Die natürlichen Ressourcen

Jedes Dorf, das bestehen wollte, musste sich weitgehend eigenständig erhalten können. Neben Ackerland und Vieh, das die Grundlage der Erwerbstätigkeit vieler Dörfer bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren, gehörten Quellwasser, Heizmaterial und Baumaterial zu den Grundvoraussetzungen für den Erhalt eines Dorfes.

Wohlsborn

Wohlsborn

Wie verhielt es sich damit nun in Wohlsborn? Wie schon der Name vermuten lässt, gab es hier genügend Quellwasser. Über das Wasser im Ort berichtet ein anderer Artikel. Noch bis in das 20. Jahrhundert war Holz das wichtigste Heizmaterial in Wohlsborn und den Orten um den Ettersberg. Auch für den Hausbau war Holz ein wichtiger Rohstoff. Wie die Namen „Holzweg“ und „Hölzchen“ (das kleine Wäldchen auf der linken Seite der Straße nach Weimar) vermuten lassen, war dort das Holzreservoir der Wohlsborner. Dem war aber lange nicht mehr so. Das „Hölzchen“ ist tatsächlich der Rest eines größeren Waldstückes, das aber längst gerodet war. Das Holz wurde vom Ettersberg geholt.

Deshalb der Name „Holzweg“, der außerhalb der Wohlsborner Flur als „Schleifweg“ bis in den Wald führte. Schleifweg deshalb, weil das Holz mit Hilfe eines Pferdes in das Dorf gezogen wurde. Dieser Weg, der nur so breit war, dass gerade ein Pferd dort entlang laufen konnte, musste von den Fluren der Orte, durch die der Weg führte, geduldet werden. Da der Wald Eigentum des Herzogs bzw. Großherzogs von SWE war, musste das Holz natürlich bezahlt werden. Das wurde mit der Übertragung des Jagdrechts auf die Herrschaft abgesichert. Davon war das ganze Gebiet von Ettersburg bis Pfiffelbach betroffen, denn es gab hier sehr viele Hasen.

Weitere wichtige Rohstoffe waren Kalkstein und Lehm. Beides gab es in der Wohlsborner Flur genügend. Kalkstein am Nordhang des Kleinen Ettersberges ist ja nicht ungewöhnlich, denn der ganze ettersberg besteht aus Muschelkalk, der etwa 215 Millionen Jahre auf dem Buckel hat. Dementsprechend hart ist dieses Gestein auch – ideal für Grundmauern von Gebäuden. Das kann an vielen Häusern in Wohlsborn noch gesehen werden, wie auch an einigen Mauern. Ganze Häuser aus gut behauenen Bruchsteinen sind eher selten. Dagegen gibt es noch Gebäude, die aus kleinen Kalksteinen, Bruchsteinabfällen und Lesesteinen (vom Feld) vermischt mit Lehm als Bindemittel aufgebaut wurden. Steinbrüche gab es überall in der Flur, natürlich so nah wie möglich am Dorf. Vor allem in Richtung Großobringen und an der Straße zum ehemaligen Bahnhof gab es größere Gruben. Die wohl größte befand sich im Feld etwa 50 m links von der Straße zum ehemaligen Bahnhof, in der Hälfte der Strecke zwischen Ortsausgang und ehem. Bahnhof. Bis in eine Tiefe von 5m wurde dort Kalkstein mühsam gebrochen. Nachdem der Abbau sich durch die Verfügbarkeit moderner Baustoffe nicht mehr lohnte, wurden die Gruben allmählich mit Müll gefüllt und in den 30er Jahren mit Muttererde wieder zu Ackerland rekultiviert. Der letzte Steinbruch befand sich oberhalb des Wasserbassins des Wasserwerks Sachsenhausen, heute nur noch kenntlich an der dort wachsenden Baumgruppe. Diese Grube wurde noch bis Ende der 50er Jahre als Müllhalde genutzt und dann mit Lesesteinen verfüllt. Wohlsborn ist, kann man bei Spaziergängen in der Flur immer wieder auf frisch gepflügten Feldern sehen. Wenn man sich die Mühe macht und einen größeren Stein aufhebt, kann man oft schöne Fossilien entdecken.

Während Muschelkalk fast in der ganzen Flur zu finden ist, gibt es Lehm vorwiegend nordöstlich am Ort und am Lindenberg. Abgebaut wurde der Lehm hauptsächlich rechts neben der Straße nach Sachsenhausen, beginnend an der Straße zum Friedhof bis etwa 200 m in Richtung Sachsenhausen und rechts davon bis etwa Anfang des Friedhofs. Wie bei dem Kalkstein wurde der Abbau eingestellt und die Gruben mit Abfall/Müll gefüllt. Mitte der 30er Jahre wurde Erde aufgefüllt.

Ein Teil wurde Gartenland und von der Gemeinde verpachtet, ein Teil wurde für die 1937 angepflanzte gemeindeeigene Kirschplantage („Kirschenwiese“) genutzt. Der Rest war noch bis Ende der 50er Jahre Schuttplatz und wurde später mit Erde aufgefüllt und als „Krautland“ genutzt. Obwohl die große Zeit der Lehmbauten vorüber war, war Lehm für Reparaturen oder für Kachelöfen immer noch gefragt. Deshalb gab es bis zur Verrohrung (1975) des in den 30er Jahren zwischen Straße und Friedhof angelegten Grabens immer freiliegende Lehmvorkommen an dessen Wand. Beim Aushub des Regenwasserauffangbeckens auf der „Kirschenwiese“ konnte man sehen, dass es noch immer Lehmvorkommen gibt.

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