Die Pfarrer

In diesem Artikel erfahren Sie etwas über die in Wohlsborn tätigen Geistlichen. Namentlich bekannt sind die Pfarrer ab 1554.

Erster nachweislicher Pfarrer war Stephan Jung. Er trat sein Amt am 22.?? 1554 an . Er ist selig gestorben am 8. Februar 1598, er ist in der Kirche begraben.

Johann Schönemann aus Weimar war sein Nachfolger von 1598 bis 1605, dann wurde er nach Denstedt versetzt.

Johann Bürger, ebenfalls aus Weimar, war von 1605 bis 1609 in Wohlsborn Pfarrer. Er übernahm die Pfarrstelle in Großkromsdorf.

Ab (1.7.) „ohngefähr die Woche vor Pfingsten“ 1609 zog Pfarrer Abraham Meyer aus Weimar nach Wohlsborn und übernahm hier die Pfarrstelle. Am Ende seiner Amtszeit erlebte er die auch für Wohlsborn schlimmen Auswirkungen der Pest. Er trug 44 durch die Pest getötete Einwohner zu Grabe, darunter alle sein Angehörigen. Am 16. Januar 1636 starb auch er durch die Pest.

Zu seinem Nachfolger, Herrn Jacob Fuchs, gibt es zwei Versionen der Berichterstattung. In der Kirchenchronik steht folgendes: Sein Gehilfe in den letzten Wochen vor seinem Tod, Jakob Fuchs, übernahm die Nachfolge. Das Elend im Dorf (er begrub nochmals 41 Pesttote) hielt er jedoch nicht aus und floh nach etwa einem Jahr 1637 nach Denstedt. In einem anderen Dokument, das älter als die Eintragung in der Kirchenchronik ist (Turmknopfdokument) steht folgendes: „Herr Jacob Fuchs hat seinen Anzug gehalten anno 1636 im Herbst. Ist von hier nach Denstedt berufen worden, nachdem er 1 Jahr und etliche Wochen allhier gelehret.“

Für ihn trat 1637 nach Martini M. Martin Moha aus Weimar an. Er blieb bis zum Spätherbst 1645 und übernahm dann die Pfarrstelle in Großkromsdorf.

1647 folgte kurz nach Neujahr Pfarrer „Heinrich Schobert von Bucha, allwo er Pfarrer gewesen“. Er starb nach über dreijährigem Wirken 1650 in Wohlsborn.

Kurz nach Weihnachten 1650 ist Herr Philipp Hüttenrauch aus Zwäzen allhier eingeführt worden. Seine Antrittspredigt hielt er am Neujahrstage 1651. Zu seinem Tode gibt es zwei verschiedene Aufzeichnungen. In der Kirchenchronik steht: Er wurde als treufleißiger Ortsgeistlicher gerühmt und starb 1663 auf der Kanzel. In anderen Unterlagen steht ausführlicher: „Ist (- wie es dort im alten Kirchenbuche wörtlich lautet -) durch Gottes Verhängnis in Melancholie gerathen, auch bey derselben von hiesigen Nachbarn bewachet worden, – als er sich aber 1663 Dom:Invocavit frühe vor dem Gottesdienste fein vernünftig und christl. gezeiget, sind die Wächter von ihm gegangen, sich endlich aber beym Anziehen erwischet und sich im Garten im Bron gelaßen und da sein Leben geendigt.- Ist von den Meisten, wegen seines sonsten wohlgeführten Christlichen Wandels bejammert und betrauert worden; von ruchlosen aber freventlicher und ungebührlicher Weise gerichtet worden.“

Herr Andreas Kraft, bei Erfurt her, zog am 12 Sonntag nach Trinitatis 1663 hierher. Am 9. Januar 1668, nach 4 Jahren und 18 Wochen Tätigkeit in Wohlsborn, ist nach Tautenburg bei Dornburg berufen worden. (Dieser – so wie einige der nachfolgenden Geistlichen – haben sich sehr in Klagen gegen die hiesige Gemeinde ausgelassen). Herr Andreas Kraft (lautet es im alten Kirchenbuch wörtlich weiter) ist in Tautenburg lieb und werth gehalten worden und hat lange Zeit alldortsein Pfarramt redlich verwaltet und im hohen Alter allda selig verstorben. Derselbe hat liebe Kinder erzogen und sonderlich einen gelehrten Herrn Sohn, so Pastor und Adjunctus in Krautheim gewesen und allda selig verstorben.

