Neue Glocken für unsere Kirche

Die Renovierung unserer Kirche soll weiter gehen!
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Kirche Wohlsborn

Das Wasser im Ort

Zur Erläuterung der Wasserversorgung in Wohlsborn stütze ich mich wieder auf die Dorfkarte von 1817. Dort sind drei Teiche eingezeichnet, die von starken Quellen gespeist wurden.

Ein Teich befand sich etwa an der Stelle des heutigen Grundstücks „Am Lindenberg 45“. Die Quelle existiert noch und speist einen Brunnen. Wahrscheinlich ist dieser Teich im Laufe der Grundstücksnutzung zugeschüttet worden.

Vor dem Grundstück „Anger 48“ wurde später ein kleiner Teich errichtet, der zur Löschwasserversorgung für diesen Teil des Ortes diente. Im Zuge von Dorfverschönerungsarbeiten wurde der Teich trockengelegt, aufgefüllt und eine Trauerweide darauf angepflanzt.

Auch auf dem Platz vor dem Bürgerhaus befand sich ein Teich, gespeist von der Quelle, die bis 1989 den Ort mit Trinkwasser versorgte. Wann dieser Teich aufgefüllt wurde, ist nicht bekannt. 1922/1923 wurde allerdings mit der Trinkwasserversorgung für den Ort begonnen und dazu musste die Quelle gefasst werden. Die darüber stehende Schwengelpumpe wurde noch viele Jahre genutzt und ist heute wieder in einem betriebsfähigen Zustand.

Dorfteich Winter 2008
Dorfteich Winter 2008

Gleich gegenüber befindet sich der größte Teich des Dorfes, der ebenfalls von mindestens einer Quelle gespeist wurde bzw. wird. Dieser Teich ist seit jeher das Hauptreservoir für das Löschen von Bränden. Während noch in den 20er Jahren die Ufer teilweise ohne Einfassung waren, wurde in den 30er Jahren eine aus Bruchsteinen bestehende Einfassung errichtet. Neben der Funktion als Feuerlöschteich wurde der Teich im Sommer auch zum Baden genutzt, trotz der Enten und Gänse, die ebenso im Wasser ihr Vergnügen suchten.

Jetzt gibt es wieder einen zweiten Teich, den Weiher im Neubaugebiet, der im Rahmen der Erschließung dieses Gebietes erbaut wurde und hauptsächlich als Feuerlöschteich dienen soll.
Die Überschüsse der Quellen flossen in den Graben, der sich im Ortsbereich von der Alten Weimarischen Straße durch den Ort zog bis zum Ende des Ortes zwischen den Grundstücken „An der Liebstedter Straße 20/21a“.

Etwa 100 m südlich an der Alten Weimarischen Straße gab es eine Quelle, die aber nur im Frühjahr nach schneereichen Wintern oder starken Regenfällen Wasser führte. Dazu gesellte sich der Überschuss der Quelle vom Lindenberg und das Oberflächenwasser ab alter Bahnhof. Dann kam das überschüssige Wasser vom Löschteich dazu und das Wasser aus dem Grundstück „An der Liebstedter Straße 23“, in dessen Hof nach schneereichen Wintern eine Vielzahl von Quellen sprudeln. Zuletzt wurde noch das Oberflächenwasser aus dem Bereich des heutigen Neubaugebiets eingeleitet. Das alles ist meiner Meinung nach der Beginn der „Scherkonde“.

Heute ist der gesamte Bach im alten Ortsbereich in Rohren versteckt. Nur der Zulauf aus Richtung alter Bahnhof ist bis zum Grundstück „Am Lindenberg 43“ noch offen.
Die Verrohrung wurde in vielen Etappen durchgeführt. Die erste begann 1931, als vor der ehemaligen Schule die Rohre verlegt wurden. Zuletzt wurde der Graben 2004 am Ende des Ortes verrohrt.

