Jahre nach Gründung der LPG „Am Bärenhügel“ in Wohlsborn verdrängte moderne Technik die Pferde in der Feldarbeit. Es gab immer weniger Pferde im Ort, Mitte der 60er Jahre gab es keine mehr. Die Weiterführung der Zucht lohnte nicht mehr – eine Ära ging zu Ende.

Pferdesport in Wohlsborn
Einspänner

Die Informationen habe ich nach Gesprächen mit Gerda Müller, Ewald und Gerhard Mund, Gerhard und Hugo Sädler, Rolf Kaufmann und Heinrich Nimmrich aufgeschrieben. Von ihnen habe ich auch die abgebildeten Fotos und weitere Fotos und Urkunden zum Kopieren erhalten. Dafür bedanke ich mich herzlich. Ebenso bedanke ich mich bei meiner Tochter, die während der Gespräche die Fotos und Urkunden kopiert hat.

40 Jahre Beat in Wohlsborn

In diesem Artikel möchte ich an ein kleines Jubiläum erinnern: vor 40 Jahren, am 21. August 1965 wurde erstmals in Wohlsborn ein „Beat-Tanz“ veranstaltet. Es spielten die „Five Ducks“ aus Weimar mit Jochen Steinmetz als Leiter der Band.

Wie kam es dazu? Anfang der 60er Jahre war der Rock`n Roll kaum noch gefragt. Einer neuen Generation Jugendlicher war diese Musik-Richtung zu einseitig, die konventionelle Tanzmusik lehnten sie sowieso ab. In Großbritannien hatten sich um diese Zeit Gruppen gebildet, die gemeinsam Musik machten, die vielen Jugendlichen gefiel. Mit den „Beatles“ und den „Rolling Stones“ machten auch die damals bekanntesten Gruppen ihre ersten Versuche.

Mit dem Titel „She Loves You“ von den „Beatles“ begann die „Beat-Ära“ ihren Siegeszug um die Welt. Ihre Frisur („Pilzköpfe“), die Schlaghosen – alles wurde nachgemacht. Im Rundfunk und Fernsehen der DDR war diese Musik damals noch nicht zu hören. Erst mit dem Deutschlandtreffen 1964 änderte sich das – ein Sender wurde nur für dieses Treffen eingerichtet – DT 64. Jetzt konnte man auch auf diesem Sender „Beat“-Musik hören. Nach dem Treffen wurde der Sender wieder abgeschaltet, wegen seiner Beliebtheit aber bald als ständiger Sender bis zur Wende eingerichtet.

Ansonsten hörten wir Beatmusik von „Radio Luxemburg“, „Sender Prag“ (mit dem Titel „Jailhouse Rock“ von Elvis Presley als Erkennungsmelodie) auf Kurzwelle mit ständigem Nachregeln des Senders am Radio, weiterhin „Europawelle Saar“, „AFN“ und die von der DDR gesteuerten Sender „Freiheitssender 904“ und „Deutscher Soldatensender“ auf Mittelwelle. Das Angebot auf UKW war 1963/64 noch eher dürftig. Neben DT 64 war in Wohlsborn HR 3 und BFBS (britischer Soldatensender), meiner Erinnerung nach, zu empfangen.

Im Internat der EOS in Bad Berka, die ich bis zum Abi 1965 besuchte, waren die Empfangsverhältnisse ähnlich, man durfte sich allerdings nicht erwischen lassen. In der 12. Klasse hatten wir im Internat ein Tonbandgerät (ein BG 19 „Smaragd“), mit dem wir nun, heimlich, Beatmusik aufnehmen konnten und in der Freizeit nach „Hippi, Hippi Shake“ von den „Swinging Bluejeans“, „Rock`n Roll Musik“ von den „Beatles“ oder „Skini Mini“ von Roy Orbison „verrückt“ tanzten.