Herr M. Wolfgang Rudorff aus Plauen (Vogtland) ist am 10. Januar 1668 angetreten und 1669 nach Großen Jena bei Naumburg berufen worden. War in Wohlsborn 1 Jahr und 20 Wochen tätig. Er hatte einen gelehrten Sohn, der Pastor und Adjunct in Heringen bei Sulza (heute Bad Sulza) war. Auch Herr Rudorff führt Klage gegen seine Kirchkinder.

Herr Christian Liebner aus Zeiz, ist nach seiner Probepredigt hierher gebracht worden und hat seine Antrittspredigt gehalten Dom: 5.p. Trin. Er verstarb hier am 4. Juli 1688.

Nach ihm kam Herr Peter Ruebner aus Zeiz , sein genaues Antrittsdatum ist nicht vermerkt. 1696 wurde er nach Pfuhlsborn unter die Inspection Frauen-Prießnitz berufen.

Johann Ehrenfried Mirus trat die Nachfolge 1669 an. Er hat die Kirche, Orgel, Pfarrerwohnung und Schule bauen lassen. (sub ministerio suo non). Er hat auch die Choralmusik eingeführt, da es bei seinem Amtsantritt keine Musik gab.

Herr M. Joh. Christian Dreher aus der Oberlausitz kam 1735 als ehemaliger Feldprediger des königlich-kurprinzlichen Kürassier-Regimentes in Polen hierher. Seine Probepredigt hielt er zu Joannis 1735.

Seit Anfang 1740 predigte M. Taucher bis zu seinem Tod am 6. Dezember 1785 .

Friedrich Christian Bischoff hielt seine Antrittspredigt Dom:Oculi 1787 und wurde von Graf von Werthern am 23. Dezember 1794 als Pastor nach Batgendorf und Backleben designiert. Seine Abschiedspredigt hielt er hier Domin:3.p.Epiphanis 1795. Er ging später nach Frauen-Prießnitz als Superintendent und starb in Sangerhausen ebenfalls als Superintendent.

Joh.Gottlob Liebeskind aus Nerkwitz hielt seine Probepredigt am 6. nach Trinitatis 1795 und seine Antrittspredigt am 9. nach Trinitatis. Er starb am 3. September 1797 an der Ruhr.

Christian Lebrecht Koch aus Tuttendorf bei Freyburg hielt seine Antrittspredigt Fest. Joannis 1798. Er wurde von Wohlsborn nach Liebstedt und Goldbach versetzt und hielt Dom. 18. nach Trinitatis 1801 seine Abschiedspredigt. Er starb am 19. Februar 1815 in Liebstedt.

Christian Gotthelf Hauschild aus Naumburg kam 1802 nach Wohlsborn und blieb bis 1814. Er hatte hier während der Kriegszeit manch harte und traurige Schicksale zu bestehen. Er wurde dann nach Barnstädt versetzt.

M. Ehregott Ludwig Uhlich wirkte von Oculi 1815 bis Ende November 1819 in Wohlsborn und kam dann als Pfarrer nach Guthmannshausen und später nach Hardisleben, wo er 1859 starb.

Am 1. Advent 1819 hielt Heinrich August Thiel das hiesige Pfarramt. Er war 1773 zu Schleusingen geboren und starb am 7. März 1844.

Am 3. August 1844 wurde Karl August Riemann aus Flurstedt als Pfarrer im hiesigen Ort eingeführt. Am 26. Oktober 1851 hielt er seine Abschiedsrede. Er wurde nach Neumark versetzt.