Nun noch etwas zur Trinkwasserversorgung. In fast jedem Gehöft gab es einen mehr oder weniger ergiebigen Brunnen, die oft von den Niederschlägen abhängig waren und im Winter möglicherweise nicht genutzt werden konnten. 1922 wurde eine Wasserleitung für die Wirtschaften, die sich daran beteiligen, gebaut. Bauleiter war Ingenieur Franke aus Weimar. Ein Jahr später erhielt der ganze Ort eine Wasserleitung. Der Wasserspeicher wurde auf dem Lindenberg erbaut und war bis 1989 in Betrieb. Die Pumpstation befand sich im damaligen Feuerwehrgerätehaus („Spritzenhaus“) in einem separaten, von außen zugänglichen Raum. Die ab und an notwendige Bedienung wurde von dem nebenan wohnenden Oswald Köditz und später von seinem Schwiegersohn Paul Schön durchgeführt. Als Quelle diente, wie bereits erwähnt, die unter der Pumpe befindliche starke Quelle. Die 2 Zoll starken Rohre wurden als Ringleitung im Ort verlegt.

Im Juni 1986 begann man mit der Rekonstruktion des Ortswassernetzes. Das alte Wassernetz nebst Brunnen konnte nicht mehr allen gewachsenen Ansprüchen gerecht werden, da besonders die höher gelegenen Haushalte in Trockenzeiten zunehmend ohne Wasser waren. Deshalb musste die vom Wasserbehälter auf der Warthe nach Sachsenhausen führende Leitung angezapft und eine Leitung zur Druckerhöhungsstation auf der ehemaligen Meng’schen Wiese östlich des Ortes gelegt werden. 1989 wurde der Ort an das neue Netz angeschlossen.
Die Wasserqualität und der Druck in der Leitung sind besser geworden.

Die natürlichen Ressourcen

Jedes Dorf, das bestehen wollte, musste sich weitgehend eigenständig erhalten können. Neben Ackerland und Vieh, das die Grundlage der Erwerbstätigkeit vieler Dörfer bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren, gehörten Quellwasser, Heizmaterial und Baumaterial zu den Grundvoraussetzungen für den Erhalt eines Dorfes.

Wohlsborn
Wohlsborn

Wie verhielt es sich damit nun in Wohlsborn? Wie schon der Name vermuten lässt, gab es hier genügend Quellwasser. Über das Wasser im Ort berichtet ein anderer Artikel. Noch bis in das 20. Jahrhundert war Holz das wichtigste Heizmaterial in Wohlsborn und den Orten um den Ettersberg. Auch für den Hausbau war Holz ein wichtiger Rohstoff. Wie die Namen „Holzweg“ und „Hölzchen“ (das kleine Wäldchen auf der linken Seite der Straße nach Weimar) vermuten lassen, war dort das Holzreservoir der Wohlsborner. Dem war aber lange nicht mehr so. Das „Hölzchen“ ist tatsächlich der Rest eines größeren Waldstückes, das aber längst gerodet war. Das Holz wurde vom Ettersberg geholt.

Deshalb der Name „Holzweg“, der außerhalb der Wohlsborner Flur als „Schleifweg“ bis in den Wald führte. Schleifweg deshalb, weil das Holz mit Hilfe eines Pferdes in das Dorf gezogen wurde. Dieser Weg, der nur so breit war, dass gerade ein Pferd dort entlang laufen konnte, musste von den Fluren der Orte, durch die der Weg führte, geduldet werden. Da der Wald Eigentum des Herzogs bzw. Großherzogs von SWE war, musste das Holz natürlich bezahlt werden. Das wurde mit der Übertragung des Jagdrechts auf die Herrschaft abgesichert. Davon war das ganze Gebiet von Ettersburg bis Pfiffelbach betroffen, denn es gab hier sehr viele Hasen.

Weitere wichtige Rohstoffe waren Kalkstein und Lehm. Beides gab es in der Wohlsborner Flur genügend. Kalkstein am Nordhang des Kleinen Ettersberges ist ja nicht ungewöhnlich, denn der ganze ettersberg besteht aus Muschelkalk, der etwa 215 Millionen Jahre auf dem Buckel hat. Dementsprechend hart ist dieses Gestein auch – ideal für Grundmauern von Gebäuden. Das kann an vielen Häusern in Wohlsborn noch gesehen werden, wie auch an einigen Mauern. Ganze Häuser aus gut behauenen Bruchsteinen sind eher selten. Dagegen gibt es noch Gebäude, die aus kleinen Kalksteinen, Bruchsteinabfällen und Lesesteinen (vom Feld) vermischt mit Lehm als Bindemittel aufgebaut wurden. Steinbrüche gab es überall in der Flur, natürlich so nah wie möglich am Dorf. Vor allem in Richtung Großobringen und an der Straße zum ehemaligen Bahnhof gab es größere Gruben. Die wohl größte befand sich im Feld etwa 50 m links von der Straße zum ehemaligen Bahnhof, in der Hälfte der Strecke zwischen Ortsausgang und ehem. Bahnhof. Bis in eine Tiefe von 5m wurde dort Kalkstein mühsam gebrochen. Nachdem der Abbau sich durch die Verfügbarkeit moderner Baustoffe nicht mehr lohnte, wurden die Gruben allmählich mit Müll gefüllt und in den 30er Jahren mit Muttererde wieder zu Ackerland rekultiviert. Der letzte Steinbruch befand sich oberhalb des Wasserbassins des Wasserwerks Sachsenhausen, heute nur noch kenntlich an der dort wachsenden Baumgruppe. Diese Grube wurde noch bis Ende der 50er Jahre als Müllhalde genutzt und dann mit Lesesteinen verfüllt. Wohlsborn ist, kann man bei Spaziergängen in der Flur immer wieder auf frisch gepflügten Feldern sehen. Wenn man sich die Mühe macht und einen größeren Stein aufhebt, kann man oft schöne Fossilien entdecken.