In Wohlsborn war im Backhaus über dem Raum mit dem Backofen ein Jugendzimmer eingerichtet worden, in dem wir Tischtennis oder Karten spielen oder auch Musik hören konnten. Dazu diente ein Röhrenradio, an den wir auch einen Plattenspieler anschließen konnten. Dann legten wir Platten auf, vorwiegend Singles. Das war etwa ab Herbst 1964 üblich. Schallplatten mit Beatmusik zu beschaffen, war gar nicht so einfach. Mein Großvater durfte 1964 erstmals wieder in die BRD zu seinem Sohn fahren und brachte mir eine Single-Schallplatte mit: „Don`t ha, ha“ von Casey Jones and his Engineers und außerdem hatte ich die Platte „Motor Biene“ von Benny Quick. Diese Platten wurden nun immer wieder abgespielt (und existieren noch heute!).

Damals gab es auch einen Versandhandel des Tschechoslowakischen Kulturzentrums in Leipzig, bei dem ich einige Platten bestellte. Insgesamt steuerte ich im Laufe der Zeit 19 Platten zu unseren Treffen bei. Dabei wurde natürlich auch unkonventionell getanzt. Das kam nämlich noch dazu: die Standardtänze waren nicht mehr gefragt. Der „Twist“ war die Grundlage für das Tanzen nach der Beatmusik. In der Tanzstunde wurde dieser Tanz auch schon gelehrt. Öffentlich gab es aber kaum Gelegenheit, danach zu tanzen.

In Weimar war es das Jugendklubhaus „Walter Ulbricht“ („Ami“), in dem erstmals Beat-Tanzveranstaltungen durchgeführt wurden. Erst mit Beginn 19.00 oder 20.00 Uhr, später kam der „Tanztee“ um 15.00 Uhr dazu, weil die Jugendlichen, die nach dieser Musik tanzen wollten, immer jünger wurden. Es spielten solche Bands wie z.B. „Polars“ aus Gotha oder „Hitband Zeitz“. Das waren totale Gegensätze zu den Kapellen die Schlager spielten, wie „die Orions“, „die DS-Combo“ oder „Trumpf As“. Während der Himmelfahrtskutschfahrt der Wohlsborner Jugend, an der auch Klaus-Dieter Hasse und mein Bruder Hartmut teilnahmen (ich musste fürs Abi büffeln), kamen sie in einem Ort zu einer Probe der Beatgruppe „Dollars“. Dieter und Hartmut waren von mir mit dem Beatvirus infiziert worden und fanden diese Lifemusik gut.

Die Idee, in Wohlsborn eine Tanzveranstaltung mit einer „Beatgruppe“ zu organisieren, war geboren. Nun war das einfacher gesagt, als getan. Es musste ein Tanzschein bei dem VPKA beantragt werden, der nur bearbeitet wurde, wenn ein Tanzsaal nachgewiesen werden konnte. Das war für uns der Saal der Gaststätte „Zur Erholung“(Strobach, Artur) Die Band musste eingestuft sein. Es gab vier Klassen: Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe und Sonderstufe. Entsprechend dieser Einstufung konnte eine Band dann auch ihre Honorarforderung stellen. Die Kapelle musste eine Liste der gespielten Titel und von welchem Künstler zur AWA (Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte) einreichen, natürlich mit dem Verhältnis 60:40. Das war das Verhältnis Osttitel zu Westtitel. Es durften alle Titel gespielt werden, außer solche, die mit VE gekennzeichnet waren. (VE heißt verbotene Einfuhr) Veranstalter musste die FDJ sein.