Die zeitweilige Besorgung der hiesigen Pfarrstelle wurde, weil das Wohnhaus so baufällig war und keine Mittel zur sofortigen Reparatur vorhanden waren, dem Pfarrer Leidenfrost aus Sachsenhausen übertragen. Derselbe wurde von 1851 bis 1855 vom Kirchenvorstand in die Pflicht genommen.

Sächsische Kircheninspektion des Amtsbezirkes Weimar hier anwesend und verhandelte mit dem hiesigen Kirchenvorstand und dem von Sachsenhausen, sowie auch mit der gesamten Kirchengemeinde Wohlsborn wegen einer immerwährenden kirchlichen Verbindung der beiden Orte Wohlsborn und Sachsenhausen. Die Kirchengemeinde sprach sich aber gegen diesen Plan aus.

Bald nach Pfingsten 1855 wurde mit dem Bau des neuen Pfarrhauses begonnen. Am 30. Oktober 1855 nachmittags kam der neue Pfarrer Ludwig Stiebritz aus Weimar nach Wohlsborn. Am 4. November wurde er feierlich in sein Amt eingeführt. Am 1. August 1856 wurde die neue Pfarrei von dem Bauinspektor Herrn Steiner aus Weimar übernommen und dem Maurermeister Holzhäuser aus Buttelstedt, welcher den ganzen Bau akkordiert hatte, das Lob gespendet, dass er ein gutes Werk geschaffen habe. Am 3. August fand der Umzug des Pfarrers statt. Am 2. Juli 1859 hielt der nach Weimar als Stiftprediger versetzte Pfarrer Ludwig Stiebritz seine Abschiedspredigt.

Am 11. Oktober erfolgte der Einzug des neuen Pfarrers Dr. Bittig aus Frankendorf, welcher am 16. Oktober vom Kirchenrat Dr. Teuscher in sein Amt eingeführt wurde. In dem Jahr 1861 wurde das Pfarrhaus durch zwei schwere Verluste heimgesucht. Es starb die Pfarrersfrau, noch nicht 30 Jahre und der Mutter folgte im Herbst die Tochter in ihrem vierten Lebensjahr nach. 1863 wurde die Hofmauer des Pfarrhofes erneuert, ebenso wurde ein neues Tor und eine Hoftür angeschafft. Nach der Herstellung der neuen Pfarrhofmauer, ist es endlich 1864 zur Vollendung der Friedhofsmauer (des damaligen Friedhofs neben der Kirche) gekommen. Dr. Billig wurde 1868 nach Zwätzen versetzt.

Pfarrer Christian Hermann Leinhos wurde im Frühjahr 1869 in sein Amt eingeführt. Er starb hier am 18. Juli 1875.

Ab 1. Januar 1876 – 1878 war Johann Heinrich Buhler, Pfarrer in Sachsenhausen, als Vikar, dann auch als Pfarrer in Wohlsborn tätig.

Der Pfarrer Karl Mertens wurde 1889 in sein Amt eingeführt. Er kam aus dem Neustädter Kreis, aus Triptis. Er ging 1902 in Ruhestand und verbrachte seinen Lebensabend in Weimar.

Neuer Pfarrer wurde Paul Kunze aus Nirmsdorf. Am 6. März 1928 starb der hochgeachtete Pfarrer, der als Ortschronist viel dazu beigetragen hat, dass vieles aus der Geschichte Wohlsborns aufgezeichnet wurde. Er wurde auf dem alten Friedhof bestattet, er hatte 27 Jahre in Wohlsborn gewirkt.

Die Pfarrstelle wurde nicht wieder besetzt. Die Vertretung hatten bis zum 1. September 1929 Pfarrer Gerstung aus Oßmannstedt und Pfarrer Leinhos aus Großobringen. Ab 1. September 1929 wurde die Kirchengemeinde dauernd vom Pfarramt Großobringen betreut. Über die Pfarrer bis 1945 habe ich leider noch nichts Konkretes gefunden. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Erich Kittelmann Pfarrer im Kirchspiel Großobringen. In der Zeit des Dritten Reiches war er Parteigänger der Deutschen Christen, deren Anliegen es war, nationalsozialistisches Gedankengut in der Kirche zu verbreiten. Die Versetzung nach Großobringen war für ihn eine Strafversetzung. Am 31. Dezember 1952 ging er in den Ruhestand.