Während Muschelkalk fast in der ganzen Flur zu finden ist, gibt es Lehm vorwiegend nordöstlich am Ort und am Lindenberg. Abgebaut wurde der Lehm hauptsächlich rechts neben der Straße nach Sachsenhausen, beginnend an der Straße zum Friedhof bis etwa 200 m in Richtung Sachsenhausen und rechts davon bis etwa Anfang des Friedhofs. Wie bei dem Kalkstein wurde der Abbau eingestellt und die Gruben mit Abfall/Müll gefüllt. Mitte der 30er Jahre wurde Erde aufgefüllt.

Ein Teil wurde Gartenland und von der Gemeinde verpachtet, ein Teil wurde für die 1937 angepflanzte gemeindeeigene Kirschplantage („Kirschenwiese“) genutzt. Der Rest war noch bis Ende der 50er Jahre Schuttplatz und wurde später mit Erde aufgefüllt und als „Krautland“ genutzt. Obwohl die große Zeit der Lehmbauten vorüber war, war Lehm für Reparaturen oder für Kachelöfen immer noch gefragt. Deshalb gab es bis zur Verrohrung (1975) des in den 30er Jahren zwischen Straße und Friedhof angelegten Grabens immer freiliegende Lehmvorkommen an dessen Wand. Beim Aushub des Regenwasserauffangbeckens auf der „Kirschenwiese“ konnte man sehen, dass es noch immer Lehmvorkommen gibt.

Landesherrliche Zugehörigkeit Wohlsborns

Thüringen gehörte zu den Ländern in Deutschland mit den meisten Kleinstaaten. Erst mit dem Ende der Monarchie 1918 wurde aus den einzelnen Kleinstaaten und dem preußischen Teil das Land Thüringen.Die starke Zersplitterung Thüringens spiegelte sich auch in der Zugehörigkeit Wohlsborns zu verschiedenen Herrschaften wider.

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Im 13. Jahrhundert (Ersterwähnung 1249) gehörte der Ort den Herren von Wolfesburn. Sie waren Ministrale (Dienstmannen) der Grafen von Weimar-Orlamünde und sind bis zum Jahre 1278 nachweisbar. Der Ort gehörte ursprünglich zur Burg in Weimar. Im Mittelalter ist Besitz des Augustiner- und Neuwerkklosters in unserem Ort nachweisbar.

Im Jahre 1410 wurde das Dorf von der Deutschritter-Kommende Liebstedt erworben und gehörte somit zur Ballei Thüringen, deren Sitz in Zwätzen (Jena) war. Nach 1525 wurde dieser Besitz säkularisiert (d.h. Einziehung des kirchlichen Besitzes durch staatliche Gewalt) durch den Kurfürsten von Sachsen, und dem Amt Eckartsberga zugeordnet.  Die Verwaltungsstruktur blieb jedoch bestehen und erst 1808, als der letzte Komtur der Ballei verstorben war, kam dieser Besitz zum Königreich Sachsen.

Nach dem Wiener Kongress 1815 kam die ehemalige Kommende Liebstedt mit Goldbach und Wohlsborn für kurze Zeit zum Königreich Preußen und endlich zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Ab 1816 gehörte Wohlsborn zum Amt Weimar des Großherzogtums. (Auch Sachsenhausen und Leutenthal gehörten nicht immer zum ernestinischen Sachsen-Weimar, sondern zum albertinischen Kursachsen.)