Natürlich gab es eine FDJ-Gruppe in Wohlsborn, aber vor allem wegen der Tanzveranstaltungen. Die Bekanntmachung der Veranstaltung erfolgte in der Zeitung (Das Volk und TLZ) sowie auf selbst angefertigten Plakaten. Das alles war erfüllt, als die erste Tanzveranstaltung dieser Art in Wohlsborn durchgeführt wurde. Ich zitiere dazu einen Ausschnitt eines Briefes vom 10.08.1965, den ich erhielt, als ich einige Wochen nicht zu Hause war: „Nun habe ich noch eine gute Nachricht für Dich: Ich habe unseren Boys den Vorschlag mit dem Tanz gemacht. Einverstanden waren sie alle – bis auf Ausnahmen. Schwierigkeiten machte jedoch die Vorsilbe „Beat“. Die meisten wussten nichts damit anzufangen und außerdem ist es für sie „Neuland“. Schließlich setzten Dein Bruder und ich durch, dass wenigstens auf den Plakaten Beat-Ball und in der Zeitung Jugendball steht, wegen des Tanzscheines. Da Du erst am 19.8. zurückkommst, habe ich den 21.8. als Termin vorgeschlagen und fand Zustimmung. Wir haben eine Kapelle mit „Beatcharakter“ (2 Gitarren, Schlagzeug usw.). Es kennt sie bisher keiner von uns, doch sie hat schon im Jugendklubhaus gespielt und wir setzen alle Hoffnungen in sie. Sie heißt „Die fünf Ducks“. Auf die Plakate schreiben wir: „The five Ducks“. Klingt mehr englisch.“

Der Tanzabend wurde tatsächlich ein voller Erfolg. Deshalb sollte am 18.9.65 der nächste Tanz mit dieser Gruppe sein. Das war jedoch nicht möglich, weil auf dem Saal der Gaststätte Getreide getrocknet wurde und weil der Saal zu kurzfristig bestellt wurde. Dadurch war der Termin für die Fassbierlieferung überschritten. Wegen der Haltbarkeit des Bieres musste dieser Termin eingehalten werden. Die Brauerei braute kein Bier auf Vorrat. Da die Gruppe für die nächsten Wochen ausgebucht war, wurde als nächster Termin der 9.10. geplant, was jedoch auch nicht ging, weil am 10.10. Wahlen zur Volkskammer waren. Der 16.10. wurde von der Jugend abgelehnt, weil dann nur wenige Wochen bis zur Kirmes verblieben. Somit fiel eine Fortsetzung erst mal aus.

Später wurden immer wieder Jugendtanzveranstaltungen auf dem Saal der Gaststätte „Zur Erholung“ durchgeführt, die meist große Erfolge waren. Wann in Wohlsborn Tanztees veranstaltet wurden, war nicht konkret zu ermitteln. Manche meinen im Herbst 1965, andere sagen, erst ab Mai 1966. Auf alle Fälle hat die Gruppe „The Relations“, in der K.-D. Hasse mitspielte zu einem Tanztee in Wohlsborn gespielt.

Solche Veranstaltungen waren bald in vielen Dörfern zu erleben, ihre Zeit war allerdings bereits Anfang der 70er vorbei, wogegen Jugendtanz am Abend auch die Kirmes erobert. Einen Höhepunkt erlebte Wohlsborn im Juni 1969 zur 700 Jahrfeier. Die Kirmesjugend organisierte an zwei Wochenenden Jugendtanz: am 21.6. Tanztee mit den „Türmers“ und am 28.6. mit den „Polaris“. Dafür war uns der Saal zu klein und so kamen wir auf die Idee, die Halle der LPG (jetzt MBW) als Tanzhalle her zu richten. Die LPG gab uns die Erlaubnis und nach einigen Tagen harter Reinigungsarbeiten war die „Festhalle“ fertig und die Veranstaltungen darin sehr gut besucht.

Bei den Gesprächen zu diesem Beitrag wurden viele Erinnerungen bei meinen Gesprächspartnern geweckt, konkrete, belegbare Fakten waren jedoch nicht mehr abrufbar. Deshalb will ich versuchen, zu dieser Thematik weiter zu recherchieren und einen weiteren Beitrag dazu schreiben.

Die Dorfmauer und die Straßen im Ort

Als 1815 das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vom Wiener Kongress zum Großherzogtum erhöht wurde, war das verbunden mit einem ganz ordentlichen Gebiets- und Bevölkerungszuwachs. Wie im vergangenen Beitrag bereits ausgeführt, gehörte auch Wohlsborn dazu. Für das Großherzogtum war es natürlich wichtig, genaue Abmessungen der neuen Besitzungen zu erhalten. So wurde 1817 u.a. auch die Gemarkung Wohlsborn vermessen und in 6 Blättern aufgezeichnet.