Am 15. September 1953 wurde Hans-Ullrich Nagel Pfarrer des Kirchspiels Großobringen. Bereits am 15. März 1956 verließ er die Pfarrstelle wieder. Bis 1958 war die Pfarrstelle unbesetzt.

Durch Pfarrer Dedermann aus Leutenthal, der sich vor allem um die Jugendarbeit kümmerte und Pfarrer Alberti, der die Sonntagsgottesdienste hielt, wurde in Wohlsborn das kirchliche Leben aufrecht erhalten.

1958 wurde Siegfried Urban Pfarrer des Kirchspiels. Er blieb bis zum Januar 1966 und ging dann nach Schöndorf. Von dort versah er noch bis zu Beginn der achtziger Jahre den Dienst in der Gemeinde Wohlsborn.

Danach übernahm Pfarrer Siegfried Kiethe, der seit 1966 in Großobringen tätig war, auch Wohlsborn. 1988 ging er nach Weimar, sein Nachfolger wurde im Dezember Pfarrer Jürgen Bernst.

Pfarrer Steiger wirkte ab 1998 wieder von Schöndorf aus in der Gemeinde Wohlsborn.

Nach ihm führte Frau Pastorin Rienecker vertretungsweise das Kirchspiel bis Ende 2001.

Ihr folgte bis 2004 Pfarrer Jürgen Uth und zur Zeit übt dieses Amt Frau Pastorin Juliane Haufe aus.

Pfarrer Heinrich August Thiel erstellte 1833 das Verzeichnis der von 1554 bis 1833 tätigen Geistlichen. Die Geistlichen ab 1845 bis 1880 wurden von Pfarrer Buhler aufgezeichnet. Die Informationen über die Pfarrer von 1945 bis 1990 stammen von Pfarrer Bernst. Übrigens, bereits Pfarrer Kunze klagte über mangelndes Interesse am Gottesdienst.

Die Kirche

Über die wichtigste Wirkungsstätte der Pfarrer in Wohlsborn, die Kirche, schreibe ich in diesem Artikel.

Die Kirche mit dem typischen Zwiebelturm
Die Kirche mit dem typischen Zwiebelturm

Die Kirche liegt am ursprünglich einzigen Zugang zum Dorf von Südwesten her. Der rechteckig verputzte Bruchsteinbau der Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der bündige quadratische Ostturm zeigt Spuren gotischer Baugesinnung in Form von Vorhangbogen und Maßwerkfenstern. Ein Umbau in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts veränderte das Langhaus. Vom spätgotischen Erstbau erhielten sich rundbogige Triumphbogen und das Kreuzgratgewölbe des Chorraumes sowie eine spitzbogige Sakramentsnische in der Chornordwand. Die auf dem Altar stehende bemalte Holzkanzel entstand um 1700.
(aus: Der Landkreis Weimar Heft 2, Seite 108)
Für alle im Ort war es eine ziemliche Überraschung, als 1984 die Konfirmanden des Ortes eine weitgehende Entdeckung in der Kirche machten. Sie bemerkten am Kanzelaltar eine kaum lesbare Inschrift. Es stellte sich heraus, dass der Altar vom katholischen Kardinal Herzog Christian August von Sachsen-Zeitz stammt, welcher gleichzeitig Statthalter der Deutsch-Ritter Balleien in Thüringen war. Der Weimarer Restaurator Horst Jährling ließ die Inschrift wieder schön sichtbar werden.

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Kirche Wohlsborn

Die Kirche mit dem markanten Zwiebelturm war in dieser Gegend schon etwas Besonderes, worauf die Einwohner sicher stolz waren und sind, auch wenn die meisten Einwohner nur zu besonderen Anlässen hineingehen.
Im Laufe der Zeit mussten immer wieder Reparaturen an dem Gebäude vorgenommen werden, was natürlich auch Geld kostete. An dessen Beschaffung haperte es zuweilen, weshalb Reparaturen durchaus hinaus gezögert wurden.