Mit der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Herrschaftsgebieten waren damals auch ganz unterschiedliche Maß- und Geldsysteme verbunden. Es ist in unserer Chronik leider nicht überliefert, wie die Einwohner damit zurecht kamen.

1920, mit der Gründung des Landes Thüringen, wurde der Kreis Weimar gebildet, zu dem Wohlsborn gehörte.

Mit der Gebietsreform 1952, als der große Kreis Weimar zerstückelt wurde, gehörte Wohlsborn zum Kreis Weimar-Land, mit Weimar als Hauptort.

gesch01aDie nächste Gebietsreform, 1993, vereinigte einige Teile des ehemaligen Kreise Weimar wieder (Kreis Apolda und Kreis Weimar-Land ) zum Kreis Weimarer Land, jetzt aber mit Apolda als Hauptort.

Die Dorfmauer und die Straßen im Ort

Als 1815 das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vom Wiener Kongress zum Großherzogtum erhöht wurde, war das verbunden mit einem ganz ordentlichen Gebiets- und Bevölkerungszuwachs. Wie im vergangenen Beitrag bereits ausgeführt, gehörte auch Wohlsborn dazu. Für das Großherzogtum war es natürlich wichtig, genaue Abmessungen der neuen Besitzungen zu erhalten. So wurde 1817 u.a. auch die Gemarkung Wohlsborn vermessen und in 6 Blättern aufgezeichnet.

Dorfmauer und Straßen Wohlsborn
Dorfmauer und Straßen Wohlsborn

Blatt 1 erfasste das eigentliche Dorf und zeigt sehr deutlich den Rundlingscharakter des Ortes.  Die Karte zeigt aber auch, dass es nur einen Weg in das Dorf gab. Die alte von Weimar kommende Straße mündete in einem großen Platz, dem Anger. Von dort verzweigte sich die Straße als Hauptstraße nach Buttstädt/Oßmannstedt, als Weg in das Dorf hinein, als Weg nach Großobringen und als Weg nach Sachsenhausen.

Auch heute noch ist der alte Kern des Dorfes erhalten und lässt sich bequem umrunden. Wir beginnen am Glaserplatz und gehen Richtung Sachsenhausen. Rechts sind noch Teile einer Mauer zu sehen, die möglicherweise das ganze Dorf umfasste. Die Kreuzung Sachsenhäuser Straße/ Zum Rutschestein/ Großobringer Weg gab es nicht, es gab dort weder eine Straße in den Ort, noch Richtung Großobringen. „Die Neue Gasse“, heute Teil der Straße „Zum Rutschestein“ wurde erst später angelegt. Eine Bebauung links der Sachsenhäuser Straße gab es ebenfalls noch nicht. Weiter führt uns der Weg am Friedhof entlang, der 1900 neu angelegt wurde, weil der Gottesacker an der Kirche voll belegt war. Nach der Kurve an dem Holzbearbeitungsbetrieb ist wieder ein Stück Mauer zu sehen.

Dorfmauer Wohlsborn
Dorfmauer Wohlsborn

Bis zum Rosselraine gab es auch hier links von der Straße keine Bebauung. Eine Straße von der Sachsenhäuser Straße (die damals nicht mehr als ein Feldweg war) bis zur Straße „Am Rosselraine“, gab es damals nicht. Nicht einmal ein befestigter Weg ist in der Karte eingezeichnet. Eine Art Grünstreifen gab es dort, der für Ziegen und Schafe genutzt wurde. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Grundstücke Nr. 21 und 22 bebaut wurden, wurde ein Weg angelegt, der in Höhe des Hauses Nr.21 in das Dorf führte. Dazu wurde vom Grundstück Nr. 23 ein bogenförmiger Teil abgetrennt. Dort, wo die Straße „Am Rosselraine“ von dem „Liebstedter Weg“ abzweigt, beginnt wieder ein Stück Mauer, das bis zum Grundstück Nr. 27 dem damaligen Ortsrand entspricht. Anschließend verlief der Ortsrand von der heutigen Straße aus ca. 40m nach rechts versetzt bis die nächste Querstraße erreicht wird. Folgen wir dieser Straße, so stoßen wir ab Grundstück Nr. 37 auf den letzten Abschnitt der „Dorfmauer“. Diese Mauer dient vor allem dem Abstützen der dahinter liegenden Grundstücke, die höher als die Straße liegen und offensichtlich eine Fortsetzung des Lindenbergs sind. Da diese Straße sowohl in Richtung Oßmannstedt als auch in Richtung Buttstädt führte und damit eine wichtige Verbindung zwischen Weimar und Buttstädt war, musste dort der auslaufende Lindenberg unterbrochen und abgetragen werden. Auch hier war die linke Seite, der Lindenberg, bis zur heutigen Kreuzung unbebaut. Und damit sind wir bereits wieder am Glaserplatz angelangt. Uns rechts haltend kommen wir ins Dorf – wie bereits erwähnt, der einzige befahrbare Weg in den Ort. Damit ist der Rundgang um Wohlsborn des Jahres 1817 beendet. (Die Nummerierung der Häuser entspricht noch dem System, das zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels 2005, gültig war.)

