Der Bärenhügel

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Bärenhügel 2006
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Bärenhügel 2008

 

 

 

 

 

Von dem markanten Wahrzeichen im südöstlichen Zipfel der Gemarkung Wohlsborn, dem Bärenhügel, ist nur noch ein Teil geblieben. Verdichtungen des Bodens haben zum Absterben der Faserwurzeln der auf dem Hügel stehenden Linden geführt und damit den Widerstand gegen starke Stürme so weit verringert, dass der Bestand dezimiert wurde. Dazu kamen unverständliche Schädigungen einiger Bäume durch Rowdies, die auch zum Eingehen dieser Bäume führten.

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Bärenhügel 2012

Der Bärenhügel hatte schon immer etwas Geheimnisvolles – ob das der Name ist oder der vermutete Inhalt des Hügels. Zur die Deutung des Namens gibt es mindestens vier Varianten. So soll hier der letzte Bär erlegt worden sein. Der Name soll von Beeren abgeleitet sein, die es hier in Massen gegeben haben soll. Auch die Silhouette, die von fern einem liegenden Bären ähnelt, soll Grundlage des Namens sein.

Die wahrscheinlichste Variante leitet sich von Brennhügel ab. Ohne Zweifel hat hier vor Zeiten auf einem großen Scheiterhaufen eine große Flamme gelodert. Dabei konnte es eine Warnung sein in Kriegszeiten, denn vor 1000 Jahren verlief die Grenze an der Saale, und der Bärenhügel weithin sichtbar, konnte in wenigen Stunden die Bevölkerung bis weithin zur Finne vor heranziehenden Reiterscharen warnen.

Denkbar ist auch, dass hier Opfer- oder Freudenfeuer entzündet wurden. Bedeutsam ist auch, dass an diesem Punkt die Gemarkungen von fünf Gemeinden zusammenstoßen. Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr groß, dass deshalb dort bis in die neuere Zeit Flurgerichte abgehalten wurden.

Die Anzahl der Linden, die auf dem Bärenhügel wuchsen, ist nicht eindeutig geklärt. Während im Allgemeinen davon ausgegangen wird, dass auf dem Außenring 12 Linden und in der Mitte 4 standen (12 Monate, 4 Jahreszeiten), meint Ernst Leißling, ein Heimatforscher: „ Auf einem kleinen Hügel stehen 13 Linden, der obere Kranz trägt 9, die Mitte 4 wohl hundert Jahre alte Linden.“

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Bärenhügel 2014

In Wohlsborn wird seit Jahrhunderten weitererzählt, dass sich in diesem Hügel eine Grabstätte aus uralter Zeit befinde. In einer Sage wird sogar davon berichtet, dass im Bärenhügel ein Stammesfürst in einem silbernen Sarg beigesetzt sein soll. Aber kein „wilder Schatzsucher“ hat bis heute etwas gefunden.

Im 19. Jahrhundert wurden wiederholt Grabungen auf dem Hügel durchgeführt. An der Grabung 1819 war Goethes Schwager Vulpius beteiligt. Ende Mai 1880 lag der Gemeindeversammlung ein Antrag des Prof. Klopffleisch aus Jena vor, eine Nachgrabung durchzuführen. Von der Gemeinde wurde das abgelehnt. Da Prof. Klopffleisch sein Ausgrabungsgesuch wiederholt hatte, wurde die Ausgrabung Ende Juni unter folgenden Bedingungen erlaubt: „Nur die mittleren vier Linden dürfen fallen. Dafür werden 150 Mark ausschließlich des Holzes in die Gemeindekasse gezahlt. Von dem äußeren Baumkranze muss ein senkrechter Abstand von 21/2 m nach der Mitte zu liegen bleiben. Muss trotzdem eine Linde fallen oder geht sie in Folge der Nachgrabung zu Grunde, so beansprucht die Gemeinde für jeden Baum 150 Mark. Der ausgegrabene Raum ist bis 2 Fuß übern Rande wieder aufzufüllen. Die alten Steine sind wieder dazu mit zu verwenden und nötigenfalls in der Nähe Erde dazu angewiesen werden. Sollten sich wertvolle Gegenstände finden, so fällt der Gemeinde der gesetzliche Anteil zu.“

Am 27. März 1890 wurde in der Versammlung der Gemeinderäte über einen Antrag des Thüringer Wald-Vereins zur Untersuchung des Bärenhügels beraten. Die Versammlung genehmigte die Untersuchung unter bestimmten Auflagen. So sollte die äußere Lindenreihe nicht angetastet werden und am Schluss der Arbeiten die Oberfläche planiert werden. Die Arbeiten sollen an Ortsansässige vergeben werden. Im August sollten die Ausgrabungen durchgeführt werden. Diese Grabungen wurden von Götze geleitet.