Nachweislich wurden folgende Reparaturen ausgeführt:
Am 17. November 1833 wurde unter persönlicher Aufsicht des Hof – Schieferdeckers Herrn Greiner von dessen Gesellen Friedrich Grosmann der Knopf und die Fahne des Kirchturms wieder aufgesetzt, nachdem die letztere und das Kirchendach repariert worden waren.
1858 erfolgte eine bedeutende Reparatur an der Kirche. Zwei Fenster, je eins am Giebel und an der Nordseite, wurden durchgebrochen und die beiden an der Südseite um ca. 30cm vertieft. Die alten Türen wurden durch neue ersetzt. Eine neue Freitreppe mit eisernem Geländer wurde aufgeführt. Die Stände sämtlich mit Bücherbrettern versehen. Der ganze Turm wurde frisch geweißt und das Kirchenschiff größtenteils neu gepflastert. Das große Kruzifix über dem Altar über der Kanzel wurde befestigt und dort ein neuer Farbanstrich angebracht.
Zum Kirchturm gehört natürlich auch eine Kirchturmuhr, die 1870 beschafft wurde, mit viertel und vollem Stundenschlag. Diese lieferte Herr Rebhuhn aus Neustadt / Orla für 390 Mark und 56 Pfennige Nebenkosten. Die Uhr war nicht solide gebaut, das Werk war schwach.
1887 machte sich eine Reparatur der Turmuhr durch Uhrmacher Tröscher aus Weimar erforderlich, welcher auch eine neue Glocke mit Hammereinrichtung für den Viertelstundenschlag lieferte.
1928 wurde von Uhrmacher Leopold Tröscher aus Weimar eine neue Turmuhr für
1100 RM eingebaut. 1951 wurde sie von Uhrmacher Willi Kogel aus Wohlsborn repariert.
Seit 1966 war die Uhr defekt. 1986 wurde eine Reparatur in Angriff genommen. Der Bürgermeister Peter Thomas nahm Kontakt zu dem Uhrmachermeister Konrad Riechardt aus Eisenberg auf. Verschuldet durch das undichte Dach war die Uhr nach Meinung des Fachmanns nur noch Schrott. Trotzdem übernahm der 76-jährige die Reparatur, die er im Mai 1990 erfolgreich beendete.
Ganz wichtig ist eine Orgel zur Begleitung des Gesangs während des Gottesdienstes.
Am Sonntag Jubilate, dem 4. Mai 1879 wurde in der Kirche die neue Orgel eingeweiht unter großer Beteiligung der Wohlsborner aber auch der auswärtigen Bevölkerung. Der Orgelbauer Drechsler-Blankenhain stellte die Orgel auf und  geprüft wurde sie von dem Organisten A.W. Gottschalg aus Weimar. Die Kosten von 1500 Mark wurden mit Genehmigung des Großherzoglichen Staatsministeriums mit den Zinsen des Legats der Sophie Dorothea Filz bezahlt.
(Allgemeine Thüringische Landeszeitung Deutschland v. 31.Mai 1931)
Das Turmdach der Kirche mit Knopf und Fahne wurde 1880 durch den Schieferdecker Ott und Klemptner Krause, beide aus Weimar für 88 Mark und 26 Pfennige repariert.
Mit einem Kostenaufwand von ca. 6000 Mark wurde die Kirche 1903 renoviert.
Im Juni 1917 wurden die großen und mittleren Kirchturmglocken zwecks Kriegsbedarf beschlagnahmt und zerschlagen. Die neuen von Schilling und Lattermann aus Apolda gelieferten Gussstahlglocken klangen sehr schön, sie ließen sich aber sehr schwer läuten. Sie kosteten 3400 Mark, waren also nicht teuer.