Dorfmauer und Straßen Wohlsborn
Dorfmauer und Straßen Wohlsborn

Blatt 1 erfasste das eigentliche Dorf und zeigt sehr deutlich den Rundlingscharakter des Ortes.  Die Karte zeigt aber auch, dass es nur einen Weg in das Dorf gab. Die alte von Weimar kommende Straße mündete in einem großen Platz, dem Anger. Von dort verzweigte sich die Straße als Hauptstraße nach Buttstädt/Oßmannstedt, als Weg in das Dorf hinein, als Weg nach Großobringen und als Weg nach Sachsenhausen.

Auch heute noch ist der alte Kern des Dorfes erhalten und lässt sich bequem umrunden. Wir beginnen am Glaserplatz und gehen Richtung Sachsenhausen. Rechts sind noch Teile einer Mauer zu sehen, die möglicherweise das ganze Dorf umfasste. Die Kreuzung Sachsenhäuser Straße/ Zum Rutschestein/ Großobringer Weg gab es nicht, es gab dort weder eine Straße in den Ort, noch Richtung Großobringen. „Die Neue Gasse“, heute Teil der Straße „Zum Rutschestein“ wurde erst später angelegt. Eine Bebauung links der Sachsenhäuser Straße gab es ebenfalls noch nicht.

Weiter führt uns der Weg am Friedhof entlang, der 1900 neu angelegt wurde, weil der Gottesacker an der Kirche voll belegt war. Nach der Kurve an dem Holzbearbeitungsbetrieb ist wieder ein Stück Mauer zu sehen.

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Dorfmauer

Bis zum Rosselraine gab es auch hier links von der Straße keine Bebauung. Eine Straße von der Sachsenhäuser Straße (die damals nicht mehr als ein Feldweg war) bis zur Straße „Am Rosselraine“, gab es damals nicht. Nicht einmal ein befestigter Weg ist in der Karte eingezeichnet. Eine Art Grünstreifen gab es dort, der für Ziegen und Schafe genutzt wurde. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Grundstücke Nr. 21 und 22 bebaut wurden, wurde ein Weg angelegt, der in Höhe des Hauses Nr.21 in das Dorf führte. Dazu wurde vom Grundstück Nr. 23 ein bogenförmiger Teil abgetrennt.

Dort, wo die Straße „Am Rosselraine“ von dem „Liebstedter Weg“ abzweigt, beginnt wieder ein Stück Mauer, das bis zum Grundstück Nr. 27 dem damaligen Ortsrand entspricht. Anschließend verlief der Ortsrand von der heutigen Straße aus ca. 40m nach rechts versetzt bis die nächste Querstraße erreicht wird. Folgen wir dieser Straße, so stoßen wir ab Grundstück Nr. 37 auf den letzten Abschnitt der „Dorfmauer“. Diese Mauer dient vor allem dem Abstützen der dahinter liegenden Grundstücke, die höher als die Straße liegen und offensichtlich eine Fortsetzung des Lindenbergs sind.

Da diese Straße sowohl in Richtung Oßmannstedt als auch in Richtung Buttstädt führte und damit eine wichtige Verbindung zwischen Weimar und Buttstädt war, musste dort der auslaufende Lindenberg unterbrochen und abgetragen werden. Auch hier war die linke Seite, der Lindenberg, bis zur heutigen Kreuzung unbebaut. Und damit sind wir bereits wieder am Glaserplatz angelangt. Uns rechts haltend kommen wir ins Dorf – wie bereits erwähnt, der einzige befahrbare Weg in den Ort. Damit ist der Rundgang um Wohlsborn des Jahres 1817 beendet. (Die Nummerierung der Häuser entspricht noch dem System, das zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels 2005, gültig war.)