Wohlsborns Gemarkung und deren Straßen und Wege

Vergleicht man die Karte der Gemarkung Wohlsborn von 1817 mit einer aktuellen Karte, so erkennt man doch einige wesentliche Unterschiede. Da gehören die Straßen und Wege dazu. Es ist schon erstaunlich, dass am Ortsrand Wohlsborns eine wichtige Straße entlang führte: die Straße Weimar – Buttstädt, wie bereits im vorigen Beitrag erwähnt wurde.
Die Residenzstadt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach hatte keine direkte Verbindung zu den großen Handelsstraßen: die West-Ost-Straße führte von Frankfurt/Main über Erfurt – Kerspleben – Berlstedt – Buttelstedt – Buttstädt nach Leipzig und die Nord-Süd-Straße, die Kupferstraße führte von Eisleben/Mansfeld über Hardisleben – Niederreißen – Oberreißen – Rohrbach – Liebstedt – Ullrichshalben bis nach Nürnberg.

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Die Leipziger Straße war damals für Weimar nur über die Straße Weimar – Wohlsborn – Rohrbach – Oberreißen – Buttstädt zu erreichen.
Die Wichtigkeit für Wohlsborn zeigt sich auch in der Bezeichnung „Straße“. Sie wurde von Schöndorf kommend bis zum Ortsanfang „Weimarische Straße“ und fortführend als „Buttstädter Straße“ benannt. Nach der Kreuzung mit dem „Mühlenweg“ wird diese Straße allerdings als „Rohrbacher Weg“ bezeichnet.
Als später die Strecke Weimar – Großobringen nach Buttelstedt favorisiert wurde, war die Route über Wohlsborn nicht mehr interessant.
Die in der Karte eingezeichnete „Weimarische Straße“ gibt es heute nicht mehr. Für die Verbindung nach Weimar wurde 1869 der „Holzweg“ bis zur Grenze zu Schöndorf ausgebaut. Das Stück „Buttstädter Straße“ und den „Weg nach Rohrbach“ gibt es ebenfalls nicht mehr. Von den in der Karte eingezeichneten Wegen wurden einige in ihrer Streckenführung unverändert gelassen. Das betrifft den „Weg nach Liebstedt“, den „Galgenweg“ (führt am Wasserbassin des Wasserwerkes Sachsenhausen vorbei), den „Denstädter Weg“, den „Oßmannstädter Weg“ und den „Weg nach Sachsenhausen“. Der „Oßmannstedter Weg“ wurde 1888 als befestigte Straße bis zum Bahnhof ausgebaut und „An der Eisenbahn“ genannt. Der „Weg nach Sachsenhausen“ wurde 1877 bis zu Flurgrenze zu Sachsenhausen als befestigte Straße ausgebaut.
Die Ortsverbindung nach Großobringen wurde wahrscheinlich 1871 in ihrer Streckenführung geändert, aber nur im Ort befestigt. Auch die Verbindung nach Liebstedt, in ihrer Streckenführung zwar unverändert, blieb außerhalb des Ortes bis in die 1970er Jahre Feldweg. Auch der Bachverlauf wurde geändert.
In der Karte habe ich die Bezeichnung „Scherkonde“ mit „a“ und „b“ versehen. „a“ ist der ursprüngliche, natürliche Verlauf des Baches, „b“ zeigt ein begradigtes Bachbett. Diese Veränderung ist allerdings bereits auf der Karte von 1817 eingezeichnet. Wenn man die Gemarkungsgrenze im Osten und Norden betrachtet, fällt auf, wie „zerklüftet“ diese war. 1869 wurde eine „Separation der Planlage“ durchgeführt und die heutige Gemarkungsgrenze festgelegt.