Da der Zustand des Kirchendaches im Laufe der Zeit sehr schlecht geworden war, machte sich eine Neudeckung des Kirchturmdaches erforderlich. Diese wurde durch Dachdeckermeister Munzert aus Weimar ausgeführt. Begonnen wurde im Juni 1952 und beendet wurde sie am 3. Juli. Am 2. Juli, einem heißen Tag, der Temperaturen über 45° Celsius brachte, versammelte sich die Jugend im Gasthof, um sich die alten Urkunden aus dem Turmknopf der Kirche vorlesen zu lassen. Am 3. Juli um 20 Uhr wurde der Turmknopf unter der Anteilnahme der ganzen Dorfbevölkerung nach einem Umzug mit Musik durch das Dorf wieder an seiner alten Stelle angebracht. Der Knopf wurde von den Einwohnern Leo Banaszyk (80 Jahre) und Wilhelm Mund (77 Jahre) im Umzug getragen. Im Anschluss daran fand im Gasthaus Strobach ein Richtschmaus für die Dachdecker und ein gemütliches Beisammensein der Gemeinde statt.
Die Wetterfahne wurde durch Gemeinderatsmitglied Otto Stoltz kostenlos hergerichtet und mit einem Stern versehen.
1989  kam es zur längst fälligen nächsten Reparatur des Kirchendaches. Die bei der letzten Reparatur verwendeten Stahlnägel zur Befestigung des Schiefers waren durchgerostet und das Dach dadurch in einem desolaten Zustand. Um eine Generalreparatur durchzuführen, mussten große Probleme gelöst werden, die von der Finanzierung, Materialbereitstellung bis zum Rüstmaterial reichten. Deshalb war schon im Sommer 1988 mit den Technosportlern von Dr. Brenner vereinbart worden, diese Dacherneuerung einschließlich der erforderlichen Holzarbeiten ohne Gerüst, nur an Seilen, durchzuführen. Als Objektlohn wurden 36 000 Mark festgelegt. Die Arbeiten begannen im Sommer 1989 und konnten nur mit Unterbrechungen durchgeführt werden, da sie als Feierabendtätigkeit ausgeführt und deshalb auch in diesem Jahr nicht abgeschlossen werden konnten. Die Finanzierung erfolgte folgendermaßen: 12 TM brachte die Gemeinde auf, davon wurden 5,7 TM durch den Ortspfarrer Bernst gesammelt, einschließlich der 250 Mark die von der DFD Ortsgruppe zur Verfügung gestellt wurden, 2,4 TM stellte der Rat des Kreises zur Verfügung und 21,6 TM bezahlte das Kreiskirchenamt.
Am „Tag der deutschen Einheit“, am 3. Oktober 1990, fand dann in unserem Dorfe das „Knopffest“ an und in der Kirche statt. Als krönender Abschluss wurde der neu vergoldete Knopf, gefüllt mit neuen Zeitdokumenten und mit der Wetterfahne, von den ältesten Männern zum Turm getragen und dort von dem Segensspruch des Pfarrers Bernst begleitet, von den Handwerkern an der bisherigen Stelle angebracht.
Das Dach des Kirchenschiffs wurde 1997/8 gedeckt, organisiert von Pfarrer Bernst, seine letzte Aktion für das Kirchengebäude in Wohlsborn, bevor sein Dienst hier endete. Reparaturen im Innern des Kirchenschiffs wurden von der Gemeinde (Jürgen Klamant aus Buttelstedt als ABM, ein Zivildienstleistender und Rolf Schäfer) und von der Kirche (Herr Gottschling aus Großobringen als ABM der Kirche) noch vor der 750 Jahrfeier durchgeführt.
Heute kann sich die Kirche innen und außen schon wieder sehen lassen, obwohl noch vieles zu renovieren wäre.

