200 Jahre Erhebung des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach zum Großherzogtum – 200 Jahre Zugehörigkeit Wohlsborns zum Großherzogtum

Die Völkerschlacht von Leipzig im Oktober 1813 beendete die Herrschaft Napoleons über Europa. Der erste Friedensvertrag zwischen Frankreich einerseits und Österreich, Spanien, Großbritannien, Portugal, Preußen, Russland, Schweden und Norwegen andererseits wurde am 30.Mai 1814 unterzeichnet. Darin werden die Grenzen Frankreichs auf die Grenzen von 1792 zurückgesetzt. Eine Neuordnung Europas wurde notwendig und am 1. Oktober 1814 wurde der Wiener Kongreß, während dem diese Neuordnung verhandelt wurde, eröffnet.

Der große Verlierer war das Königreich Sachsen. Der König Friedrich August hatte sich bis zum Schluss nicht von seiner Bündnispflicht zu Napoleon getrennt. Bis zum Ende der Völkerschlacht blieb das Königreich Sachsen im Rheinbund. Der preußische König hatte bereits im Mai 1813 den Plan sich nach einem Sieg über Napoleon das Königreich Sachsen in sein Reich zu integrieren. Der Zar Alexander unterstützte ihn, da er sich das Großherzogtum Warschau, dessen Herzog auch der sächsische König war, einverleiben wollte. Auch Herzog Carl August von SWE hatte sich Hoffnung gemacht, König von Sachsen zu werden. Der Kongreß entschied anders. Das Königreich Sachsen ganz zu liquidieren gefiel den anderen Herrschern ganz und gar nicht, weil damit Preußen zu stark geworden wäre. Es wurde entschieden, dass Sachsen etwa zwei Drittel seines Territoriums an Preußen abgeben sollte. Im Friedensvertrag zwischen Sachsen und Preußen vom 18. Mai 1815 wurde festgelegt, welche Gebiete Sachsen an Preußen abzutreten hatte. Dazu gehörte auch die Comthurei Zwätzen. Alle Ergebnisse des Wiener Kongresses sind in der „Wiener Congreß-Acte unterzeichnet am 8. Junius 1815“ festgehalten.

Im Abschnitt II Artikel 15 – Abtretungen Sachsens an Preußen ist der zweiseitige Vertrag zwischen Sachsen und Preußen noch einmal aufgeführt.

Der Artikel 36 legt fest, dass Herzog Carl August den Titel Großherzog annehmen wird. In den Artikeln 37 bis 39 werden die Gebietsabtretungen Preußens an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach beschrieben. Der Artikel 39 betrifft auch Wohlsborn:

“Artikel 39 – Besitzungen, die sogleich zu übergeben sind.

Se. Maj. der König von Preußen treten jedoch sogleich ab, und versprechen, Sr. königl. Hoheit in 14 Tagen, von der Unterzeichnung des Tractats an gerechnet, folgende Districte und Gebiete übergeben zu lassen, nämlich: die Herrschaft Blankenhayn, mit Ausnahme des Amtes Wandersleben, das zu Unter-Gleichen gehört; die niedere Herrschaft Kranichfeld; die Commenden des deutschen Orden: Zwätzen, Lehesten und Liebstädt, mit den landesherrlichen Einkünften, die einen Theil des Amtes Eckartsberge ausmachen, und in dem gebiet von Sachsen-Weimar enclavirt sind, so wie alle übrige Enclaven, welche im Fürstenthum Weimar liegen und zu benanntem Amte behören; das Amt Tautenburg, mit Ausnahme von Droizen, Horschen, Wethaburg, Wetterscheid und Mollschütz, welche Preußen verbleiben; das Dorf Remsla, so wie Klein-Brembach und Veristedt, im Fürstenthum Weimar enclavirt und zum Erfurter Gebiet gehören; das Eigenthum der Dörfer Bischoffsroda und Probsteizella, im Gebiet von Eisenach enclavirt, deren Souverainetät dem Großherzoge schon gehört. Die Bevölkerung dieser verschiedenen Districte wird in den durch Artikel 37 dem Großherzog zugesicherten 50,000 Seelen mit berechnet und von dieser Summe abgezogen.”

Wohlsborn gehörte zur Kommende Liebstedt und diese zur Comthurei Zwätzen des Deutschen Ordens. Der Deutsche Orden war ein Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Mit dem Sieg Napoleons 1806 in der Schlacht von Jena/Auerstett wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufgelöst, das Königreich Westphalen mit Jeromè, dem Bruder Napoleons, als König, errichtet und der Rheinbund gegründet, in den auch der Deutsche Orden eingegliedert wurde.

Im Frühjahr 1809 brach ein neuer kriegerischer Konflikt aus. Die Österreicher marschierten in das Königreich Bayern, ebenfalls Mitglied des Rheinbundes, ein. Da der Sitz des Ordens in Wien lag, löste Napoleon den Orden auf und übergab den Ordensbesitz an die Rheinbundstaaten. Napoléon bezweckte auf diesem Wege, den Kriegseinsatz seiner Verbündeten im Krieg gegen die Koalition materiell zu entschädigen sowie die Fürsten somit enger an das französische Kaiserreich zu binden. Die zum Orden gehörende Comthurei Zwätzen kam deshalb zum Königreich Sachsen und wurde in das Amt Eckartsberga eingegliedert. Im gleichen Jahr starb auch der letzte Comthur Moritz von Berlepsch.

Aus den Akten des Wiener Kongresses ergibt sich, dass Wohlsborn, das ab 1809 direkt zum Königreich Sachsen gehörte, am 18.Mai 1815 an das Königreich Preußen übergeben und spätesten am 22. Juni 1815 von diesem Königreich an das nunmehrige Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach abgetreten wurde. Damit könnte spätesten am 22. Juni 2015 der 200. Jahrestag der Übernahme Wohlsborns in das Großherzogtum SWE begangen werden können.

T. Fischer
Ortschronist

 

 

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