Die Funde, Bronzeteile und Keramiken sind in Jena eingelagert. Bei den Grabungen kamen zwei Steinkränze, Skelettreste sowie geschmolzene Bronze und Scherben zum Vorschein. Wissenschaftliche Untersuchungen, vor allem durch das Museum für Urgeschichte Weimar, haben bis heute zu folgenden Ergebnissen geführt:

Der Hügel muss früher bedeutend höher gewesen sein und eine Halbkugelform besessen haben. Er besteht aus lockerer steinfreier Erde, die zwei Meter hoch aufgeschüttet ist. Unter dieser Schicht befindet sich noch eine Schicht brauner, sehr festgestampfter Erde. Zum Aufbau des Hügels gehörten noch zwei Kreise mit faust- und kopfgroßen Steinen, die einen halben Meter tief und drei bis sechs Meter vom Hügelrand in der Erde liegen und die jedenfalls früher offen den Hügel umgeben haben. Als der Hügel untersucht wurde, ist neben Gefäßscherben und einigen Bronzestücken eine Grube aufgedeckt worden, die Skeletteile von Menschen enthielten, die entweder zerbrochen, angekohlt oder zerstückelt waren. Man nimmt an, dass diese Skelettreste nicht das eigentliche Grab bedeuten, das entweder noch gar nicht gefunden oder bei früheren Grabungen zerstört wurde.

Daraus folgt, ursprünglich war es ein neolithischer Grabhügel, etwa zwischen 2500 – 2200 v.u.Z. (Schnurkeramik) angelegt, der in der Bronzezeit (800 – 400 v.u.Z.) als Grabstätte nachgenutzt wurde. Die Pflanzaktionen, sowie die Einzäunung sollen dazu führen, dass künftig wieder ein markantes, weithin sichtbares Naturdenkmal entsteht.

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Beplanzung Bärenhügel 2008

Im Frühjahr diesen Jahres wurde begonnen, den Hügel wieder zu bepflanzen und zu schützen. Es wurden drei Linden in die Mitte gepflanzt und Sträucher mit Dornen bzw. Stacheln auf die freien Flächen. Große Steine wurden in geringem Abstand voneinander am Fuße des Hügels in den Boden gesetzt sowie ein Wildschutzzaun um den Hügel angebracht. Diese Arbeiten wurden durch die Unterstützung des Weimarer Ortsteils Schöndorf mit dem Ortsbürgermeister Hartmut Pohle und seinen Ein-Euro-Jobbern sowie Arbeitskräften der JUL ausgeführt.

21AngiessenDie Bewässerung der Bäume und Sträucher vom Frühjahr bis zum Spätsommer 2 mal in jeder Woche hat die Gemeinde Liebstedt mit ihrem Gemeindearbeiter übernommen. Durch dieses Engagement konnten die erst gepflanzten Bäume und Sträucher gut anwachsen. Die Pflanzlöcher für die am ersten November durchgeführte Pflanzung der 9 Linden am Außenkreis des Hügels haben Arbeitskräfte der Maßnahme „Arbeitsgelegenheit mit Entgelt“ der VG Buttelstedt ausgehoben. Große Hilfe hat auch die Agrargenossenschaft Großobringen geleistet. Bei allen Aktionen war der Gemeindearbeiter Wohlsborns Rolf Schäfer sowie zeitweise die Ein-Euro-Jobberin Gudrun Reifert beteiligt. Die Linden wurden gespendet von Herrn Gerhard Mund, Herrn Peter Röös aus Großobringen, dem Waldfestverein Pfiffelbach e.V., der Gemeinde Ossmannstedt und der Heimatverein Ossmannstedt e.V. (2 Stück), der Jagdgenossenschaft Wohlsborn (3 Stück), dem Heimatverein Wohlsborn e.V. und dem Heimatverein Großobringen e.V. Frau Marianne Vetter hat mit ihrer Geldspende ebenfalls dazu beigetragen.

15LindeWohlsborn 14LindeRöös 13LindePfiffelbach 10LindeOssmannstedt02

Das Wasser im Ort

Zur Erläuterung der Wasserversorgung in Wohlsborn stütze ich mich wieder auf die Dorfkarte von 1817. Dort sind drei Teiche eingezeichnet, die von starken Quellen gespeist wurden.

Ein Teich befand sich etwa an der Stelle des heutigen Grundstücks „Am Lindenberg 45“. Die Quelle existiert noch und speist einen Brunnen. Wahrscheinlich ist dieser Teich im Laufe der Grundstücksnutzung zugeschüttet worden.

Vor dem Grundstück „Anger 48“ wurde später ein kleiner Teich errichtet, der zur Löschwasserversorgung für diesen Teil des Ortes diente. Im Zuge von Dorfverschönerungsarbeiten wurde der Teich trockengelegt, aufgefüllt und eine Trauerweide darauf angepflanzt.