Die natürlichen Ressourcen

Jedes Dorf, das bestehen wollte, musste sich weitgehend eigenständig erhalten können. Neben Ackerland und Vieh, das die Grundlage der Erwerbstätigkeit vieler Dörfer bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren, gehörten Quellwasser, Heizmaterial und Baumaterial zu den Grundvoraussetzungen für den Erhalt eines Dorfes.

Wohlsborn
Wohlsborn

Wie verhielt es sich damit nun in Wohlsborn? Wie schon der Name vermuten lässt, gab es hier genügend Quellwasser. Über das Wasser im Ort berichtet ein anderer Artikel. Noch bis in das 20. Jahrhundert war Holz das wichtigste Heizmaterial in Wohlsborn und den Orten um den Ettersberg. Auch für den Hausbau war Holz ein wichtiger Rohstoff. Wie die Namen „Holzweg“ und „Hölzchen“ (das kleine Wäldchen auf der linken Seite der Straße nach Weimar) vermuten lassen, war dort das Holzreservoir der Wohlsborner. Dem war aber lange nicht mehr so. Das „Hölzchen“ ist tatsächlich der Rest eines größeren Waldstückes, das aber längst gerodet war. Das Holz wurde vom Ettersberg geholt.

Deshalb der Name „Holzweg“, der außerhalb der Wohlsborner Flur als „Schleifweg“ bis in den Wald führte. Schleifweg deshalb, weil das Holz mit Hilfe eines Pferdes in das Dorf gezogen wurde. Dieser Weg, der nur so breit war, dass gerade ein Pferd dort entlang laufen konnte, musste von den Fluren der Orte, durch die der Weg führte, geduldet werden. Da der Wald Eigentum des Herzogs bzw. Großherzogs von SWE war, musste das Holz natürlich bezahlt werden. Das wurde mit der Übertragung des Jagdrechts auf die Herrschaft abgesichert. Davon war das ganze Gebiet von Ettersburg bis Pfiffelbach betroffen, denn es gab hier sehr viele Hasen.

Weitere wichtige Rohstoffe waren Kalkstein und Lehm. Beides gab es in der Wohlsborner Flur genügend. Kalkstein am Nordhang des Kleinen Ettersberges ist ja nicht ungewöhnlich, denn der ganze ettersberg besteht aus Muschelkalk, der etwa 215 Millionen Jahre auf dem Buckel hat. Dementsprechend hart ist dieses Gestein auch – ideal für Grundmauern von Gebäuden. Das kann an vielen Häusern in Wohlsborn noch gesehen werden, wie auch an einigen Mauern. Ganze Häuser aus gut behauenen Bruchsteinen sind eher selten. Dagegen gibt es noch Gebäude, die aus kleinen Kalksteinen, Bruchsteinabfällen und Lesesteinen (vom Feld) vermischt mit Lehm als Bindemittel aufgebaut wurden. Steinbrüche gab es überall in der Flur, natürlich so nah wie möglich am Dorf. Vor allem in Richtung Großobringen und an der Straße zum ehemaligen Bahnhof gab es größere Gruben. Die wohl größte befand sich im Feld etwa 50 m links von der Straße zum ehemaligen Bahnhof, in der Hälfte der Strecke zwischen Ortsausgang und ehem. Bahnhof. Bis in eine Tiefe von 5m wurde dort Kalkstein mühsam gebrochen. Nachdem der Abbau sich durch die Verfügbarkeit moderner Baustoffe nicht mehr lohnte, wurden die Gruben allmählich mit Müll gefüllt und in den 30er Jahren mit Muttererde wieder zu Ackerland rekultiviert. Der letzte Steinbruch befand sich oberhalb des Wasserbassins des Wasserwerks Sachsenhausen, heute nur noch kenntlich an der dort wachsenden Baumgruppe. Diese Grube wurde noch bis Ende der 50er Jahre als Müllhalde genutzt und dann mit Lesesteinen verfüllt. Wohlsborn ist, kann man bei Spaziergängen in der Flur immer wieder auf frisch gepflügten Feldern sehen. Wenn man sich die Mühe macht und einen größeren Stein aufhebt, kann man oft schöne Fossilien entdecken.