Die Dorfmauer und die Straßen im Ort

Als 1815 das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vom Wiener Kongress zum Großherzogtum erhöht wurde, war das verbunden mit einem ganz ordentlichen Gebiets- und Bevölkerungszuwachs. Wie im vergangenen Beitrag bereits ausgeführt, gehörte auch Wohlsborn dazu. Für das Großherzogtum war es natürlich wichtig, genaue Abmessungen der neuen Besitzungen zu erhalten. So wurde 1817 u.a. auch die Gemarkung Wohlsborn vermessen und in 6 Blättern aufgezeichnet.

Dorfmauer und Straßen Wohlsborn
Dorfmauer und Straßen Wohlsborn

Blatt 1 erfasste das eigentliche Dorf und zeigt sehr deutlich den Rundlingscharakter des Ortes.  Die Karte zeigt aber auch, dass es nur einen Weg in das Dorf gab. Die alte von Weimar kommende Straße mündete in einem großen Platz, dem Anger. Von dort verzweigte sich die Straße als Hauptstraße nach Buttstädt/Oßmannstedt, als Weg in das Dorf hinein, als Weg nach Großobringen und als Weg nach Sachsenhausen.

Auch heute noch ist der alte Kern des Dorfes erhalten und lässt sich bequem umrunden. Wir beginnen am Glaserplatz und gehen Richtung Sachsenhausen. Rechts sind noch Teile einer Mauer zu sehen, die möglicherweise das ganze Dorf umfasste. Die Kreuzung Sachsenhäuser Straße/ Zum Rutschestein/ Großobringer Weg gab es nicht, es gab dort weder eine Straße in den Ort, noch Richtung Großobringen. „Die Neue Gasse“, heute Teil der Straße „Zum Rutschestein“ wurde erst später angelegt. Eine Bebauung links der Sachsenhäuser Straße gab es ebenfalls noch nicht.

Weiter führt uns der Weg am Friedhof entlang, der 1900 neu angelegt wurde, weil der Gottesacker an der Kirche voll belegt war. Nach der Kurve an dem Holzbearbeitungsbetrieb ist wieder ein Stück Mauer zu sehen.

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Dorfmauer

Bis zum Rosselraine gab es auch hier links von der Straße keine Bebauung. Eine Straße von der Sachsenhäuser Straße (die damals nicht mehr als ein Feldweg war) bis zur Straße „Am Rosselraine“, gab es damals nicht. Nicht einmal ein befestigter Weg ist in der Karte eingezeichnet. Eine Art Grünstreifen gab es dort, der für Ziegen und Schafe genutzt wurde. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Grundstücke Nr. 21 und 22 bebaut wurden, wurde ein Weg angelegt, der in Höhe des Hauses Nr.21 in das Dorf führte. Dazu wurde vom Grundstück Nr. 23 ein bogenförmiger Teil abgetrennt.

Dort, wo die Straße „Am Rosselraine“ von dem „Liebstedter Weg“ abzweigt, beginnt wieder ein Stück Mauer, das bis zum Grundstück Nr. 27 dem damaligen Ortsrand entspricht. Anschließend verlief der Ortsrand von der heutigen Straße aus ca. 40m nach rechts versetzt bis die nächste Querstraße erreicht wird. Folgen wir dieser Straße, so stoßen wir ab Grundstück Nr. 37 auf den letzten Abschnitt der „Dorfmauer“. Diese Mauer dient vor allem dem Abstützen der dahinter liegenden Grundstücke, die höher als die Straße liegen und offensichtlich eine Fortsetzung des Lindenbergs sind.

Da diese Straße sowohl in Richtung Oßmannstedt als auch in Richtung Buttstädt führte und damit eine wichtige Verbindung zwischen Weimar und Buttstädt war, musste dort der auslaufende Lindenberg unterbrochen und abgetragen werden. Auch hier war die linke Seite, der Lindenberg, bis zur heutigen Kreuzung unbebaut. Und damit sind wir bereits wieder am Glaserplatz angelangt. Uns rechts haltend kommen wir ins Dorf – wie bereits erwähnt, der einzige befahrbare Weg in den Ort. Damit ist der Rundgang um Wohlsborn des Jahres 1817 beendet. (Die Nummerierung der Häuser entspricht noch dem System, das zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels 2005, gültig war.)