Auch auf dem Platz vor dem Bürgerhaus befand sich ein Teich, gespeist von der Quelle, die bis 1989 den Ort mit Trinkwasser versorgte. Wann dieser Teich aufgefüllt wurde, ist nicht bekannt. 1922/1923 wurde allerdings mit der Trinkwasserversorgung für den Ort begonnen und dazu musste die Quelle gefasst werden. Die darüber stehende Schwengelpumpe wurde noch viele Jahre genutzt und ist heute wieder in einem betriebsfähigen Zustand.

Dorfteich Winter 2008
Dorfteich Winter 2008

Gleich gegenüber befindet sich der größte Teich des Dorfes, der ebenfalls von mindestens einer Quelle gespeist wurde bzw. wird. Dieser Teich ist seit jeher das Hauptreservoir für das Löschen von Bränden. Während noch in den 20er Jahren die Ufer teilweise ohne Einfassung waren, wurde in den 30er Jahren eine aus Bruchsteinen bestehende Einfassung errichtet. Neben der Funktion als Feuerlöschteich wurde der Teich im Sommer auch zum Baden genutzt, trotz der Enten und Gänse, die ebenso im Wasser ihr Vergnügen suchten.

Jetzt gibt es wieder einen zweiten Teich, den Weiher im Neubaugebiet, der im Rahmen der Erschließung dieses Gebietes erbaut wurde und hauptsächlich als Feuerlöschteich dienen soll.
Die Überschüsse der Quellen flossen in den Graben, der sich im Ortsbereich von der Alten Weimarischen Straße durch den Ort zog bis zum Ende des Ortes zwischen den Grundstücken „An der Liebstedter Straße 20/21a“.

Etwa 100 m südlich an der Alten Weimarischen Straße gab es eine Quelle, die aber nur im Frühjahr nach schneereichen Wintern oder starken Regenfällen Wasser führte. Dazu gesellte sich der Überschuss der Quelle vom Lindenberg und das Oberflächenwasser ab alter Bahnhof. Dann kam das überschüssige Wasser vom Löschteich dazu und das Wasser aus dem Grundstück „An der Liebstedter Straße 23“, in dessen Hof nach schneereichen Wintern eine Vielzahl von Quellen sprudeln. Zuletzt wurde noch das Oberflächenwasser aus dem Bereich des heutigen Neubaugebiets eingeleitet. Das alles ist meiner Meinung nach der Beginn der „Scherkonde“.

Heute ist der gesamte Bach im alten Ortsbereich in Rohren versteckt. Nur der Zulauf aus Richtung alter Bahnhof ist bis zum Grundstück „Am Lindenberg 43“ noch offen.
Die Verrohrung wurde in vielen Etappen durchgeführt. Die erste begann 1931, als vor der ehemaligen Schule die Rohre verlegt wurden. Zuletzt wurde der Graben 2004 am Ende des Ortes verrohrt.

Nun noch etwas zur Trinkwasserversorgung. In fast jedem Gehöft gab es einen mehr oder weniger ergiebigen Brunnen, die oft von den Niederschlägen abhängig waren und im Winter möglicherweise nicht genutzt werden konnten. 1922 wurde eine Wasserleitung für die Wirtschaften, die sich daran beteiligen, gebaut. Bauleiter war Ingenieur Franke aus Weimar. Ein Jahr später erhielt der ganze Ort eine Wasserleitung. Der Wasserspeicher wurde auf dem Lindenberg erbaut und war bis 1989 in Betrieb. Die Pumpstation befand sich im damaligen Feuerwehrgerätehaus („Spritzenhaus“) in einem separaten, von außen zugänglichen Raum. Die ab und an notwendige Bedienung wurde von dem nebenan wohnenden Oswald Köditz und später von seinem Schwiegersohn Paul Schön durchgeführt. Als Quelle diente, wie bereits erwähnt, die unter der Pumpe befindliche starke Quelle. Die 2 Zoll starken Rohre wurden als Ringleitung im Ort verlegt.

Im Juni 1986 begann man mit der Rekonstruktion des Ortswassernetzes. Das alte Wassernetz nebst Brunnen konnte nicht mehr allen gewachsenen Ansprüchen gerecht werden, da besonders die höher gelegenen Haushalte in Trockenzeiten zunehmend ohne Wasser waren. Deshalb musste die vom Wasserbehälter auf der Warthe nach Sachsenhausen führende Leitung angezapft und eine Leitung zur Druckerhöhungsstation auf der ehemaligen Meng’schen Wiese östlich des Ortes gelegt werden. 1989 wurde der Ort an das neue Netz angeschlossen.
Die Wasserqualität und der Druck in der Leitung sind besser geworden.