Während Muschelkalk fast in der ganzen Flur zu finden ist, gibt es Lehm vorwiegend nordöstlich am Ort und am Lindenberg. Abgebaut wurde der Lehm hauptsächlich rechts neben der Straße nach Sachsenhausen, beginnend an der Straße zum Friedhof bis etwa 200 m in Richtung Sachsenhausen und rechts davon bis etwa Anfang des Friedhofs. Wie bei dem Kalkstein wurde der Abbau eingestellt und die Gruben mit Abfall/Müll gefüllt. Mitte der 30er Jahre wurde Erde aufgefüllt.

Ein Teil wurde Gartenland und von der Gemeinde verpachtet, ein Teil wurde für die 1937 angepflanzte gemeindeeigene Kirschplantage („Kirschenwiese“) genutzt. Der Rest war noch bis Ende der 50er Jahre Schuttplatz und wurde später mit Erde aufgefüllt und als „Krautland“ genutzt. Obwohl die große Zeit der Lehmbauten vorüber war, war Lehm für Reparaturen oder für Kachelöfen immer noch gefragt. Deshalb gab es bis zur Verrohrung (1975) des in den 30er Jahren zwischen Straße und Friedhof angelegten Grabens immer freiliegende Lehmvorkommen an dessen Wand. Beim Aushub des Regenwasserauffangbeckens auf der „Kirschenwiese“ konnte man sehen, dass es noch immer Lehmvorkommen gibt.

Landesherrliche Zugehörigkeit Wohlsborns

Thüringen gehörte zu den Ländern in Deutschland mit den meisten Kleinstaaten. Erst mit dem Ende der Monarchie 1918 wurde aus den einzelnen Kleinstaaten und dem preußischen Teil das Land Thüringen.Die starke Zersplitterung Thüringens spiegelte sich auch in der Zugehörigkeit Wohlsborns zu verschiedenen Herrschaften wider.

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Im 13. Jahrhundert (Ersterwähnung 1249) gehörte der Ort den Herren von Wolfesburn. Sie waren Ministrale (Dienstmannen) der Grafen von Weimar-Orlamünde und sind bis zum Jahre 1278 nachweisbar. Der Ort gehörte ursprünglich zur Burg in Weimar. Im Mittelalter ist Besitz des Augustiner- und Neuwerkklosters in unserem Ort nachweisbar.

Im Jahre 1410 wurde das Dorf von der Deutschritter-Kommende Liebstedt erworben und gehörte somit zur Ballei Thüringen, deren Sitz in Zwätzen (Jena) war. Nach 1525 wurde dieser Besitz säkularisiert (d.h. Einziehung des kirchlichen Besitzes durch staatliche Gewalt) durch den Kurfürsten von Sachsen, und dem Amt Eckartsberga zugeordnet.  Die Verwaltungsstruktur blieb jedoch bestehen und erst 1808, als der letzte Komtur der Ballei verstorben war, kam dieser Besitz zum Königreich Sachsen.

Nach dem Wiener Kongress 1815 kam die ehemalige Kommende Liebstedt mit Goldbach und Wohlsborn für kurze Zeit zum Königreich Preußen und endlich zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Ab 1816 gehörte Wohlsborn zum Amt Weimar des Großherzogtums. (Auch Sachsenhausen und Leutenthal gehörten nicht immer zum ernestinischen Sachsen-Weimar, sondern zum albertinischen Kursachsen.)

Mit der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Herrschaftsgebieten waren damals auch ganz unterschiedliche Maß- und Geldsysteme verbunden. Es ist in unserer Chronik leider nicht überliefert, wie die Einwohner damit zurecht kamen.

1920, mit der Gründung des Landes Thüringen, wurde der Kreis Weimar gebildet, zu dem Wohlsborn gehörte.

Mit der Gebietsreform 1952, als der große Kreis Weimar zerstückelt wurde, gehörte Wohlsborn zum Kreis Weimar-Land, mit Weimar als Hauptort.

gesch01aDie nächste Gebietsreform, 1993, vereinigte einige Teile des ehemaligen Kreise Weimar wieder (Kreis Apolda und Kreis Weimar-Land ) zum Kreis Weimarer Land, jetzt aber mit Apolda als Hauptort.